Diagnose Diabetes – was Eltern wissen sollten -
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Diagnose Diabetes – was Eltern wissen sollten

Lesedauer: 3 Minuten

Anders als landläufig noch immer häufig angenommen, wird der früher oft Zuckerkrankheit genannte Diabetes nicht durch zu grossen Süssigkeitenkonsum ausgelöst.

Text: Wina Fontana
Bild: iStockphoto

In Zusammenarbeit mit Betty Bossi

Bei Diabetes mellitus handelt es sich um den Überbegriff für eine chronische Stoffwechselerkrankung mit mehreren Unterformen. Aufgrund des erhöhten Blutzuckerspiegels wurde die Krankheit früher umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt. Vor einer genaueren Betrachtung von Diabetes ist es sinnvoll, einmal den Zuckerstoffwechsel als solchen anzuschauen.

Unser Körper benötigt Energie, um zu funktionieren. Diese Energie gewinnen wir aus der Nahrung. Eine besondere Bedeutung für unseren Energiestoffwechsel hat Zucker, den wir in Form von Kohlenhydraten zu uns nehmen. Wenn wir Kohlenhydrate essen, werden diese im Magen-Darm-Trakt in Zuckerbausteine aufgespalten und ins Blut abgegeben. Dies führt dazu, dass der Blut­zuckerspiegel ansteigt.

Damit unser Körper den Zucker in die Zellen transportieren kann, braucht er das Hormon Insulin. Dieses wird von den sogenannten Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse produziert und ins Blut abgegeben, wenn der Blutzuckerspiegel ansteigt – im Normalfall.

Findet dieser Vorgang nicht mehr statt, spricht man von einem Diabetes mellitus. Medizinisch unterscheidet man dabei hauptsächlich zwei Arten. Beide Formen beeinflussen den Blutzucker, unterscheiden sich aber in wesentlichen Punkten.

Typ-1-Diabetiker müssen lebenslang Insulin zuführen

Nur rund 10 Prozent aller Diabetespatientinnen und -patienten sind vom Diabetes Typ 1 betroffen. Dieser zeigt sich häufig bereits in der Kindheit oder Jugend. Darum ­wurde die Krankheit früher auch Jugenddiabetes oder juveniler ­Diabetes genannt.

Dabei greift das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie, was zu einem Insulinmangel führt. Weshalb dies geschieht, ist unklar, es wird aber angenommen, dass genetische und andere Faktoren eine Rolle spielen.

Menschen mit einem nicht diagnostizierten Diabetes Typ 1 sind eher untergewichtig.

Aufgrund des Insulinmangels kann der Körper den Zucker nicht mehr in den Zellen aufnehmen und wird so nicht mehr mit Energie versorgt. Anders als oft angenommen, sind Menschen mit einem nicht diagnostizierten Diabetes Typ 1 daher eher untergewichtig. Der Körper versucht, den Zucker über die Nieren auszuschaffen, was zu vermehrtem Harndrang und zu einem starken Durstgefühl führen kann. Diabetikerinnen und Diabetiker des Typs 1 sind so auf eine lebenslange Insulinsubstitution angewiesen.

5 Tipps für den Umgang mit Diabetes
  • Sensibilisieren Sie Ihr Kind für den Umgang mit diabetesbetroffenen Kindern, indem Sie ihm in verständlicher Sprache die Erkrankung näherbringen. Ein Sinnbild, das immer gut funktioniert, ist ein Ofen, der Zucker verbrennt und so Energie spendet. Beim Typ-1-Diabetes hat der Ofen kein Holz, beim Typ-2-Diabetes hat er Holz, das nicht brennt.
  • Sie müssen nicht Diabetes-Profi werden. Es reicht vollkommen, wenn Sie wissen, dass es zwei Arten gibt, die unterschiedliche Bedürfnisse mit sich bringen.
  • Gehen Sie bei Unsicherheiten im Vorfeld auf die Eltern zu und erkundigen Sie sich, ob Sie zum Beispiel beim Kindergeburtstag auf etwas Besonderes achten müssen.
  • Ein gesunder Lebensstil mit regelmässiger Bewegung und ausgewogener Ernährung kann dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten und Diabetes Typ 2 vorzubeugen. Behalten Sie im Kopf, dass eine Diabetes-Erkrankung (auch Typ 2) nicht auf eine Missachtung dieser Empfehlungen rückschliessen lässt.
  • Kinder mit Diabetes lernen in der Regel sehr früh, damit umzugehen, und geben gerne Auskunft. Seien Sie interessiert und ermutigen Sie auch Ihr Kind, Fragen zu stellen. So fördern Sie das Selbst­bewusstsein und die Kommunikations­fähigkeiten beider Kinder.

Typ 2 entwickelt sich meist mit dem Alter

Auch beim Typ-2-Diabetes gelangt der Zucker nicht in die Zelle. Im Gegensatz zum Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse aber immer noch Insulin. Allerdings reagieren die Zellen des Körpers nicht mehr richtig darauf. Dieser Vorgang wird als Insulinresistenz bezeichnet und führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel erhöht ist.

Der Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt sich meist mit dem Alter. Risikofaktoren dafür können Übergewicht, Bewegungsmangel, eine ungesunde Ernährung oder eine genetische Prädisposition sein. Als erste Massnahme zur Behandlung von Diabetes Typ 2 wird versucht, durch eine Umstellung der Ernährung und des Lebensstils die Insulinantwort zu verbessern. Bringen diese Anpassungen keinen Erfolg, wird eine Behandlung durch orale Medikamente oder Insulinspritzen in Betracht gezogen.

Temporärer Diabetes in der Schwangerschaft

Werdende Mütter können von einer dritten Form von Diabetes betroffen sein: dem Gestationsdiabetes. Auch die Ursache des sogenannten Schwangerschaftsdiabetes ist nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass Hormonveränderungen während der Schwangerschaft eine ­Rolle spielen. Die Symptome, zu denen Müdigkeit, häufiges Wasserlassen, Durst und eine erhöhte Infektanfälligkeit zählen, können mild oder gar nicht vorhanden sein.

Da dieser Diabetestyp unbehandelt zu Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt führen kann, ist es wichtig, bereits zu Beginn der Schwangerschaft regelmässige Blutzuckerkontrollen durchzuführen. Die Behandlung verläuft ähnlich wie beim Diabetes Typ 2. Der Schwangerschaftsdiabetes verschwindet normalerweise nach der Geburt des Kindes, kann aber das Risiko für eine spätere Erkrankung mit Diabetes mellitus Typ 2 erhöhen. Um dieses Risiko zu minimieren, empfehlen sich eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung.

Wina Fontana
ist Ernährungsexpertin SVDE, hat einen Bachelor in Ernährung und Diätetik und arbeitet bei Betty Bossi.

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