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Gut, besser, Superfoods?

Lesedauer: 2 Minuten

Vitamine und Mineralien sind essenziell für die Entwicklung von Körper und Gehirn. Genau hier sollen die sogenannten Superfoods unterstützend wirken. Doch ist das überhaupt nötig?

Text: Wina Fontana
Bild: Westend61/Getty Images

In Zusammenarbeit mit Betty Bossi

Superfoods sind wortwörtlich in aller Munde. Und seit knapp zehn Jahren kaum mehr aus dem deutschen Sprachgebrauch wegzudenken. Laut Wörterbuch werden mit Superfoods «nährstoffreiche Lebensmittel, die als besonders förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden erachtet werden» beschrieben. Der Ursprung des Trendworts liegt aber über 100 Jahre zurück und wurde damals zur Vermarktung einer uns gut bekannten Frucht verwendet: der Banane. Als Superfood der ersten Stunde wurde das ehemalige Luxusgut bald als «günstige und gut verdauliche Nährstoffquelle in eigener Verpackung» beworben.

Ist der weite Transportweg gerechtfertigt?

Mittlerweile hat die Familie der Superfoods grossen Zuwachs bekommen. Lebensmittel mit einem artspezifischen hohen Vitamin- oder Mineralstoffgehalt sowie grossen Mengen an sekundären Pflanzenstoffen aus aller Welt werden als besonders gesundheitsfördernd bejubelt. So sollen Gojibeeren das Immunsystem mit viel Vitamin C unterstützen und das in Chiasamen enthaltene Kalzium soll das Wachstum optimal unterstützen.

Dennoch geraten sie immer mehr in die Kritik: Bei den oft aus exotischen Ländern stammenden Lebensmitteln wird das ehemals für «gesund» stehende «super» immer häufiger mit «teuer» und «umweltschädlich» assoziiert. Lange Transportwege, fragwürdige Arbeitsbedingungen sowie der Einsatz von schädlichen Pestiziden werfen einen Schatten auf die Superfoods. Auch die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit werden immer häufiger infrage gestellt, da diese oft nur unter Laborbedingungen und mit grossen Zufuhrmengen untersucht wurden.

Lokale Superhelden

Verstehen Sie mich nicht falsch: Eine ausreichende Vitamin- und Nährstoffabdeckung ist nach wie vor ein wichtiger Grundstein für das Wachstum und die Gesundheit im Allgemeinen. Doch um Produkte mit einer hohen Vitamin- und/oder Mineralstoffdichte zu finden, müssen Sie nicht nach exotischer Importware greifen.

Auch die Schweiz und ihre angrenzenden Gebiete bieten ein grosses Angebot an nährstoffreichen Powerpaketen. Nun aber Nährwerttabellen zu studieren und gesunde Lebensmittel miteinander zu vergleichen, um zu sehen, welches Gemüse in Sachen Vitamingehalt noch etwas besser abschneidet als das andere, halte ich für übertrieben. Versuchen Sie einfach, den Fokus auf eine mehrheitlich ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung zu legen.

11 Tipps für den Alltag

  • Kaufen Sie saisonal und regional ein, so ist für Abwechslung und Frische gesorgt.
  • Das Angebot an Gemüse und Früchten beim Grossverteiler wächst stetig. Probieren Sie neue Sorten aus.
  • Treiben Sie es bunt: Verschiedene Farben deuten auf unterschiedliche Nährstoffe hin. Gestalten Sie also besonders die Gemüse- und Früchteportionen abwechslungsreich.
  • Nüsse, Kerne und Samen liefern wichtige Fettsäuren und lassen sich gut und unauffällig in Gerichte integrieren.
  • Tiefgekühlte Beeren und Früchte sind eine tolle Alternative in der kühlen Jahreszeit. Sie eignen sich hervorragend für Müesli oder Wähen.
  • Gemüse, das direkt nach der Ernte schockgefrostet wird, enthält je nach Sorte bis zu 50 Prozent mehr Vitamine als am nächsten Tag verkauftes Marktgemüse – und kann auch ausserhalb der Saison genossen werden.
  • Sprossen kann man prima selbst ziehen. Besonders Kindern macht das Gärtnern Spass.
  • Spinat, ob frisch oder aus dem Tiefkühler, ist ein wunderbarer Kaliumlieferant und kann somit als Alternative für Bananen dienen. Für eine bessere Akzeptanz kann der Spinat zum Beispiel mit Kartoffeln oder Teigwaren vermischt werden.
  • Für kleine Naschkatzen und -kater bieten sich Trockenfrüchte an. Aufgrund des hohen Zuckergehalts sollten Sie diese allerdings nur in kleinen Mengen anbieten. Mit einer kleinen Hand voll sind Sie auf der sicheren Seite.
  • Die seit Kurzem wieder vermehrt in der Schweiz angebauten Leinsamen stehen den weit gereisten Chiasamen in den wertvollen Nahrungsfasern in nichts nach.
  • Falls Sie dennoch Lust haben, die Nährwerte zu vergleichen, bietet sich die Website www.naehrwertdaten.ch an. Dort finden Sie praktische Übersichten, Vergleichstools und eine Suchfunktion zum Suchen einzelner Inhaltsstoffen.

Wina Fontana
ist Ernährungsexpertin SVDE, hat einen Bachelor in Ernährung und Diätetik und arbeitet bei Betty Bossi.

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