«Ich habe selbst viel gegamt und verstehe meinen Sohn»
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«Ich habe selbst viel gegamt und verstehe meinen Sohn»

Lesedauer: 2 Minuten

Zu fixe Vorgaben will Gabriela*, 43, ihrem Sohn Leo*, 9, beim Gamen nicht machen. Lieber lässt sie ihn mitentscheiden und eigene Erfahrungen sammeln.

Aufgezeichnet von Mirjam Oertli
Bild: Adobe Stock

Leo: «Gamen ist einfach cool. Ich mag Spiele, in denen man andere besiegen muss. Meistens gewinne ich aber nicht und muss immer wieder neu anfangen. Das nervt. Oft game ich auf einer Online-Spieleplattform. Und mit meinem Papi spiele ich manchmal auf der alten Playstation ein Game mit Flugzeugen, die Bomben fallen lassen.»

Gabriela: «Bei Leo wurde das Gamen in der 1. Klasse zum Thema. Eines Tages kam er heim und wollte, dass ich Minecraft auf mein Handy lade. ‹Alle spielen das›, sagte er. Wir einigten uns auf eine Alternative – ein ähnliches Spiel, aber kostenlos und ohne Werbung. Nach einer Weile zeigte ihm ein Freund dann auch eine neue Plattform, auf der er heute oft gamt. Es kommt vor, dass er sich dazu mein Geschäftshandy nimmt – es hat keinen Code –, sich davonschleicht und unbemerkt spielt. Stelle ich es fest, erkläre ich ihm, dass das nicht okay ist.»

Leo: «Dann muss ich aufhören. Aber mitten in einem coolen Spiel ist das schlecht.»

Wir möchten keine zu fixen Vorgaben machen. Wir haben uns für den Weg des Gesprächs entschieden.

Gabriela, Mutter von Leo

Gabriela: «Ja, es ist nicht immer einfach, ihn aus einem Spiel rauszuholen. Manchmal lasse ich ihn fertig spielen. Wobei viele Games ja nie wirklich fertig sind.»

Leo: «Pro Tag darf ich höchstens eine halbe Stunde gamen. Einmal, als ich länger dranblieb, bekam ich Kopfschmerzen. Meistens game ich aber sowieso weniger lang. Und manchmal darf ich auch fünf Minuten gamen, wenn ich zuerst zwanzig Minuten lese.»

Gabriela: «Hin und wieder bauen wir eine Bedingung ein, ja, aber nur situativ. Wir möchten keine zu fixen Vorgaben machen. Wir haben uns für den Weg des Gesprächs entschieden. Mein Partner sagt eher mal Ja und lässt ihn länger gamen. Bei mir ist es häufiger ein Nein. Ausschalten kann Leo inzwischen schon gut. Aber er ist ein Schlawiner und macht gerne mit Freunden ab, die mehr gamen dürfen als er.»

Leo: «Ein Freund aus meiner Klasse darf so lange dranbleiben, wie er will. Und bei einer Freundin, die einen älteren Bruder hat, spielen wir manchmal Fortnite. Ich würde auch zu Hause gern Fortnite spielen. Man kann sich da so gut bewegen und alles ist wie echt.»

Schränkt man Kinder zu sehr ein, gehen sie zu anderen und gamen dort.

Gabriela, Mutter von Leo

Gabriela: «Ich finde Fortnite ungeeignet für Neunjährige. Aber Leo ist recht selbständig unterwegs und manchmal bei Kindern, die unbeaufsichtigt sind. Doch ich begrüsse ja, dass er selbständig wird. So lasse ich ihn seine Erfahrungen sammeln. Gut finde ich, dass er offen davon erzählt. So kann ich ihm sagen, warum ich Fortnite nicht gut finde, sehe aber auch seine Perspektive. Ich verstehe diese, zumal ich als Kind selbst viel gamte – mit drei älteren Brüdern.

Solange Leo nicht nur noch vor einem Bildschirm sitzt, sondern auch offline spielt, kreativ ist und sich bewegt, ist es für mich in Ordnung. Schränkt man Kinder zu sehr ein, gehen sie zu anderen und gamen dort. Mir ist es wichtig, weiterhin offen mit Leo sprechen zu können – und sein Bewusstsein für einen sinnvollen Umgang zu wecken.»

* Namen geändert

Mirjam Oertli
ist freie Journalistin und Buchautorin («Wer auf dem Handy kein gratis Internet hat, ist tot!», «Jetzt stellen Sie doch das Kind mal ruhig!»). Sie ist Mutter von zwei Teenagern und einem Primarschulkind und lebt mit ihrer Familie in Luzern.

Alle Artikel von Mirjam Oertli

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