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«Eine Stressquelle bleibt das gemeinsame Essen»

Lesedauer: 1 Minuten

Unternehmerin Felizitas Fluri kennt stressige Momente mit ihrer sechsköpfigen Familie zur Genüge. Doch eine Strategie hilft fast immer: möglichst viel Struktur.

Aufgezeichnet von Kristina Reiss
Bild: Désirée Good / 13Photo

Unsere Kinder haben zusammen acht Diagnosen: dreimal Autismus, Diabetes Typ 1, Dyskalkulie, Legasthenie, ADHS sowie Asthma. Diese gesundheitlichen Aspekte sind mit das Herausforderndste im Alltag. Als ich mich vor zwei Jahren auch noch selbständig gemacht habe, wurde es richtig stressig.

Was hilft, ist unser sehr strukturierter Tagesablauf. Ursprünglich haben wir den wegen der von Autismus betroffenen Kinder eingeführt, die einfach geregelte Abläufe brauchen. Letztendlich aber profitieren alle davon, weil das extrem viel Ruhe in den Alltag bringt.

Über viele Dinge nicht mehr diskutieren zu müssen, ist die grösste Entlastung im Alltag.

Mein Mann und ich bringen zum Beispiel die Kinder nach einem genauen Plan ins Bett. Dies verschafft uns Eltern Entlastung, weil wir darüber nicht mehr diskutieren müssen. Und auch die Kinder fangen keine Diskussionen mehr an.

Über den Inhalt von Znüni-Boxen oder Desserts wird bei uns ebenfalls nicht mehr debattiert. Wir präsentieren eine vorgegebene Auswahl, aus der sich die Kinder etwas aussuchen können – fertig. Was es wann zum Zmorge gibt, ist ebenfalls streng geregelt. Nutella steht zum Beispiel nur mittwochs und am Wochenende auf dem Tisch.

Wir tumblern fast alles – was zwar nicht umweltfreundlich ist, aber praktisch.

Ausserdem arbeiten wir mit Piktogrammen, also kleinen Zeichnungen, die ganz genau den Tagesablauf anzeigen – etwa welche Handlungen morgens auszuführen sind, wenn die Kinder zur Schule gehen und es schnell gehen muss: aufstehen, aufs WC gehen, Zmorge essen, Zähne putzen. Dies kommt insbesondere unseren beiden Jüngsten zugute, die mit den Abläufen oft überfordert waren. Gibt es einen speziellen Anlass – ein Familienfest oder einen Ausflug in die Badi –, hänge ich das ebenfalls als Piktogramm auf.

Über viele Dinge nicht mehr diskutieren zu müssen, ist die grösste Entlastung im Alltag. Gleichzeitig versuchen mein Mann und ich uns viel auszutauschen. Deshalb gehen wir prophylaktisch zur Eheberatung: Um uns nicht aus den Augen zu verlieren und gut aufgestellt zu sein mit vier Kindern, zwei Jobs und vielen Hobbys.

Im Haushalt habe ich vieles vereinfacht. Wir tumblern zum Beispiel fast alles – was zwar nicht umweltfreundlich ist, aber praktisch. Anschliessend sortiert jedes Kind seine Wäsche. Meine Kleider hänge ich alle auf Bügel und spare so das Zusammenlegen.

Eine Stressquelle bleibt allerdings das gemeinsame Essen. Unsere von Autismus betroffenen Kinder sind da sehr heikel: Stimmt die Konsistenz nicht oder die Kombination der Speisen, geht gar nichts mehr. Ich selbst koche und esse hingegen gerne vielfältig. Aber ich habe gelernt: Der Kampf lohnt sich nicht. Manchmal muss man einfach realistisch bleiben und seine Ansprüche runterschrauben.

Kristina Reiss
ist freischaffende Journalistin und Mutter einer Tochter, 12, und eines Sohnes, 9. Sie lebt mit ihrer Familie am Bodensee.

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