Mythen rund um Fette und Öle
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Mythen rund um Fette und Öle

Lesedauer: 3 Minuten

Ob als Bestandteil der Ernährung oder in Form von Körperfett: Fette spielen eine zentrale Rolle in der Entwicklung unserer Kinder – und sind meist besser als ihr Ruf.

Text: Wina Fontana
Bild: Getty Images

In Zusammenarbeit mit Betty Bossi

Ist Fett per se schlecht?

Die These, Fett sei generell ungesund, ist in vielerlei Hinsicht nicht haltbar. Denn Fett ist weit mehr als nur ein ungesunder Energielieferant. Es fördert den Aufbau der Zellen und ermöglicht die Aufnahme der sogenannten fettlöslichen Vitamine (A, D, E, K). Doch nicht jedes Fett ist gleich gesund. Die Auswirkungen auf die Gesundheit werden durch das Fettsäureprofil beeinflusst.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Ungesättigte Fettsäuren, insbesondere tierischer Herkunft, sind hauptsächlich für den schlechten Ruf von Fetten verantwortlich. Lange galten sie als Hauptverursacher von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schlechten Blutfettwerten. Neue Forschungen zeigen aber, dass bei einer ausgewogenen Ernährung der moderate Konsum von gesättigten Fettsäuren nicht zwangsläufig der Gesundheit schadet.

Ungesättigte Fette kommen als einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor. Einfach ungesättigte Fettsäuren sind für ihren positiven Einfluss auf die Cholesterinwerte bekannt. Sie sind in Olivenöl, Avocados, Mandeln und Haselnüssen zu finden. Unser Körper kann sie aber, wie auch die gesättigten Fettsäuren, bis zu einem gewissen Grad selbst herstellen.

Omega-3 spielt bei Kindern eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Gehirns und der Sehkraft.

Mehrfach ungesättigte Fette, wie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, müssen wir zwingend über die Nahrung aufnehmen. Omega-3 gilt als entzündungshemmend und wirkt sich positiv auf die Herzgesundheit aus. Bei unseren Kindern spielt es eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Gehirns und der Sehkraft. Als Quellen bieten sich Lachs, Leinsamen und Walnüsse an. Omega-6-Fettsäuren, die in Sonnenblumen-, Mais- und Sojaöl vorkommen, können sich positiv auf die Zellfunktion auswirken.

Sind pflanzliche Öle immer die bessere Wahl?

Pflanzliche Öle enthalten in der Regel mehr ungesättigte Fettsäuren als Fette tierischer Herkunft. Allerdings verfügen auch manche Pflanzenfette über einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. So etwa das seit Jahren gehypte Kokosfett. Das Hauptargument für die Verwendung sind die darin enthaltenen mittelkettigen Triglyceride (MCT) und deren positiver Einfluss auf die Sättigung und den Stoffwechsel.

Kokosfett besteht jedoch zu rund 80 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Schaut man sich alle Vor- und Nachteile an, schliesst Kokosöl darum nicht besser ab als viele andere Öle. Zwei Omega-3-Fettsäuren tierischer Herkunft sind sogar besonders positiv hervorzuheben: die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA). Sie kommen hauptsächlich in fettem Fisch wie Lachs oder Makrele und in Algen vor. Neben den klassischen Vorteilen von Omega-3-Fett säuren wird ihnen ausserdem eine Förderung der Lernfähigkeit sowie der emotionalen Ausgeglichenheit zugeschrieben.

Macht Fett dick?

Fette sind mit neun Kilokalorien pro Gramm mehr als doppelt so energiereich wie Kohlenhydrate und Proteine. Entsprechend gewichtig sind sie in der Kalorienbilanz. Essen wir über unseren Bedarf, speichern wir die überschüssige Energie in Form von Fettpolstern. Bei moderatem Verzehr im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung tragen sie nicht automatisch zur Gewichtszunahme bei. Indem sie länger sättigen, können uns gesunde Fette sogar beim Gewichtsmanagement unterstützen.

5 Tipps für den Alltag

  1. Altersunabhängig sollte eine ausgewogene Mischkost angestrebt werden. Die Basis hierzu bilden Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und mageres Eiweiss. Abwechslung und Vielfalt auf dem Speiseplan tragen zur  Erreichung des Nährstoffbedarfs bei.
  2. Omega-6-Fettsäuren stehen im Verdacht, Entzündungen zu fördern. In der modernen Ernährung werden Omega-6-reiche Quellen wie Sonnenblumenöl, Milchprodukte und Fleisch häufig bevorzugt. Wirken Sie dem entgegen, indem Sie mit Raps- und Leinöl sowie Baumnüssen und Blattgemüse vermehrt Omega-3 in Ihre Ernährung einbauen.
  3. Fisch stösst bei Kindern oftmals nicht auf grossen Anklang. Zum Glück gibt es einen Trick, wie Ihre Kinder trotzdem zu EPA und DHA kommen. Die in Omega-3-reichen Pflanzenölen enthaltene Alpha-Linolensäure (ALA) kann  im Körper in geringem Masse zu EPA und DHA umgewandelt werden. Ein Löffel Leinöl im Smoothie oder über das Gemüse geträufelt kann schon helfen, den Bedarf zu decken. Für eine spielerische Abwechslung können Sie auch Chia- oder Leinsamen als Topping für Müesli und Joghurt verwenden.
  4. Wirken Sie einer zu hohen Kalorienaufnahme entgegen, indem Sie auch bei ungesättigten Fettlieferanten auf moderate Portionsgrössen achten.
  5. Konkrete Empfehlungen für Ihr Kind finden Sie auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung: www.sge-ssn.ch > Von Jung bis Alt.

Wina Fontana
ist Ernährungsexpertin SVDE, hat einen Bachelor in Ernährung und Diätetik und arbeitet bei Betty Bossi.

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