Probleme und Streitereien am Esstisch?

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul über Streitereien am Tisch, die Frage, was Eltern tun können, wenn das Kind «nichts isst» – und warum es ratsam ist, den Nachwuchs bei der Lösung eines Konflikts miteinzubeziehen.
Wenn Kinder «wählerisch» sind, also nur sehr wenige Gerichte essen mögen, dann ist dieses Verhalten nicht angeboren. Es sind immer die Eltern, die durch ihr bewusstes oder unbewusstes Handeln ihr Kind beeinflussen. Was aber bedeutet wählerisch? Ist ein Kind wählerisch, weil ihm zehn Gerichte nicht schmecken? Oder wenn es 30 bis 40 Speisen nicht isst? Ich kenne die genaue Definition nicht. Eltern, die Angst haben, ihr Kind könnte wählerisch werden, oder der Meinung sind, dass es bereits der Fall ist, sind aber gut beraten, sich klar darüber zu werden, was sie mit dem Wort eigentlich meinen.

Der Ausdruck «wählerisch» ist einer von vielen negativ besetzten Begriffen, die wir im Zusammenhang mit Kindern verwenden. Ihnen gemeinsam ist, dass sie aus einer Zeit stammen, als Erwachsene das Verhalten von Kindern automatisch negativ interpretierten, weil sie nicht unmittelbar einen Sinn dahinter entdecken konnten.

Ein Kind, das ein gleichwürdiges Interesse an seinen Geschmackserlebnissen spürt, wird weitaus mehr dazu neigen, einem bestimmten Gericht beim nächsten Mal eine neue Chance zu geben, wenn es auf dem Tisch steht. Ein Beispiel: «Der Reis ist heute gelb, weil ich Curry hineingegeben habe. So hast du ihn noch nie probiert. Was meinst du?» Dagegen wird das Kind, das die Besorgnis, die Überredungsversuche, das Beharren und andere Formen der Manipulation der Eltern wahrnimmt, mit dem schlechten Geschmack über das ganze Erlebnis im Mund alleingelassen.

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