Berufswahl: Wer bin ich eigentlich? - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
Merken
Drucken

Berufswahl: Wer bin ich eigentlich?

Lesedauer: 3 Minuten

Schritt 1: Interessen und Stärken

Je besser man sich kennt, desto eher findet man einen passenden Beruf. Sich selbst realistisch einzuschätzen, ist für junge Menschen allerdings nicht immer einfach.

Text: Stefan Michel
Bild: Gabi Vogt /13 Photo

Der Anfang der Suche nach der passenden Ausbildung liegt ganz nah: bei der eigenen Person. Wo liegen meine Inter­essen? Wann fühle ich mich wohl? Was macht mich aus? Für Jugendliche, die keine Kinder mehr sind, aber auch noch ­keine Erwachsenen, sind ­diese Fragen besonders schwer zu beantworten.

Sie schlagen sich gerade mit diversen weiteren Entwicklungsaufgaben herum: Sie suchen ihren Platz in der Gesellschaft, überlegen, welche Werte ihnen wichtig sind, welche Art von Beziehung sie haben möchten und wie sie wahrgenommen werden wollen. Zudem tanzen die Hormone. Viele, aber nicht alle diese Fragen beeinflussen die Berufswahl. Dennoch steht diese nicht für alle Jugendlichen im Zentrum ihres Interesses.

Damit beschäftigen müssen sie sich dennoch. Und wenn sie es richtig anstellen, erfahren sie dabei auch noch einiges über sich selber.

Alltagsfragen sind ein guter Einstieg:
  • Zu welchen Themen habe ich zuletzt nach Informationen ge­sucht?
  • Worüber weiss ich so viel, dass ich anderen Auskunft gebe?
  • Bei welcher Beschäftigung vergesse ich die Zeit?
  • Wozu muss ich mich überwinden und bin froh, wenn ich es hinter mir habe?
  • Löse ich Aufgaben lieber allein oder mit anderen?
  • Nutze ich meine Fremdsprachenkenntnisse?
  • Arbeite ich gerne mit den Händen?
  • An welchem Ort fühle ich mich am wohlsten?

Solche Fragen, die sich aus der Erinnerung an die letzten Tage oder Wochen beantworten lassen, erleichtern die Selbsteinschätzung. Es geht dabei noch nicht um spezifische Berufe, sondern um persönliche Neigungen. Ziel ist, herauszufinden, was das für ein Mensch ist, zu dem der Beruf oder die Ausbildung passen soll.

Ein guter Ausgangspunkt ist die Frage nach dem persönlichen Traumjob: Astronautin? Mode­designer? Extrem-Alpinistin? In solchen Wunschträumen steckt ein Interesse an einer bestimmten Aktivität, einem Umfeld, in dem man arbeiten möchte, in manchen auch das Ansehen, das ein Beruf mit sich bringt. Dieses Interesse kann der erste Schritt in jene Richtung sein, in der das nächste Ausbildungsziel liegt.

Was einen jungen Menschen interessiert und was er gerne tut, hängt oft damit ­zusammen, worin er gut ist.

Die an der Raumfahrt Interessierte kann sich vielleicht auch für andere naturwissenschaftliche und technische Themen begeistern. Derjenige, der auf eine ­Karriere in der Modebranche hofft, kann sich überlegen, was er sonst noch gerne gestaltet. Dann ist es gut möglich, dass beide dabei auf neue Themen stossen, die sie noch brennender interessieren. Denn dass sich Interessen ändern, ist normal, gerade bei Jugendlichen.

Hier können Sie das Berufswahl-Spezial als Einzelausgabe bestellen für 4.50 Fr. plus Porto.

Was einen jungen Menschen interessiert und was er gerne tut, hängt oft – aber nicht immer – damit zusammen, worin er gut ist. Wer sich gut auf die direkt vor ihm liegende Sache konzentrieren kann, wird sich eher dafür interessieren, komplexe technische Aufgaben zu lösen. Wer am liebsten den ganzen Tag mit Menschen in Kontakt ist, gerne Dinge erklärt oder eine Pfadfinderschar führt, dürfte seine Stärken eher in der Kommunikation und im Einfühlungsvermögen haben.

