Das macht eine Dose Red Bull mit dem Körper Ihres Kindes
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Das macht eine Dose Red Bull mit dem Körper Ihres Kindes

Lesedauer: 4 Minuten

Energydrinks stehen bei Jugendlichen hoch im Kurs. Die koffein-, säure- und kalorienhaltigen Getränke sollen die Leistungsfähigkeit steigern und auf Partys die Müdigkeit vertreiben. Forscher halten mehr als zwei Dosen pro Tag für problematisch. Und warnen vor Langzeitschäden. 

Text: Petra Seeburger
Bild: fotolia.com

Das Wichtigste zum Thema

Laut einer Schweizer Studie trinkt hierzulande jeder fünfte Elfjährige mindestens einmal pro Woche einen Energydrink. Bei den 15-Jährigen bereits jeder zweite. Woraus besteht eine Dose Red Bull eigentlich? Und wie schädlich ist es für Kinder und Jugendliche wirklich?

Steffi Schlüchter, Ernährungsberaterin der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung sagt: «Die Risiken betreffen genau diese vier Bestandteile Koffein, Zucker, Zusatzstoffe und Säuregehalt. Mögliche Folgen können heute noch nicht abgeschätzt werden, da vor allem Langzeitstudien fehlen». 

  • Karies
  • Übergewicht
  • Krankheiten durch Kombination von Karies und Übergewicht

Welche Menge an Energydrinks ungefährlich ist und was für Alternativen es gibt, lesen Sie im vollständigen Artikel.

Ein Urteil ist schnell gefällt: «Das schmeckt wie flüssige Gummibärchen», sagt Felix. Der 13-Jährige liebt den Kick aus der Dose. Pro Tag trinkt Felix drei Dosen Red Bull. Mit seinem Körpergewicht von 55 Kilo konsumiert er so täglich 240 mg Koffein, was etwa drei Tassen Kaffee entspricht. Dies überschreitet selbst die von der europäischen Lebensmittel-sicherheitsbehörde empfohlene Obergrenze für Erwachsene, die bei 3 mg pro Kilo Körpergewicht liegt.

Hoher Konsum von Energydrinks bei Jugendlichen

Laut Sucht Schweiz sollten Jugendliche über 12 Jahren aber nicht mehr als 100 mg Koffein pro Tag konsumieren. Felix nimmt mit den Energydrinks auch an die 400 zusätzliche Kalorien zu sich. Sein Durst ist damit aber noch nicht gelöscht, denn die Getränke sind sehr süss. 

Seine Kollegen, die knapp zwei Jahre älter sind, mixen die Energydrinks bereits mit Alkohol. Felix’ Eltern verbieten ihm das strikt. Sonst sind sie tolerant – obwohl auch sie sich immer wieder fragen, wie gefährlich Energydrinks denn nun wirklich sind. 

Bereits jeder fünfte Elfjährige trinkt einmal pro Woche einen Energydrink.

Energydrinks werden heute vor allem von Jugendlichen getrunken. Damit stehen sie im Fokus der Hersteller, die mit coolem Design und ausgefallenem Sportsponsoring für die Getränke werben. Mit Erfolg: Eine Studie der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde aus dem Jahr 2015 ergab, dass 68 Prozent der 10- bis 18-Jährigen regelmässig Energydrinks konsumieren. 

Eine Schweizer Studie, die 2015 in der Public Library of Science PLOS (Öffentliche Bibliothek der Wissenschaften) publiziert wurde, zeigt ähnliche Dimensionen. Einer kürzlich durchgeführten Schweizer Schülerbefragung zufolge trinkt hierzulande bereits jeder fünfte Elfjährige mindestens einmal pro Woche einen Energydrink, bei den 15-Jährigen bereits jeder zweite.

Wachmacher und Zucker

Energydrinks bestehen hauptsächlich aus Koffein, Zucker und Zusatzstoffen: So enthält eine Dose Red Bull 80 mg Koffein, etwa neun Würfelzucker, die Aminosäure Taurin, B-Komplex-Vitamine und Wasser. Da Energydrinks sehr süss sind, wird ihnen oft Zitronensäure beigemengt, um das auszugleichen. Die Risiken betreffen genau diese vier Bestandteile Koffein, Zucker, Zusatzstoffe und Säuregehalt. «Mögliche Folgen können heute noch nicht abgeschätzt werden, da vor allem Langzeitstudien fehlen», sagt Steffi Schlüchter, Ernährungsberaterin der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung. Die Gesellschaft, welche Lehrpersonen, Ernährungsberaterinnen, Ernährungs- und Naturwissenschaftler sowie Mediziner zu ihren Mitgliedern zählt, bewertet Energydrinks als nicht empfehlenswert für Kinder und Jugendliche.

