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«Die Schule steckt Kinder zu früh in Schubladen»

Lesedauer: 10 Minuten

Die Lehr- und Lernforscherin Elsbeth Stern weiss, wem Kinder ihr geistiges Potenzial verdanken und was sie brauchen, um es auszuschöpfen. Die Psychologin von der ETH Zürich über das Persönlichkeitsmerkmal Intelligenz – und was gutes Lernen ausmacht.

Interview: Virginia Nolan
Bilder: Marvin Zilm / 13Photo

Frau Stern, was verstehen Sie unter Intelligenz?

Die Fähigkeit zum präzisen und schlussfolgernden Denken. Intelligenz befähigt uns zum Verständnis komplexer Ideen und zum Problemlösen, zum Lernen durch Instruktion und zum Lernen aus Erfahrung. Dabei geht es auch um die Effizienz der Informationsverarbeitung: Menschen mit stark ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten nehmen Informationen rascher auf, können sie leichter an bestehendes Wissen anknüpfen und daraus Schlussfolgerungen ziehen, die ihren Zielen dienlich sind.

Welche Faktoren bestimmen unsere Intelligenz?

Die Gene spielen eine wichtige Rolle. Es gibt kein Intelligenzgen an sich, vielmehr bestimmt ein Zusammenspiel von Genvariationen unsere geistigen Fähigkeiten. Wir alle bringen genetische Voraussetzungen für schlussfolgerndes Denken mit – wie gut wir darin sind, hängt von den Genvariationen ab. Wir gehen davon aus, dass Intelligenzunterschiede zu 50 bis 80 Prozent erblich bedingt sind. Diese Aussage wird aber oft falsch verstanden.

Elsbeth Stern wuchs auf einem Bauernhof in Hessen (D) auf. Sie ist kognitive Psychologin, ordentliche Professorin für empirische Lehr- und Lernforschung und Vorsteherin des Instituts für Verhaltensforschung an der ETH Zürich. Im Mittelpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit stehen unter anderem der Erwerb, die Nutzung und der Transfer von Wissen – speziell auch im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht.

Inwiefern?

Sie bezieht sich nicht auf das einzelne Individuum, sondern auf die Unterschiede innerhalb einer Gruppe, die sich mit dem statistischen Mass der Varianz exakt berechnen lassen. Genvariationen haben dort, wo viele Menschen von gleich guten Entwicklungschancen profitieren, den höchsten Einfluss. In der Schweiz können alle Kinder die Schule besuchen, von guten Lernangeboten profitieren und ihr geistiges Potenzial entwickeln. Unterschiede in der kognitiven Leistungsfähigkeit lassen sich daher in hohem Mass durch genetische Unterschiede erklären.

Ein Mangel an sprachlichem Austausch und Nähe beeinträchtigt die Intelligenz.

Dort, wo gute Bildungsangebote Privilegierten vorbehalten sind, ist der Einfluss der Gene kleiner – da sind Intelligenzunterschiede stark von sozialen Unterschieden beeinflusst. So ist es auch mit der Körpergrösse: Bei Erwachsenen, die in der Schweiz aufgewachsen sind, sind Grössenunterschiede zu fast 100 Prozent genetisch bedingt – in Entwicklungsländern ist der erbliche Faktor viel kleiner, weil Mangelernährung viele Menschen betrifft.

Was braucht ein Kind, um sein genetisches Intelligenzpotenzial ausschöpfen zu können?

Eine grundlegende Voraussetzung ist, dass ein heranwachsendes Kind im Mutterleib nicht dem Einfluss von Alkohol oder Drogen ausgesetzt oder in seiner späteren Entwicklung von Problemen wie gravierender Mangelernährung betroffen ist. Solche Risikofaktoren schädigen es in einem Mass, dem die besten genetischen Voraussetzungen nichts entgegensetzen können. Auch ein Mangel an emotionaler Nähe und sprachlichem Austausch beeinträchtigt die Intelligenz auf lange Sicht. Ein Kind ist auf Eltern angewiesen, die ihm emotional zugetan sind, auf es eingehen und ihm viel sprachliche Zuwendung geben. Ansonsten braucht es nichts Überkandideltes.