Realitäten anerkennen

Auch wenn Schulleistungen nur einen Teil einer Persönlichkeit und der Fähigkeiten abbilden, kommen viele in der Berufswahl nicht darum herum, gewisse Realitäten anzuerkennen. Wer in Mathematik Mühe hat, zu folgen, muss entweder an diesen Defiziten arbeiten oder sich eine Beschäftigung suchen, in der ab­straktes Denken und Zahlen eine untergeordnete Rolle spielen.

Wählen Bewegungsmuffel für die Schnupperlehre einen körperlich anstrengenden Beruf, finden sie heraus, wie sie ausserhalb ihrer Komfortzone funktionieren. Vielleicht gefällt ihnen die Bewegung im Alltag ja sogar. Dann können sie die Lehre auch als körperliche Herausforderung annehmen. Ist der physisch harte Job nichts für sie, haben sie wieder etwas über sich gelernt.

In sieben Schritten den eigenen Weg finden

Die Wahl der passenden Ausbildung nach der Sekundarschule lässt sich in sieben aufeinanderfolgende Aufgaben einteilen:

Das PDF mit den Fragen an Berufswählende können Sie hier herunterladen.

Stefan Michel
ist freier Journalist und Texter und lebt mit seiner Partnerin und zwei Kindern in Zürich.

