«Einige Kinder können mit ihrem Frust nicht umgehen» - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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«Einige Kinder können mit ihrem Frust nicht umgehen»

Lesedauer: 9 Minuten

Die Entwicklungsneurologin Ines Mürner-Lavanchy forscht über Buben und ­Mädchen, die zu heftigen Wutausbrüchen neigen und ständig gereizt sind. Für solche Kinder gibt es das neue Störungsbild Disruptive Mood Dysregulation Disorder – eine Diagnose, die aber nur in schweren Fällen gestellt werde. Die Berner Psychologin über tobende Kinder, stark geforderte Eltern und darüber, warum es ganz normal ist, wenn sich auch ein Achtjähriger noch vor Wut auf den Boden wirft.

Der 17. September 2020: Blühende Wiesen, Baumkronen, die sich im Wind neigen, Kinder, die auf dem Sportplatz einem Ball hinterherjagen. Die Uni­versitären Psychiatrischen Dienste Bern, (UPD), liegen wunderschön am Waldrand von Bolligen BE. Hier empfängt uns Ines Mürner-Lavanchy zum Interview. «In unseren Sitzungszimmern herrscht Maskenpflicht», sagt die Entwicklungsneurowissenschaftlerin und zieht den Papierschutz über Mund und Nase. Damit sind die UPD ihrer Zeit voraus, doch die Journalistin, mit dem Zug angereist, ist ausgestattet. Das Gespräch kann beginnen.

Frau Mürner-Lavanchy, Sie ­forschen über ein neues Störungsbild bei ­Kindern. Wie lässt sich dieses beschreiben?

Der Diagnose Disruptive Mood Dysregulation Disorder, kurz DMDD, liegt eine Störung der Emotions­regulation zugrunde. Sie beschreibt Kinder mit dauerhaft trauriger und gereizter Stimmung und dadurch bedingten Wut- und Impulsdurchbrüchen.

Was heisst das konkret?

Diese Kinder sind leicht reizbar, sehr impulsiv, was sich in regelmässigen Wutausbrüchen entlädt. Darüber hinaus sind sie oft traurig und unglücklich.
Ines Mürner-Lavanchy ist Entwicklungs­neuro­wissenschaftlerin und Postdoktorandin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugend­psychiatrie und Psychotherapie Bern. Sie interessiert sich unter anderem für die Emotionsregulation im ­Kontext psychischer Erkrankungen. Ines Mürner-­Lavanchy lebt mit ihrer Familie in Bern.
Ines Mürner-Lavanchy ist Entwicklungs­neuro­wissenschaftlerin und Postdoktorandin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugend­psychiatrie und Psychotherapie Bern. Sie interessiert sich unter anderem für die Emotionsregulation im ­Kontext psychischer Erkrankungen. Ines Mürner-­Lavanchy lebt mit ihrer Familie in Bern.

Diese Beschreibung dürfte einigen Eltern insbesondere von jüngeren ­Kindern bekannt ­vor­kommen. Müssen sich diese jetzt ­Sorgen machen?

Höchstwahrscheinlich nicht. Die Kriterien für die Diagnose DMDD sind sehr hoch angesetzt. So müssen die Wutausbrüche ein Jahr und länger und mindestens dreimal pro Woche stattfinden. Zwischen diesen Anfällen ist die Stimmung beim Kind dauerhaft gereizt oder wütend, die meiste Zeit des Tages, nahezu jeden Tag.

Wie viele Kinder sind von DMDD betroffen?

Am häufigsten wird die Diagnose bei den Sechs- bis Neunjährigen gestellt. Dort geht man davon aus, dass drei von 100 Kindern betroffen sind. Dabei beziehen wir uns auf Erhe­bungen aus den USA. Bei den Neun- bis Zwölfjährigen sind es, je nach Studie, ein bis drei Prozent. Aufgrund anderer diagnostischer Konzepte in Europa dürften hierzulande jedoch weniger Kinder diese Diagnose gestellt bekommen als in den USA. Bei unter Sechsjährigen wird nicht empfohlen, die Diagnose zu stellen.

Warum das?

