Psychologie
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Wie entwickelt sich das Selbstwertgefühl nach der Pubertät? 

Im späteren Jugendalter und im Erwachsenenalter steigt das Selbstwertgefühl in der Regel weiter an bis zum Alter von etwa 60, 70 Jahren, wobei Lebensereignisse wie beispielsweise der Beginn einer Partnerschaft, eine Trennung oder eine schwere Erkrankung den individuellen Verlauf beeinflussen können. Erst im hohen Alter nimmt das Selbstwertgefühl typischerweise wie­der etwas ab.

Warum wird das Selbstwertgefühl im Laufe der Jahre immer stärker?

Die meisten Jugendlichen und Erwachsenen finden im Laufe der Entwicklung immer besser den Platz, der zu ihrer Persönlichkeit, ihren Fähigkeiten, Einstellungen und Interessen passt, beruflich wie privat. Dies ist vermutlich ein wichtiger Grund dafür, dass das Selbstwertgefühl über weite Teile der Lebens­spanne ansteigt. Allerdings sind dies Veränderungen, die sich über viele Jahre erstrecken. Radikale Verände­rungen gibt es beim Selbstwertgefühl in der Regel nicht. Das bedeutet: Wer mit 16 Jahren zu denjenigen gehört, die viele Selbstzweifel haben, hat häufig auch mit 30 oder 50 Jahren ein etwas schwächeres Selbstwert­gefühl, zumindest im Vergleich zur eigenen Altersgruppe.

Unsere sozialen Beziehungen haben einen grossen Effekt auf unser Selbstwertgefühl, grösser als Arbeit und Beruf?

Ja. Dies bestätigt eine Metaanalyse zur Rolle von sozialen Beziehungen, die wir in meiner Arbeitsgruppe kürzlich durchgeführt haben. Die Ergebnisse zeigten, dass soziale Beziehungen und soziale Einbin­dung in jedem Lebensalter einen bedeutsamen Einfluss auf das Selbst­wertgefühl haben. Interessanter­ weise ergab sich zudem, dass der Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen und dem Selbstwert­gefühl von Personen wechselseitig ist. Das heisst: Gute soziale Bezie­hungen fördern das Selbstwertgefühl und gleichzeitig führt ein hohes Selbstwertgefühl dazu, dass sich die soziale Einbindung weiter verbes­sert. Leider heisst dies auch, dass Menschen mit geringem Selbstwert­gefühl in einen Teufelskreis aus Selbstzweifeln und negativen sozia­len Erfahrungen kommen können. Umso wichtiger ist es also, die Selbst­achtung von Kindern und Jugendli­chen zu fördern.

Ist das Selbstwertgefühl vom Geschlecht abhängig?

Jungen und Männer haben im Durchschnitt ein etwas höheres Selbstwertgefühl als Mädchen und Frauen. Allerdings ist dieser Unter­schied wirklich klein. Es gibt viele Mädchen, die ein hohes Selbstwert­gefühl haben, und umgekehrt Jun­gen, die einen niedrigen Selbstwert haben. Da überlappen sich die Aus­prägungen beträchtlich. Zudem zeigt die Forschung, dass das Geschlecht den Entwicklungsverlauf des Selbst­wertgefühls nicht bedeutsam beeinflusst, dass sich also Jungen genauso wie Mädchen im Verlauf der Ent­wicklung typischerweise in Richtung von mehr Selbstakzeptanz entwi­ckeln.
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Sind Selbstzweifel schlecht?

Selbstzweifel sind nicht per se schäd­lich. Doch ist ein niedriges Selbst­wertgefühl leider ein Risikofaktor für die Entwicklung von Problemen in sozialen Beziehungen, in der Schule, am Arbeitsplatz und für die Entstehung von Depressionen. Ein gutes Selbstwertgefühl zu haben, bedeutet auch, sich mit all seinen Stärken und Schwächen anzuneh­men. Von daher gilt es manchen Kindern und Jugendlichen zu helfen, einen konstruktiven und wohlwol­lenden Umgang mit sich selbst zu entwickeln.

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2 Kommentare

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Von Papalapapi.de am 06.12.2019 10:54

Spannend und sehr lesenswert. Dankem

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Von Franz Josef am 03.12.2019 22:16

Sich selbst lieben bedeutet EINATMEN und AUSATMEN bedeutet andere lieben.
Geht eins ohne das andere?
Wenn wir nicht bei unserem Tun sind, wenn wir es tun, spüren wir die Liebe nicht.
Dann fangen wir an, sie uns zu erarbeiten und verlieren sie infolgedessen immer mehr.
Wir sind mit den herrlichsten Wahrnehmungsorganen ausgestattet und nutzen sie nicht, wiewohl das jeder jederzeit leicht ändern könnte. So sind wir auch kein brauchbares Vorbild. Schade!
Franz Josef Neffe

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