5 Tipps gegen Schulfrust
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5 Tipps gegen Schulfrust

Lesedauer: 2 Minuten

Worauf Eltern achten sollten, wenn ihr Kind nicht mehr in die Schule will, erklärt Schulpsychologe Matthias Obrist.

Sandra Markert
Bild: Ladina Bischof / 13 Photo

Wenn ein Kind mal keine Lust auf Schule hat, ist das ganz normal und noch kein Grund zur Sorge», sagt Anja Meier, die bei der Beratungsstelle Pro Juventute arbeitet, einer Anlaufstelle für Eltern sowie Kinder und Jugendliche. Gerade beim Eintritt in die Schule oder beim Übertritt in eine neue Schulstufe dauert es bisweilen, bis ein Kind dort richtig angekommen ist. 

Statt Kinder gleich bei den ersten Bauchschmerzen zu Hause zu lassen oder Erstklässler bis ins Klassenzimmer zu begleiten, raten Fachleute dazu, sie grundsätzlich zum Schulbesuch zu ermuntern – ohne mögliche Ängste dabei kleinzureden. «Es ist wichtig, einen entspannten Moment zu erwischen, um das Kind zu fragen, warum es ihm nicht gut geht, und Hilfe anzubieten», sagt Meier. Wichtig ist auch, sich möglichst früh mit der Lehrperson in Verbindung zu setzen, wenn Eltern beobachten, dass ein Kind häufiger keine Lust oder Angst davor hat, zur Schule zu gehen.

Wie Eltern konkret reagieren können, wenn typische Situationen rund um das Thema Schulabsentismus auftreten, erklärt Matthias Obrist, Leiter des Schulpsychologischen Dienstes der Stadt Zürich.

1. Das Kind sagt, es habe Bauch- oder Kopfschmerzen

«Es kommt auf das Ausmass der Schmerzen an und wie das Kind und die Familie sonst mit solchen Beschwerden umgehen. Seit wann macht was wie stark weh? Welche Hausmittel helfen? Wie ist das Schmerzempfinden beim Kind? Bei leichten und diffusen Schmerzen ist ein Schulbesuch grundsätzlich möglich und zumutbar. Steht eine besondere Lektion an, zum Beispiel in Form einer wichtigen Prüfung oder einer besonderen Turnstunde, sollte beim Kind nachgefragt und die Lehrerin oder der Lehrer informiert werden.»

Die Faustregel: eine Stunde vor dem Einschlafen keine elektronischen Medien mehr.

2. Das Kind kommt morgens nicht aus dem Bett, weil es zum Beispiel zu lange gegamt hat

«Das Kind kann auch müde in die Schule gehen. Bleibt das Kind zu Hause, darf es nicht gamen oder anderweitig ein attraktives Programm bekommen. In der Schule muss es das Versäumte nacharbeiten. Die Eltern sollten grundsätzlich auf die Schlafhygiene achten. Die Faustregel: eine Stunde vor dem Einschlafen keine elektronischen Medien mehr.»

3. Das Kind schwänzt den Unterricht

«Schwänzen kann vorkommen und ist noch kein Grund zur Sorge. Wichtig ist, dass man nachfragt und zeigt, dass sich das nicht wieder­holen darf und Konsequenzen hat. Das kann nur schon ein Kontakt mit der Lehrerin oder dem Lehrer sein. Allzu tolerant sollte man dem Schwänzen gegenüber nicht sein, weil das Kind sonst lernt, dass die Schule nicht besonders wichtig ist und Verpflichtungen nicht eingehalten werden müssen. Wird das Kind aber in der Schule geplagt, wirkt belastet oder traurig oder hat einen anderen guten Grund, nicht in die Schule zu gehen, braucht es ein direktes Gespräch mit der Schule. Es können bei Bedarf Fachpersonen von der Schulsozialarbeit oder dem schulpsychologischen Dienst beigezogen werden.»

4. Das Kind schafft es nicht, morgens das Haus zu verlassen beziehungsweise die Schule zu betreten

«In diesem Fall ist es wichtig, dass man den Grund für dieses Verhalten herausfindet. Hat es mit der Schule zu tun oder mit dem Zuhause? Kann das Kind aus Angst vor der Schule oder vor anderen Kindern oder Lehrpersonen nicht ins Schulhaus gehen? Oder kann es aus einem bestimmten Grund nicht weg von zu Hause? Auch wenn vor allem jüngere Kinder das oft nicht sagen können und ältere Kinder es nicht sagen wollen, können Eltern handeln und etwa für eine gute Schulwegbegleitung, einen Schulgötti oder ein angstfreies Schulumfeld sorgen.»

Wenn Kinder sich nicht mehr aus dem Zimmer trauen, brauchen sie professionelle Hilfe.

5. Das Kind kommt nicht mehr aus dem Zimmer

«Wenn ein Kind sich einschliesst, sollte man als Eltern immer wieder mal anklopfen und sagen, dass man da sei und gerne zuhöre, um zu erfahren, was los ist. Man kann auch etwas zum Essen vor die Tür stellen oder einen Zettel unter der Tür durchschieben mit einer positiven Botschaft. Kinder mit einer Angststörung, die sich nicht mehr aus dem Zimmer trauen oder es aus einem anderen Grund nicht schaffen, aus dem Haus zu gehen, brauchen professionelle Hilfe.»

Sandra Markert
ist freie Journalistin und Mutter von drei Kindern im Kindergarten- und Primarschulalter. Sie lebt mit ihrer Familie am Bodensee.

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