Im Vorschulalter kann man davon ausgehen, dass Wutausbrüche, sogar mehrmals am Tag, völlig altersentsprechend und normal sind. Und man wollte vermeiden, altersgerechtes Verhalten zu pathologisieren.

In diesem Alter entwickelt sich die Affektkontrolle bei Kindern.

Das ist richtig. Die Impulsivität nimmt entwicklungspsychologisch vom Kindes- zum Jugendalter hin ab und die kognitive Kontrolle über Affekte und Impulse nimmt zu. Man geht davon aus, dass sich zuerst die Fähigkeit zur Inhibition, des Sich-zurückhalten-Könnens, und dann mit der Zeit die kognitive Anpassungsfähigkeit ausbildet. Schon im Kleinkindalter merkt ein Kind: Mama sagt ständig Nein, jetzt tue ich dieses oder jenes nicht, obwohl ich grosse Lust dazu habe. Im Kindergarten sind dann bestimmte Regeln zu befolgen, die Forderungen der Gesellschaft nehmen zu. Und ein Kind schafft es mehr und mehr, die Situation, die nicht dem entspricht, was es sich vorgestellt hat, auszuhalten beziehungsweise seine Wünsche und Bedürfnisse anzu­passen. Diese Fähigkeit bildet sich im Alter von etwa fünf oder sechs Jahren aus.

Haben Sie ein Beispiel für uns?

Stellen Sie sich vor, Ihre Tochter soll die Hausaufgaben machen. Sie versprechen ihr ein Eis, wenn sie die Aufgaben zügig und sorgfältig erledigt. Ihre Tochter freut sich darauf. Dann merken Sie aber, dass Sie gar kein Eis mehr im Haus haben, und bieten ihr stattdessen einen Keks an. Die Tochter willigt ein. Ein Keks ist zwar nicht das, was sie sich erhofft hat, aber auch okay. Diese Reaktion erfordert eine mentale Flexibilität, die viele Drei- oder Vierjährige noch nicht haben.

Und ältere Kinder mit der von Ihnen beschriebenen Störung auch nicht.

ei vielen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter wie ADHS oder oppositionellem Trotzverhalten, bei dem Kinder sehr empfindlich sind und schnell verärgert reagieren, spielen Probleme in der Affektregulation eine Rolle, so auch bei DMDD. Alle Kinder müssen lernen, mit Frustrationsmomenten umzugehen, nicht wütend zu werden, wenn sie etwas nicht bekommen oder ihrem Wunsch nicht sofort entsprochen wird. Kinder, die zu DMDD neigen, können dies aber nicht beziehungsweise nur sehr bedingt, auch im späteren Kindesalter nicht.

Worin liegen die Ursachen?

Es gibt noch nicht viele Studien dazu, aber es wurden in der Psychopathologie immer wieder ähnliche Problematiken gefunden. Meist sind es verschiedene Situationen in der Familie, die Stress auslösen: familiäre Belastungen, zwischenmenschliche Schwierigkeiten, Traumata, beispielsweise ausgelöst durch den Tod eines Familienmitgliedes, die Trennung der Eltern. Solche stressauslösenden Situationen können sich auf die Entwicklung eines Kindes auswirken. Man hat beispielsweise in einer Studie ermitteln können, dass eine postnatale Depression der Mutter mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden war, an DMDD zu erkranken.

Sind Kinder aus Familien mit tieferem sozioökonomischem Status häufiger betroffen?

Das ist richtig. In Familien, in denen tendenziell weniger Ressourcen vorhanden sind, treten diese Stressfaktoren vermehrt auf.

Gibt es bei DMDD eine genetische Komponente wie bei ADHS?

Ja, das ist anzunehmen. Das Zusammenspiel der Gene und der Umwelt spielt eine Rolle. Was man gesehen hat, ist, dass Kinder mit DMDD häufig aus Familien kommen, in denen bei den Eltern auch andere affektive Störungen vorhanden sind, Depressionen, Angststörungen. Dadurch, dass die Erkrankung in der Familie liegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Geschwister oder ein Geschwister ebenfalls betroffen ist, erhöht.

Welche Folgen hat ihr aufbrausend-­impulsives Verhalten für die Kinder?