Es gibt Theorien, wonach Sport oder insbesondere Musik sich förderlich auf die Intelligenz auswirken. Was hat es damit auf sich?

Kinder haben einen starken Bewegungsdrang, und Erwachsene sollten dafür sorgen, dass sie diesen ausleben können, damit sie die Welt erkunden und sich motorisch entwickeln können. Eltern sollten dem Kind auch anbieten, ein Instrument zu lernen – aber nichts erzwingen. Es ist schön, sportlich oder musikalisch zu sein, aber es macht uns nicht klüger und ist im Gegensatz zu Schreiben und Lesen keine Grundvoraussetzung, um in unserer Gesellschaft bestehen und ihre Angebote nutzen zu können.

Ab welchem Alter lässt sich Intelligenz zuverlässig messen?

Stark ausgeprägte kognitive Fähigkeiten zeichnen sich oft früh ab, was aber keine verlässlichen Prognosen zulässt, denn kindliche Entwicklung verläuft dynamisch. Auch hier verhält es sich wie mit der Körpergrösse: Ein grosses Schulkind wird als Erwachsener wahrscheinlich nicht zu den Kleinsten gehören, es kann aber gut sein, dass sich sein Wachstum in der Pubertät verlangsamt und es am Ende nicht so gross wird, wie man hätte annehmen können.

Wenn ein achtjähriges Kind beim IQ-Test 130 Punkte oder mehr erzielt, ist es gut möglich, dass es zwei Jahre später irgendwo im Normalbereich liegt. Dann bekommt es erst die Diagnose hochbegabt – und ist es nachher doch nicht. Für das Selbstwertgefühl ist dies nicht förderlich. Für solche Abklärungen sollte ein Kind mindestens zehn, besser zwölf Jahre alt sein.

Viele private Anbieter führen sie früher durch, etwa, weil Eltern befürchten, ihr Kind sei unterfordert.

Braucht ein Kind mehr Anregungen, als die Schule ihm anbietet, kann die Lehrperson es mit Zusatzmaterial ausstatten. Übt es sich schon in Multiplizieren, während die anderen noch addieren, kann es in der Zwischenzeit anderes Material bearbeiten, ein höheres Leistungsniveau ausprobieren. Diese Flexibilität muss die Schule bieten. Lehrpersonen sind heute sensibilisiert für Leistungsunterschiede und reagieren auch darauf, dafür braucht es erst mal keine Hochbegabtendiagnose.

Es ist falsch, anzunehmen, Intelligenz und Sozialkompetenz seien voneinander unabhängige Eigenschaften.

Intelligente Menschen langweilen sich übrigens nicht so schnell, gerade durch ihre ausgeprägte geistige Flexibilität können sie, überspitzt gesagt, aus jeder Situation etwas machen – und überbrücken Flauten vielleicht mit Nachdenken.

Sind Kinder, die wegen Unterforderung negativ auffallen, also ein Mythos?

Das kann vorkommen. Aber: Es gibt viele Gründe, warum Kinder den Unterricht stören oder sich langweilen. Eine Hochbegabung steckt eher selten dahinter.

Trotzdem hält sich die Behauptung, dass hohe Intelligenz mit sozialen Defiziten einhergeht.

Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Hinweise. Im Gegenteil: Hochbegabte Kinder sind in der Regel sozial gut integriert. Man tut so, als sei Intelligenz eine Art Inselbegabung, die im Sozialen keine Rolle spielt. Es ist falsch, anzunehmen, Intelligenz und Sozialkompetenz seien zwei voneinander unabhängige Eigenschaften. Intelligenz ermöglicht geistige Flexibilität, die dient uns auch im Zwischenmenschlichen.

Von welchen Kriterien hängt gutes Lernen ab?