Alle Artikel von Stefan Michel

Lesen Sie mehr zum Thema Berufswahl

Arbeitszeugnis: Arbeitseinsatz eines Jugendlichen in einem Betrieb
Berufswahl
«Ein gutes Arbeitszeugnis relativiert schlechte Noten»
Das Projekt Lift hilft Jugendlichen mit erschwerter Ausgangslage bei der Berufswahl. Co-Geschäftsleiterin Gabriela Walser im Interview.
Fritz+Fränzi
Redaktions-Nachwuchs auf Tour
Am Zukunftstag haben Meret, Samuel und Yannik die Fritz+Fränzi-Redaktion besucht, waren einen Tag lang als Journalisten und Journalistin im Einsatz und haben dabei viele spannende Berufe kennengelernt.
Globi erobert nun endlich auch die Toniebox.
Advertorial
Globi, jetzt auch bei tonies®
Globi erobert nun endlich auch die Toniebox. Ab Juli erzählt er den Kindern Geschichten – natürlich auf Schwyzerdütsch.
Berufswahl: Berufe der Zukunft
Berufswahl
Das sind die Berufe der Zukunft
Fakten-Überprüferin, Offline-Therapeut, digitale Bestatterin: Was nach Science-Fiction tönt, sind Berufe, die künftig wichtig werden könnten – oder es bereits sind.
Berufswahl
«Die menschliche Arbeit wird es immer brauchen»
Ökonom Stefan Leist über die Folgen von künstlicher Intelligenz (KI) für den Arbeitsmarkt, den Mangel an Fachkräften und was er jungen Lehrstellensuchenden rät.
Beruf
Berufswahl
«Die Psyche des Menschen interessiert mich»
Jonas Zollinger wusste früh, welchen Beruf er lernen wollte. Nach der Schnupperlehre war er verun­sichert. Nun hat er seinen Traumjob gefunden.
Berufswahl
Berufswahl ist ein Teamsport
Die meisten Jugendlichen treffen mit der Berufswahl erstmals eine grosse Entscheidung selbst. Unterstützt werden sie von den Eltern, der Schule und der Berufsberatung.
Ärztin
Berufswahl
«Ich möchte Ärztin werden»
Nyat Demoz, 18, aus Zürich kam vor vier Jahren aus Eritrea in die Schweiz. Sie ist im zweiten Lehrjahr als ­Fachfrau Gesundheit EFZ. Für ihren Traum arbeitet sie hart.
Berufswahl
Hohe, aber überwindbare Hürden für Geflüchtete
Damit sich junge Geflüchtete in der Schweiz beruflich etablieren können, benötigen sie Unterstützung.
Lehrstellen
Berufswahl
Lehrstellen und Berufsporträts in spannenden Branchen
In dieser Online-Übersicht stellen Branchenverbände und Unternehmen aus verschiedensten Bereichen ihr Lehrstellen- und Ausbildungsangebot vor.
Berufswahl
So unterstützen Eltern ihr Kind bei der Berufswahl
Zwei Expertinnen erzählen, weshalb viele Jugendliche nicht sofort ihren Traumberuf finden und weshalb Eltern sich in Geduld üben sollten.
Berufswahl
«Nicht jeder Weg verläuft gerade»
Job Caddie ist ein kostenloses Mentoring für Jugendliche und junge Erwachsene mit Schwierigkeiten in der Lehre und beim Berufseinstieg.
Mikael Krogerus Kolumnist
Elternblog
«Was willst du werden, wenn du gross bist?»
Unser Kolumnist Mikael Krogerus schreibt, warum wir aufhören sollten, unseren Kindern diese Frage zu stellen und welche Frage die richtige wäre.
Berufswahl
Lauras Kampf um den Titel der Schreiner-Schweizermeisterin
Laura Leimgruber hat an den SwissSkills in Bern um den Titel der Schweizermeisterin der Schreinerinnen und Schreiner gekämpft. Ihre sportliche Vergangenheit und eineinhalb Jahre Vorbereitung auf den Wettkampf haben ihr geholfen, vier Tage lang Tempo und Präzision unter einen Hut zu kriegen.
Berufswahl
«Der Lehrbetrieb muss so gut passen wie der Beruf»
Damit die Lehre gelingt, sollte neben der Arbeit auch das Umfeld stimmen. Manche entscheiden sich gar wegen eines Betriebs für einen Beruf.
Berufswahl
«Wo Berufsvirtuosen um Medaillen kämpfen»
Wer ist die beste Bootsbauerin der Schweiz, die beste Hufschmiedin, der beste Koch? An den Schweizer Berufsmeisterschaften in Bern kämpfen über 1000 junge Berufsleute um Titel und Medaillen. Die Swiss Skills finden zum dritten Mal statt.
Berufswahl
«Die Lehrperson führt durch den Prozess, die Berufsberatung ergänzt»
Laufbahn-Experte Daniel Reumiller über Aufgaben und Grenzen der Berufsberatung und was hilft, wenn Eltern ihr Kind bei der Berufswahl anders beurteilen als die Schule.
Berufswahl
Das Vorstellungsgespräch – so machen Sie eine gute Figur
Es ist die letzte Etappe auf dem Weg zur Lehrstelle – und die vielleicht schwierigste: das Bewerbungsgespräch. Die besten Tipps im Überblick.
Berufswahl
Dieses Sprungbrett hilft jungen Flüchtlingen eine Lehrstelle zu finden
Die Integrationsvorlehre bereitet spät in die Schweiz Migrierte auf eine Berufslehre vor. So finden sie Anschluss an die Berufsbildung und an unsere Gesellschaft.
Berufswahl
«Die Verantwortung liegt bei den Eltern, nicht bei der Schule»
Berufswahl-Expertin Ruth Sprecher über die optimale Rollenverteilung zwischen Eltern, Schule und Berufsberatung bei der Lehrstellensuche.
Berufswahl
«Junge Geflüchtete können mit ihrer Motivation punkten»
Wie finden junge Geflüchtete eine Lehrstelle? Caritas-Mentorin Laura Baumann redet über Stolpersteine und Chancen für betroffene Jugendliche.
Berufswahl
Berufsbildung geht auch mit Handicap
Für eine Berufslehre brauchen Menschen mit einer Behinderung oft entsprechende Unterstützung und aufgeschlossene Lehrbetriebe.
Service Berufswahl: Infos
Berufswahl
Berufswahl: Infos, Links und Termine
In unserem Service-Teil finden Sie alle wichtigen Infos, Links und Termine für Jugendliche, die auf der Suche nach einer passenden Ausbildung sind.
Berufswahl
Brückenangebote sind keine Notlösung
Das zehnte Schuljahr gilt als Notlösung für die, die keine Lehrstelle gefunden haben. In Wahrheit ist es ein sinnvolles Bildungsangebot.
Berufswahl
«Als Au-pair habe ich ­gelernt, Verantwortung zu übernehmen»
Arthur Pasquier, 16, aus Bern, wollte sich schulisch und als Person weiterentwickeln. Darum machte er ein zehntes Schuljahr als Au-pair im Tessin.