Aufgrund der Forschung bei verwandten Störungen nehmen wir an, dass es einen Kreislauf gibt. Die Kinder erleben immer wieder Frustrationen und schaffen es nicht, diese zu regulieren. Darüber hinaus sieht man bei diesen Buben und Mädchen eine erhöhte Tendenz dazu, Bedrohungen oder negative Reize wahrzunehmen. Sie erleben viel Frustration und suchen sich fast selektiv aus ihrem Umfeld Reize aus, die sie negativ beeinflussen. Und das gibt dann einen Kreislauf, der zu noch mehr Frustration und Aggression führen kann. Dieser löst dann Symptome der dauerhaften Gereiztheit und häufige Wutausbrüche aus.

Können Sie uns von einem Fall ­berichten?

Während meiner Tätigkeit als kli­nische Neuropsychologin ist mir ein Fall begegnet, bei dem ich im Nachhinein wahrscheinlich von einer DMDD ausgehen würde. Die Eltern sind mit ihrer fast siebenjährigen Tochter für eine umfangreiche neuropsychologische Diagnostik im Rahmen der Einschulung zu mir gekommen. Der Einschulung sahen ihre Kindergärtnerinnen, die Ergotherapeutin und die Logopädin ­kritisch entgegen. Sie hatte die Diagnose ADHS, Aufmerksamkeitsprobleme, aber auch Wahrnehmungsschwierigkeiten und andere kognitive Auffälligkeiten. Weder Eltern noch Lehrpersonen oder Schulpsychologen konnten sagen, was mit dem Kind eigentlich los ist. Das Mädchen war dauerhaft traurig und leicht reizbar, hatte viele und schwerwiegende Wutausbrüche – in den unpassendsten Situationen, wie die Mutter berichtete. Sie war auch nicht beliebt, hat nirgends richtig Anschluss gefunden. Die gesamte Situation war für das Mädchen sehr schwierig.

Was machen diese Kinder in ­Gruppengefügen falsch?

Es ist mir wichtig, zu betonen, dass diese Kinder nichts falsch machen. Es ist nicht abschliessend geklärt, ob diese Kinder per se Schwierigkeiten im Sozialkontakt haben oder ihre gedrückte Stimmung und die Wutausbrüche andere Kinder abschrecken und sie dadurch als Spielpartner nicht attraktiv sind. Wer will schon mit jemandem spielen, der bei jeder Kleinigkeit in die Luft geht?

Ein Verhalten, das sicher auch für die Eltern belastend ist. Wenn der ­Zweijährige sich schreiend auf den Boden wirft, zeigt das Umfeld meist Verständnis, auch noch bei einem Vier­jährigen. Doch wenn der ­Achtjährige ständig ausflippt, dürfte es mit der Akzeptanz nicht mehr weit her sein.

Da haben Sie recht. Diese Kinder, die mit sieben oder acht Jahren die Diagnose DMDD bekommen, zeigen in der Regel von klein auf ein Temperament, das in diese Richtung geht. Meist wird das zu Hause in den Familiensystemen noch ertragen, aber dann zum Problem, wenn das Kind in den Kindergarten oder die Schule kommt und in diesem System ständig aneckt und sich nicht anpassen kann. Im schlimmsten Fall sind diese Kinder in einer Regelschule nicht beschulbar.

Vorhin erwähnten Sie, dass die ­Altersgruppe der Sechs- bis ­Neunjährigen am meisten betroffen ist. Danach nimmt die Häufigkeit ab. Wächst sich die Störung mit den ­Jahren aus?

Leider nein. Die Symptome lassen nach, aber die Probleme für das Individuum nehmen dadurch nicht ab. Die Wutanfälle an sich sind nicht mehr so schlimm, aber es gibt ein erhöhtes Risiko für Probleme im sozialen wie auch im gesundheit­lichen Bereich und in Bezug auf das Risikoverhalten, was sich bis zum Erwachsenenalter durchzieht. Ausserdem besteht eine erhöhte Anfälligkeit für affektive Störungen wie Depressionen oder Angststörungen. Ich würde also eher von einer Symptom­verschiebung sprechen.

Wie wird ein Kind mit DMDD ­behandelt?