Das Kind soll Inhalten einen Sinn abgewinnen können. Beim Lesen und Schreiben geht es ja nicht einfach darum, Buchstaben zu lernen. Dem Kind öffnen sich dadurch neue Welten: Es kann sich Inhalte erschliessen, die ihm vorher nicht zugänglich waren, sich auf neue Art und Weise mitteilen. Das gilt es ihm aufzuzeigen. Dafür können Eltern auch mal mit dem Handy arbeiten, das Kind eine SMS schreiben lassen – oder beim Vorlesen die Rollen tauschen.

Gutes Lernen bedeutet nicht Pauken, sondern sich Antworten auf Fragen zu erschliessen – dafür braucht es guten Unterricht.

Es soll mitbekommen, dass Lesen, Schreiben und Rechnen helfen, die Welt besser zu verstehen, sei es beim Einkaufen oder unten am Bach. Dass es schön ist, Gesetzmässigkeiten bei Zahlen oder Naturphänomenen zu entdecken. Gutes Lernen bedeutet nicht Pauken, sondern sich Antworten auf Fragen zu erschliessen – dafür braucht es guten Unterricht.

Was macht diesen aus?

Guter Unterricht ist vor allem differenzierter Unterricht. Unterschiedliche Kinder können von denselben Lerngegebenheiten unterschiedliche Dinge lernen. Etwa beim Einmaleins: Statt stur die Zahlenreihen abzufragen, kann man auch mal fragen: Wie viele Mal-Aufgaben lassen sich für eine bestimmte Zahl finden? Kinder, die matheaffiner sind, merken vielleicht: Sieben ist grösser als sechs, und doch führen weniger Kombinationen zur sieben. Oder ihnen fällt auf, dass sich zweimal zwei um denselben Faktor multiplizieren lässt und dann acht ergibt. So entwickeln die einen eine erste Idee von Primzahlen oder Potenzen, während andere an den Basiskompetenzen arbeiten.

«Wir müssen die Schule sozial gerechter machen», fordert Elsbeth Stern (links) im Gespräch mit Fritz+Fränzi-Redaktorin Virginia Nolan.

Differenzieren bedeutet nicht gleich, Gruppen zu bilden. Vielmehr sollte man überlegen, welche Lernangebote alle Kinder in unterschiedlichem Mass ansprechen, also Aufgaben so gestalten, dass sie jedes Kind in einem Schwierigkeitsbereich lösen kann, der zu ihm passt. Das geht häufiger, als man denkt.

Der Lehrplan 21 sieht ja auch vor, jedes Kind dort abzuholen, wo es aktuell steht. Aber: Funktioniert Individualisierung bei 20 Kindern?

Individualisierung heisst nicht, dass ich jederzeit über den Stand jedes Kindes im Bild sein muss. Das ist ein Missverständnis. Als Lehrperson bin ich keine Ärztin, ich muss nicht zielgenau diagnostizieren. Aber ich muss mir bewusst sein, dass ich es mit Kindern zu tun habe, die unterschiedlich sind, was ihr Vorwissen betrifft, ihre Arbeitsweise, die geistigen Fähigkeiten und so weiter. Bei jedem Lernthema tun sich irgendwo Missverständnisse auf. Ich muss nicht unbedingt wissen, bei welchem Kind und bei welchem nicht – ich muss nur wissen, dass es so ist.

Und dann?

Stelle ich unterschiedliche Anforderungen: mal leichter, mal schwerer. Die Kinder müssen nicht alle fünf Minuten eine neue Erkenntnis haben, aber jedes soll bis zum Ende der Stunde ein Stück weitergekommen sein. Ich empfehle Lehrpersonen, regelmässig formative Assessments durchzuführen, zum Beispiel Multiple-Choice-Tests – aber anonym und ohne anschliessende Benotung. Damit lässt sich leicht ermitteln, wo die Klasse steht.

Viele Lehrpersonen denken, gute Matheleistungen seien die Folge eines angeborenen Talents. Das ist Blödsinn.

Als Lehrperson interessiert mich dabei nicht, was Susanne schon kann und Peter nicht, ich will nur wissen, wie viele Kinder bereits sattelfest sind und wo noch Erklärungsbedarf besteht. Am Ende eines Lernthemas können die Fragebögen auch mal mit Namen ausgefüllt werden, damit ich sehe, welche Kinder vielleicht noch eine Extra-Unterstützung brauchen.

