Psychologie

ADHS-Therapie ohne Medikamente: grosser Nutzen, kleines Risiko

Teil 11 der ADHS-Serie: Eine multimodale Therapie  ohne Medikamente soll ADHS ganzheitlich angehen und neben den Symptomen auch die Ursachen für das unerwünschte Verhalten lösen. 
Text: Amrei Wittwer
Illustration: Partner & Partner
Eine multimodale, an möglichst vielen Punkten ansetzende Therapie von ADHS ist heute die Norm. Allerdings wird die medikamentöse Behandlung mit Methylphenidat als therapeutischer Baustein immer noch häufig von Beginn an eingesetzt. Wegen des erhöhten gesundheitlichen Risikos und geringer therapeutischer Wirkung sollte dieser Therapiebaustein jedoch erst zum Einsatz kommen, wenn sich die anderen Therapien langfristig als wirkungslos erweisen und das Kind leidet.

Daher sollte die multimodale Therapie ohne Medikamente immer das erste Mittel der Wahl für Kinder mit ADHS-Diagnose sein. Je ausgeprägter die ADHS-Symptome ausfallen, desto mehr Strategien sollten verfolgt werden. Dieser Artikel fokussiert auf die wichtigsten Bausteine, die wegen ihrer wissenschaftlich erwiesenen Wirksamkeit für alle betroffenen Kinder und involvierten Erwachsenen als Grundtherapie empfohlen werden.

Ernährungsumstellung 

Industrielle Lebensmittel führen zu einem Mangel an Mikronährstoffen, ohne die Nerven schlecht funktionieren. Bei Kindern führt Mangel- oder Fehlernährung der Nerven zu ADHS-Symptomen. Leider entwickelt der Körper der Kinder Lust auf genau jene Stoffe, die Schaden können: raffinierte Kohlehydrate, zuckerhaltige Lebensmittel, Säfte und Fertigprodukte. Auf diese Stoffe sollte die Familie verzichten und den Ernährungsplan umstellen. Ausnahmen sind erlaubt.

Bei sensitiven Kindern sollten ausserdem künstliche Farbstoffe vermieden werden. Die Faustregel lautet: Iss das Essen, das schon Grossmutter gekannt hat. Gut für gestresste Nerven sind Nüsse, Linsen, Eier, Fisch, Gemüse und Obst.
«Das Erlernen eines Instruments kann die Symptome stark verringern.»

Ergänzungspräparate 

Zusätzlich zur Nahrungsumstellung sind ausserdem Präparate aus der Apotheke zu empfehlen. Gut wirksam gegen ADHS-Symptome sind Omega-3- und -6-Fettsäuren. Kinder, die einen Mangel an Vitaminen und Spurenelementen aufweisen, seien Vitamin-B-Komplex, Vitamin D, Biotin, Niacin, Zink, Jod, Kalium, Kupfer, Magnesium und Pantothensäure empfohlen. Es gibt diese Stoffe in Form von Kombinationspräparaten unterschiedlicher Zusammensetzung und richtiger Dosierung, die abgewechselt werden können.

Was genau für das eigene Kind in Frage kommt, sollte man im Gespräch mit dem Apotheker, der Apothekerin klären. Die Kosten werden nicht von der Krankenkasse übernommen. Omega-3- und -6-Fettsäuren sind für alle Kinder indiziert. 

Wichtig zu wissen: Eine Verbesserung der Symptome tritt bei der Einnahme von Nervennahrung, angewandt als drei- bis viermonatige Kur, erst nach ein bis vier Wochen ein.

Sport und Bewegung 

Kinder haben einen grossen Bewegungsdrang. Der Anteil an Sport in der Schule ist jedoch nur gering und sollte erhöht werden. Ein Mangel an Bewegung kann ADHS-Symptome verursachen. Bei mehr Bewegung verschwinden oder reduzieren sich die Symptome in kurzer Zeit.

Kinder mit ADHS sind manchmal wegen Unaufmerksamkeit, impulsiven Verhaltens, geringen Körperbewusstseins, Verspannung und Schwächen in Feinmotorik schlechter in leistungsorientierten Sportarten. Spezielles Training kann dies ausgleichen.

Gemäss Studien führt etwa fünf Mal pro Woche Bewegung in Form von Intervalltraining, Kinder-Yoga, Tai-Chi oder Aerobic zur Reduktion von ADHS-Symptomen bei Kindern. Generell sind alle Arten von Bewegung, die den Puls auf etwa 100 bis 140 erhöhen, mindestens 20 Minuten dauern und dem Kind zusagen, empfehlenswert.
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Psychoedukation: Das Lernen über ADHS

Der Begriff Psychoedukation bezeichnet die systematische Vermittlung von pädagogischem Wissen über ADHS, die Entstehung und den Verlauf der Symptome. Lehrpersonentraining und schulische Fördermassnahmen können eine Vielzahl an Lernstörungen und sozialen Verhaltensauffälligkeiten kompensieren.

Einfache Grundprinzipien sollen Eltern wie Lehrpersonen den Umgang mit dem betroffenen Kind erleichtern und die Situation verbessern:
  • klare Regeln und Erwartungen, zeitnahe Konsequenzen

  • positive Beziehung zum Kind, Lob, täglich aktiv Zuhören

  •  Zeitmanagement von Lernen, Pausen, Freizeit

  • fester Platz im Klassenzimmer

  • ruhige Bedingungen zum Schlafen und Hausaufgabenmachen

  • strenge Reduktion des Medien-und Handykonsums auf maximal 30 Minuten täglich, keine Geräte im Kinderzimmer

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