ADHS – welche Rechte haben Kinder?

Teil 4 ADHS-Serie: Der Wirkstoff Methylphenidat, enthalten in Ritalin, unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Widerspricht die Behandlung mit solchen Medikamenten dem Kindeswohl oder ist sie dem Kind dienlich? Was und wie viel dürfen Eltern bei der Behandlung mitbestimmen? Was muss das Kind selbst entscheiden dürfen? Ein Blick auf das Thema AD(H)S aus der (kinder)rechtlichen Perspektive. 
Das Kindeswohl gilt in der Schweiz als Leitmaxime. Das heisst, dass dem Kindeswohl Vorrang vor anderen Interessen zukommt, gegebenenfalls selbst vor den Wünschen der Eltern. Massnahmen, die im Rahmen des Bildungssystems oder Gesundheitswesens getroffen werden und den Kindesinteressen nicht ausreichend Rechnung tragen, können somit rechtswidrig sein.

Schwierig ist es jedoch, im Einzelfall zu bestimmen, was dem Kindeswohl entspricht und was nicht; vor allem dann, wenn Eltern-, Schul- und Kindesinteressen sowie die medizinische Fachmeinung bezüglich der Förderung eines Kindes mit AD(H)S auseinandergehen. Sind bekannte Nebenwirkungen eines Medikamentes wie Schlafstörungen oder Appetitverlust zu rechtfertigen, wenn das Kind dafür seinen Übertritt von der 3. in die 4. Klasse schafft oder sich dadurch besser mit Freunden und Geschwistern versteht?

Kommt es dem Kindeswohl möglicherweise indirekt zugute, wenn durch die erhöhte Chance, sich zu strukturieren, seine Familie entlastet wird? Erschwerend kommt hinzu, dass in diesem Zusammenhang selten eine unabhängige «dritte» Behörde oder ein Gericht über das Kindeswohl entscheidet. Die Akteure sind vielmehr direkt involviert, und manchmal dürfte unklar sein, wer die «Regie führt», wenn sich die Interessen der Eltern, der Fachpersonen und des Kindes gegenüberstehen. Eltern haben ein Recht wie auch die Pflicht, für ihre Kinder zu sorgen, insbesondere in Gesundheitsund Schulbelangen. Sie stellen für ihre minderjährigen Kinder grundsätzlich die rechtliche Vertretung dar und entscheiden mit über alle Fördermassnahmen und medizinischen Behandlungen der Schulkinder. Eine Lehrperson kann beispielsweise nicht von sich aus entscheiden, ob das Kind in den Zusatzunterricht zur Logopädin soll. Das funktioniert grundsätzlich nur in Absprache mit den Eltern. Und so muss auch eine Ärztin vor einem Behandlungsbeginn die Eltern fragen, ob sie mit der vorgeschlagenen Therapie einverstanden sind. Notfälle sind vorbehalten.
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