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Elternbildung

Leben im Hier und Jetzt

Sich selbst bewusster wahrnehmen, die Sinne schärfen, innehalten und durchatmen im hektischen Alltag – das ist das Ziel von Achtsamkeit. Achtsamkeit ist zu einem Trend geworden – und hat auch in Klassenzimmern Einzug gehalten. Doch was bringen Achtsamkeitsübungen unseren Kindern, worauf sollten Schulleiter und Lehrpersonen achten? Und wie gelingt Achtsamkeit in der Erziehung?
Text: Claudia Füssler 
Bilder: Roshan Adhihetty / 13 Photo, Herbert Zimmermann/13 Photo
Flurina Hodel blickt in die Runde und sagt mit ruhiger Stimme: «Ich stelle die Füsse auf den Boden und mache meinen Rücken gerade.» 20 Kinder auf Holzbänken, die zu einem Quadrat zusammengeschoben sind, tun es ihr gleich. «Jetzt ziehe ich meine Schultern megaweit nach oben», fährt die Klassenlehrerin fort, und 20 Schulternpaare wandern hoch, so hoch, dass die Köpfe der Primarschüler fast verschwinden. «Jetzt lasse ich die Schultern fallen » – und die ganze Klasse seufzt erleichtert auf, als die schweren Arme nach unten hängen. 

Dann geht es weiter: die Handflächen auf die Knie legen, den Mund schliessen und ganz zum Schluss auch die Augen. Das, was die 1./2. Primarklasse im Luzerner Schulhaus Mariahilf da gerade macht, nennt sich «Stille Minute» und lehnt sich an die sogenannte Achtsamkeitspraxis an.
Achtsamkeit hilft Kindern und Erwachsenen, zur Ruhe zu kommen und sich selber zu ordnen, wenn sie gestresst sind. Probieren Sie es aus!
Der Begriff Achtsamkeit selbst meint eine bestimmte Form von Aufmerksamkeit, eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, die es uns erlaubt, den gegenwärtigen Moment bewusst und wertungsfrei zuzulassen. Vor zwei Jahrzehnten noch kaum bekannt, ist Achtsamkeit in unserer modernen, stressgeplagten Welt zu einem Trend geworden, weil sie das verspricht, was viele vermissen: ein bisschen innere Ruhe.

Tatsächlich belegen zahlreiche Studien inzwischen die Wirksamkeit von Achtsamkeit. Voraussetzung: Sie wird von erfahrenen Trainern gelernt und regelmässig geübt. Ganz allgemein profitiert die psychische Gesundheit aller, die Achtsamkeit praktizieren, auch der Nutzen für Angstpatienten und Menschen mit chronischen Schmerzen ist belegt. Depressive können vor Rückfällen bewahrt werden, generell erleben die Übenden eine verbesserte Lebensqualität und lassen sich weniger schnell stressen.
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Von Ärzten empfohlen

Gelernt und trainiert wird Achtsamkeit in sogenannten MBSR-Kursen. MBSR steht für Mindfulness-Based Stress Reduction (auf Deutsch: Achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung), ein Programm, das der US-amerikanische Molekularbiologe Jon Kabat- Zinn bereits Ende der 1970er-Jahre entwickelte. Warum die Methode ausgerechnet jetzt so populär wird, weiss niemand so genau.

Einige Experten mutmassen, dass die Hirnforschung die Triebfeder ist. Neurowissenschaftler interessieren sich nämlich zunehmend dafür, was genau die Achtsamkeitspraxis – auch Achtsamkeitsmeditation genannt – mit unseren Köpfen anstellt. Dass die bewusste Wahrnehmung Strukturen und Leistungen des Gehirns beeinflussen kann, ist das Thema von immer mehr Tagungen und Fachkongressen. Google Trends verzeichnet seit etwa zehn Jahren eine stetig steigende Beliebtheit der Suchbegriffe Achtsamkeit und Meditation, und wer heute nach «Mindfulness» googelt, erhält mehr als 24 Millionen Treffer. Gleichzeitig wächst die Zahl der Ärzte, die ihren Patienten einen Achtsamkeitskurs empfehlen.

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