Oh Schreck, die Tochter will ein Tattoo

Die Zeit sei reif für ein Tattoo, spricht die Tochter mit ernster Stimme, die Phase des Überlegens nun vorbei und die Volljährigkeit in Greifnähe. Nein, nein, finden wir Eltern, ein Tattoo kommt nicht in Frage. Und so kommt es, wie es kommen muss. 
Unsere Tochter spielt schon länger mit dem Gedanken, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Inzwischen ist das gute Kind zu einer jungen Frau herangewachsen, im November wird sie zwanzig. Die dreijährige Beziehung zu ihrem Freund Alex ist unlängst in die Brüche gegangen. Er war der Körperbemalung nicht ganz so zugeneigt wie sie. Wobei das nicht die einzige Differenz in der Partnerschaft war und nicht der Grund fürs Adieu. Wie auch immer, ein neuer Lebensabschnitt steht bevor. 
 
Dieser sei mit einem Tattoo zu starten, findet unsere Tochter. Mein Mann und ich sind uns einig, diese Körpermalerei landauf, landab gefällt uns mässig. Unsere Augen sind nicht wirklich an Tattoos gewöhnt, im Gegenteil, unbeschriebene Haut finden wir einfach schöner. Also versuchen wir ihr gesundheitliche Risiken entgegenzuhalten oder über altersbedingte Veränderungen, die ganze Buchstaben oder Teile eines Bildes in tiefen Furchen fallen lassen. Ha ha, darüber lacht natürlich die Jugend, wer befasst sich schon mit Dingen in Muttis Alter? Wir googeln nach missratenen Tattoos von Tätowierern mit sparsam künstlerischen Genen oder grammatikalischen Unterentwicklungen. Wir raten zu temporären Fake-Tattoos, wie damals, als wir Abziehbilder aus der Kaugummiverpackung mit Spucke auf unseren Oberarmen fixierten.  
Artikel kostenlos weiterlesen

Registrieren Sie sich gratis und profitieren Sie:

  • Begrüssungsgeschenk: Wahl aus 150 Angeboten
  • Unbegrenzter Zugriff auf über 2’000 Artikel
  • Artikel merken und Lesezeichen speichern
  • Elterntipps und wertvolle Unterstützung
  • 100% kostenlos für Sie
Jetzt Registrieren