Aufputscher Koffein

Hauptmerkmal der Energydrinks ist das Koffein. Dieses wirkt auf das Nerven- und Herzkreislaufsystem. Kurz nach der Aufnahme von Koffein steigen Puls, Blutdruck und der Zuckerspiegel. Man fühlt sich energiegeladen, was mehrere Stunden anhält. «Kinder reagieren intensiver auf Koffein als Erwachsene», sagt Steffi Schlüchter. Empfindlichkeit oder Überdosierung können zu Herzrasen, Nervosität und Reizbarkeit führen. Herzprobleme oder Angstzustände sind mögliche Folgen. «Die anregende Wirkung von Koffein kann bei Kindern zu gestörter Aufmerksamkeit und Hyperaktivität oder Schlafstörungen führen», warnt die Ernährungsberaterin. Aber auch Jugendliche zeigen Symptome und Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Energydrinks. Dies belegt eine aktuelle US-Studie von Bashir et al.: «Fast alle Studienteilnehmenden berichteten über Kopfschmerzen, jeder Zweite über Aggressivität und jeder Fünfte über Atemprobleme.» Die Websites der Energydrink-Hersteller versuchen zu beruhigen: Koffein sei ein natürliches Produkt, dass «in mehr als 60 Pflanzen vorkommt» und in «vielen Nahrungsmitteln wie auch Schokolade enthalten ist».

Risiko für Kalorien und Karies 

Der hohe Zucker- und Säuregehalt birgt weitere Risiken. Ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Süssgetränken und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ist belegt und bekannt. Energydrinks haben dazu einen höheren Säuregehalt als gesüsste Getränke. «Solche Säuren, wie die oft verwendete Zitronensäure, verursachenErosionen auf den Zähnen», warnt Dr. Giorgio Menghini von der Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie des Zentrums für Zahnmedizin der Universität Zürich. Zucker wirke schon kariogen, dazu komme die Säure, die den Zahnschmelz angreift. «Das wirkt sich langfristig schlecht auf die Zahngesundheit aus», so Menghini.

Nach jedem Schluck aus der Dose baden die Zähne in Zucker und Säure.

Problematisch sei zudem, dass Energydrinks schluckweise über eine lange Zeit getrunken werden. Die Zähne baden so dauernd in Zucker und Säure: «Zahnschäden hängen weniger von der Gesamtmenge, sondern vor allem von der Dauer der Exposition ab.» 

Sucht Schweiz warnt auch vor der Mischung von Energydrinks und Alkohol, da «Zucker und Koffein die Wirkung des Alkohols kaschieren».

Zusatzstoffe mit unklarer Wirkung 

Die meisten Energydrinks enthalten Zusatzstoffe wie Glucoronlacton Taurin oder L-Carnitin. «Taurin kommt in verschiedenen Lebensmitteln vor, etwa in Fleisch und Fisch», sagt Steffi Schlüchter. Es sei an vielen Prozessen am menschlichen Körper beteiligt, aber seine genaue Wirkung sei nicht vollständig geklärt. 

Ähnlich ist es beim L-Carnitin oder dem Glucoronlacton. «Es ist auch nicht klar, ob und wie diese Zusatzstoffe die Leistungsfähigkeit wirklich beeinflussen», betont Schlüchter. Die fehlende Datenlage rate somit zur Vorsicht. Sara M. Seifert von der Kinderklinik in Miami kommt in ihrer vor wenigen Jahren publizierten Studie zum gleichen Schluss. «Die pharmakologische Wirkung der Zusatzstoffe kann schwerwiegende unerwünschte Effekte auslösen, die wir heute noch nicht kennen», so ihr Fazit. Sie und ihr Team fordern daher eine Reglementierung und mehr Forschung über die Langzeitwirkung. 

Bei Energydrinks gilt also Achtsamkeit. Koffeinempfindliche Menschen sind besonders gefährdet. Dazu gehören werdende Mütter und besonders Kinder und Jugendliche. Auf die Frage, ab welchem Alter Energydrinks bedenkenlos konsumiert werden können, winkt Ernährungsberaterin Steffi Schlüchter ab: «Eigentlich in keinem Alter. Das beste Getränk ist Wasser!»

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Engergydrinks in Kürze

In der Schweiz regelt die Verordnung über Speziallebensmittel die Konsumation von Energydrinks. Die «koffeinhaltigen Spezialgetränke» haben hohe Energiewerte von über 45 kcal pro 100 ml und beinhalten mehr als 25 mg Koffein pro 100 ml. Teilweise werden weitere stimulierende Substanzen zugegeben, wie Vitamine, Kohlendioxid oder Taurin. 

Am bekanntesten ist Red Bull, das 1987 in Österreich lanciert wurde und seit 1994 in der Schweiz zugelassen ist. Inzwischen bieten zahlreiche Getränkehändler oder Lebensmittelkonzerne wie Migros oder Coop eigene Produkte an. Seit 2014 sind in der Schweiz auch Mischgetränke von Alkohol und Energydrinks erlaubt, was laut Sucht Schweiz für die Präventionsmassnahmen ein Rückschritt ist.

Petra Seeburger
ist Intensivpflegefachfrau, Journalistin und Kommunikationsspezialistin. Sie arbeitet seit 30 Jahren im Gesundheitswesen.

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