Was muss eine gute Lehrperson sonst noch mitbringen?

Sie soll Spass daran haben, Neues zu entdecken, sich nicht als «ausgelernt» betrachten. Dann braucht es einen guten Zugang zu Kindern und Jugendlichen und Begeisterung fürs eigene Unterrichtsfach. Wobei Fachlehrpersonen auf höheren Stufen manchmal vergessen, dass sie keine Spezialisten vor sich haben, und dann dazu neigen, als begriffsstutzig abzustempeln, wer ihren Instruktionen nicht folgen kann.

Schlimm finde ich, wenn Lehrpersonen Klischees nachhängen, mit denen längst aufgeräumt werden sollte. Durchaus verbreitet ist beispielsweise die Überzeugung, dass gute Matheleistungen die Folge eines angeborenen Talents sind – und dass diejenigen, die damit gesegnet sind, Dinge von allein begreifen.

Was sagen Sie dazu?

Das ist Blödsinn. Mathematische Fähigkeiten hängen schon von den kognitiven Fähigkeiten ab, man sollte einen unterdurchschnittlich intelligenten Menschen nicht dazu ermutigen, Differentialrechnung zu lernen. Aber es ist nicht hinnehmbar, wenn Jugendliche mit einem IQ im oberen Normalbereich schlechte Mathenoten schreiben – dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass didaktisch etwas falsch lief.

Es gibt ganz viele Kinder und Jugendliche, die vielleicht nicht prädestiniert für ein Mathestudium sind, aber das kognitive Rüstzeug hätten, gut rechnen zu lernen. Das Problem: Sie gelangten früh zur Überzeugung, dass Mathe nichts für sie ist, und bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Was sind, nebst schlechtem Unterricht, die Gründe dafür?

Das schulische Selbstkonzept wird in hohem Mass durch Rückmeldungen wie Noten bestimmt. Aus meiner Sicht sollte man in den ersten zwei Schuljahren darauf verzichten. Stattdessen würde ich tolle Angebote machen, sicherstellen, dass keine Kinder hinterherhängen, und schauen, dass die anderen ihr Futter erhalten.

46 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten bringen nicht die für diese Stufe nötige Intelligenz mit.

Wenn ein Kind eine Fünf in Mathe und eine Sechs in Deutsch hat, wird es sagen: Ich bin ein Sprachmensch. Die Klassenkameradin mit einer Vier in Deutsch und einer Fünf in Mathe wird sich als Mathe-Typ einordnen. Dabei haben beide Kinder dieselbe Mathenote. Menschen neigen dazu, Schubladen zu bilden – in der Schule passiert es oft zu früh.

Was hat es auf sich mit der Mär vom Sprach- oder Mathetypen?

Aus wissenschaftlicher Sicht eher wenig. Im Gegenteil: Zwischen Rechenleistungen und Kompetenzen in Lesen und Schreiben zeigt sich ein starker Zusammenhang. Personen, die in Wort- und Sprachverständnis sehr gut abschneiden, sind auch bei Mathe nicht unterdurchschnittlich – und umgekehrt. Das ist logisch, denn sowohl mathematische als auch sprachliche Fertigkeiten werden von der Intelligenz beeinflusst. Trotzdem haben wir sicher alle unsere Neigungen.

Inwiefern lässt sich Intelligenz durch Fleiss kompensieren?

Durch Motivation, Ausdauer und Disziplin lässt sich viel erreichen. Insgesamt sind diese Faktoren nicht so wirkungsmächtig wie Intelligenz, aber ein Kind kann damit sehr weit kommen, zumindest in der Primarschule, wo viel Stoff auswendig gelernt oder nach einem bestimmten Schema trainiert wird. Später, wenn Lerninhalte eine höhere kognitive Flexibilität erfordern, wird es schwieriger.

Im Gymnasium?

