Digitaler Wandel bedeutet eine Transformation der Schule
Schule

Digitaler Wandel bedeutet eine Transformation der Schule

Einfach digitale Geräte im Unterricht einzusetzen, reicht nicht aus. Es braucht ein Umdenken in der Art, wie gelernt und gelehrt wird, aber auch in der Organisation der Schule und ihrer Kooperation und Kommunikation mit den Eltern. 
Text: Rahel Tschopp
Bild: Pixabay / Pexels
Im Wochentakt höre ich von Volksschulen in der Schweiz, die auf eine sogenannte Eins-zu-eins-Ausstattung wechseln. Dies bedeutet, dass jedes Kind ein persönliches elektronisches Gerät erhält. Eigentlich ein Grund zur Freude, denn das heisst, dass die Digitalisierung in der Schule angekommen ist. Aber so einfach ist es nicht.
Rahel Tschopp leitet das Zentrum Medien­bildung und Informatik an der PH Zürich. Sie ist verantwortlich für die Nachqualifizierung von rund 5000 Lehrpersonen für das Fach Medien und ­Informatik. Sie gründete und führt das NPO «Compi­Sternli». Das mehrfach preisgekrönte Projekt fördert den Generationendialog. 
Rahel Tschopp leitet das Zentrum Medien­bildung und Informatik an der PH Zürich. Sie ist verantwortlich für die Nachqualifizierung von rund 5000 Lehrpersonen für das Fach Medien und ­Informatik. Sie gründete und führt das NPO «Compi­Sternli». Das mehrfach preisgekrönte Projekt fördert den Generationendialog. 
Beim genauen Hinschauen sind zwei Arten erkennbar, wie der digitale Wandel – innerhalb des gesetzlichen Rahmens – durch die Schulen interpretiert wird.

Der auf den ersten Blick einfachere (und meist gewählte) Weg ist die Integration: Der Unterricht läuft ähnlich weiter wie bis anhin. Die digitalen Geräte ersetzen im Klassenunterricht herkömmliche Werkzeuge. Rechenaufgaben werden auf dem Tablet gelöst; die Kinder erhalten nun unmittelbares Feedback. Die Englischwörter werden digital geübt; neu ist, dass die Kinder die Wörter beim selbständigen Üben anhören können und sich somit die Aussprache richtig einprägen können. Zudem bestimmt ein cleverer Algorithmus, welches Wort wann wiederholt werden muss. Vielleicht steht die Klasse sogar im Austausch mit einer englischsprachigen Klasse und kommuniziert mit dieser per Mail.
Der scheinbar einfache Prozess der Integration digitaler Geräte stellt die Schulen bereits vor grosse Herausforderungen. 
Die Geräte werden meistens nur dann genutzt, wenn die Lehrperson dazu auffordert. Ansonsten bleiben sie oft unter dem Tisch verstaut. Einige Lehrpersonen legen ihre Unterrichtsmaterialien auf dem gemeinsamen Server ab, andere nicht.

Dieser scheinbar einfache Prozess der Integration stellt die Schulen bereits vor grosse Herausforderungen: Die Geräte und die gesamte Infrastruktur müssen funktionieren, ein effektiver Support (technisch und pädagogisch) muss vorhanden sein. Die Lehrpersonen müssen sich einigermassen sicher in der digitalen Welt bewegen. 

Schulen müssen sich wichtige Fragen stellen

Erst die nächste Stufe, die ich leider bislang selten erlebe, kann man meines Erachtens als digitalen Wandel bezeichnen. Dabei steht einerseits die Unterrichtsentwicklung im Vordergrund; andererseits wird die ­ganze Organisation berücksichtigt. Im Zentrum der Unterrichtsentwicklung stehen folgende Fragen: Was verstehen wir heute unter Lernen und Lehren, unter Bildung? Wie können wir gewährleisten, dass die Kinder lernen, sich unter den heutigen Voraussetzungen sicher zu bewegen? Wie können wir ihre Sozial­kompetenz und ihre Empathie­fähigkeit stärken? Sind Stundenpläne, in denen jede Dreiviertelstunde das Fach gewechselt wird, noch zeitgemäss? Ergibt das Lernen in alterssortierten Klassen noch Sinn? Ist es nicht eine grundlegende Kompetenz, dass die Kinder selbst entscheiden und reflektieren, wann sie mit einem digitalen Gerät arbeiten und wann nicht?

Diese Fragen lassen sich nicht auf die Schnelle beantworten oder von oben verordnen. Sie benötigen eine intensive Auseinandersetzung der Lehrpersonen und anderer Beteiligter mit ihrem Berufsverständnis und die Bereitschaft, sich ernsthaft und selbstkritisch mit den eigenen Werten und Haltungen auseinanderzusetzen. Die Kultur im Team wird zentral: Wie entsteht an einer Schule ein gemeinsames Mindset, das derart tragfähig ist, dass auch Unsicherheiten und Rollenwechsel ausgehalten werden?
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1 Kommentar

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Von Beat am 08.01.2020 18:07

Vor 20 Jahren hat die erste UNM (Unterricht mit neuen Medien) Fachtagung stattgefunden. 20 Jahre später stellen wir immer noch die selben Fragen - sind kein Komma weitergekommen.
Ebenso vor 20 Jahren hat Rolf Schulmeister die digitale, persönliche als weitere Lernumgebung gefordert - und absolut rein gar nichts ist passiert. Ich behaupte jetzt einfach einmal, dass so gut wie kein kein Lehrer und keine Schülerin eine PLE in der digitalen Umgebung führt.
Vor 30 Jahren warens die Windows Dampfmaschinen, heute sinds die iPads - passieren wird weiterhin nichts.

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