Viele schaffen es sogar, sich durchs Gymnasium zu schleppen. Das erfordert viel zusätzliche Unterstützung, also Nachhilfe und so weiter, und eine Anpassungsleistung der Jugendlichen, den Aufwand auch mitzumachen. Hier macht sich der Einsatz von Eltern bemerkbar. Ohne deren Unterstützung wären diese Jugendlichen längst weg.

Sie sagen sogar: Ein Drittel der Gymnasiasten ist am falschen Ort.

Das zeigen unsere IQ-Tests mit Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in der Schweiz. 46 Prozent der Jugendlichen, die wir getestet haben, bringen für diese Schulstufe nicht die nötige Intelligenz mit. Sicher: IQ-Tests sind nicht perfekt, es kann sein, dass ein Kind einen schlechten Tag hat. Das muss man in der Auswertung berücksichtigen, daher liegt unsere – eher konservative – Schätzung bei gut 30 Prozent.

Wie lässt sich die fürs Gymnasium nötige Intelligenz beziffern?

Die Schweizer Maturquote sieht vor, dass nicht mehr als 20 Prozent der Kinder aufs Gymnasium gehen. Idealerweise wären dies die intelligentesten 20 Prozent eines Jahrgangs. Orientieren wir uns daran, müsste der Mindest-IQ fürs Gymnasium 112 Punkte betragen. Dieser Wert entspricht dem Prozentrang 80, bezogen auf die Gesamtbevölkerung. Diese Voraussetzung bringt rund ein Drittel nicht mit. Im Zweifelsfall schlägt soziale Herkunft Intelligenz: Gut situierte Familien finanzieren Prüfungsvorbereitungskurse und Nachhilfe, die sich andere nicht leisten können.

Wir müssen die Schule sozial gerechter machen. Dies nicht nur aus Gründen der Gerechtigkeit, wir brauchen fähige Leute auf verantwortungsvollen Positionen. Es gibt auch in weniger gut gestellten Familien intelligente Kinder – die müsste man ermutigen, aufs Gymnasium zu gehen.

Wie?

Lehrpersonen spielen da sicher eine Schlüsselrolle. Ein erster Weg wäre, bewusst den Blick auf Kinder zu richten, die durch ihre Auffassungsgabe auffallen, bei deren Eltern das Thema Gymnasium aber gar nicht im Raum steht.

Nicht alle Kinder, die das kognitive Potenzial fürs Gymnasium mitbringen, schreiben auch Top-Noten. Ich denke da vor allem an Kinder, die nicht deutscher Muttersprache sind. Bei der Aufnahmeprüfung hätten sie deshalb vermutlich Schwierigkeiten. Ein IQ-Test würde helfen, ihr geistiges Potenzial verlässlicher abzubilden. Ich bin nicht für flächendeckende IQ-Tests, finde sie aber in Einzelfällen wie diesen sinnvoll, um die Chancengerechtigkeit zu verbessern.

Apropos gerecht: Wie gut bilden Noten die Intelligenz ab?

Es ist nicht so, dass Schulnote und Intelligenz unabhängig voneinander sind. Es existiert ein statistisch relevanter Zusammenhang, doch der ist alles andere als perfekt: Es gibt viele Kinder, denen man aufgrund ihrer Intelligenz eine bessere Schulnote vorhersagen würde, und umgekehrt. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen nicht nur am Unterricht und der Förderung durch die Eltern. Kinder sind auch von ihren Interessen geleitet und nehmen in gewissen Fächern Abstriche in der Note in Kauf. Geistige Fähigkeiten und Noten sollten allerdings auch nicht zu weit auseinanderklaffen. Wie ich eingangs gesagt habe: Es kann nicht sein, dass ein Kind mit IQ im oberen Durchschnittsbereich in Mathe versagt.

Virginia Nolan
ist Redaktorin, Bücherwurm und Wasserratte. Sie liebt gute Gesellschaft, feines Essen, Tiere und das Mittelmeer. Die Mutter einer Tochter im Primarschulalter lebt mit ihrer Familie im Zürcher Oberland.

Alle Artikel von Virginia Nolan

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