Da es noch keine spezifisch für diese Störung entwickelten Behandlungen gibt, orientiert man sich bislang eher an Bausteinen vorhandener Psychotherapieverfahren, beispielsweise aus den Programmen für Kinder mit ADHS oder aus der dialektisch-behavioralen Therapie. So zielt die Psychotherapie meist auf das Verhalten des Kindes ab und bezieht sein Umfeld in der Regel stark mit ein.

Mit dem Umfeld des Kindes sind in erster Linie die Eltern gemeint?

Das ist richtig. Die Eltern werden immer in die Psychotherapie miteinbezogen und gecoacht. Ein wichtiger Aspekt ist die Vermittlung von Wissen über Emotionen und die emotionale Entwicklung. Und dann die praktische Seite: Wie verhält man sich im Falle eines Wutanfalls? Wie begleite ich mein Kind da durch? Welche Strategien gibt es für mich als Mutter oder Vater, um die Nerven zu bewahren? Das sind Fragen, die in einem solchen Eltern-Coaching besprochen werden. Und ich möchte es noch einmal betonen: Um eine solche Diagnose zu bekommen, müssen sehr schwere Ausprägungen dieser Symptome vorliegen. Da reicht es nicht, wenn ein Achtjähriger von Zeit zu Zeit einen Wutanfall hat. Wenn diese nicht ständig vorkommen und das Leben dieses Kindes oder seiner Eltern massiv und nachhaltig beeinträchtigen, sind sie im Rahmen von normativem Verhalten zu sehen.
Ines Mürner-Lavanchy betont, wie wichtig es ist, dass Kinder die richtige Diagnose bekommen.
Ines Mürner-Lavanchy betont, wie wichtig es ist, dass Kinder die richtige Diagnose bekommen.

Aber auch diese Situationen müssen gemeistert werden. Was würden Sie den Eltern raten?

Deren Kinder nicht an einer solch ausgeprägten Symptomatik leiden? Wichtig scheint mir, die Situation, so wie sie ist, zu akzeptieren, als normal hinzunehmen. Als mein Sohn die ersten Trotzanfälle hatte, war ich erst auch etwas verblüfft und irritiert, habe mich in manchen Situationen umgeschaut und gefragt, wer das jetzt mitbekommt. Das ist anstrengend und mühsam. Mir persönlich hilft da mein Hintergrundwissen: Das Kind lernt gerade Emotionen zu regulieren. Das ist ein wichtiger Entwicklungsschritt. Es darf jetzt wütend sein! Und ich signalisiere ihm, dass ich es ernst ­nehme und mich nicht abwende. Und ich lasse meinen Sohn auch mal toben, ohne zu versuchen, dieses Verhalten gleich zu unterbinden, was auch mir bei Weitem nicht immer gelingt. Auch ein Achtjähriger oder eine Neunjährige darf wütend werden, auch ein Erwachsener darf das. Das besitzt an sich keinen Krankheitswert.

Aber ist es nicht sehr schwer, eine DMDD zu diagnostizieren? ­Schliesslich gibt es viele psychische Störungsbilder, bei denen Betroffene zu impulsivem Verhalten und ­Wutausbrüchen neigen.

Sie haben recht. Es gibt andere Entwicklungsauffälligkeiten beziehungsweise Diagnosen, die solche Wutanfälle auslösen können, beispielsweise die Autismus-Spek­trum-Störung. Daher wird bei einer Abklärung auf DMDD genau geschaut, dass diese Symptome keine anderen neurologischen oder somatischen Ursachen haben. Kinder, die eine DMDD diagnostiziert bekommen, haben meist auch eine andere Störung. Bei DMDD sind es je nach Studie fast 90 Prozent der Kinder, bei denen auch eine Störung des oppositionellen Trotzverhaltens belegt ist.

Bei dieser Störung sind ebenfalls ­Wutausbrüche zentral?

Richtig, wobei diese weniger häufig auftreten. Diese Kinder sind auch leicht reizbar. Doch dieses Symptom der Reizbarkeit ist für die Diagnose nicht notwendig – für DMDD aber schon. Das heisst, die Kinder, die DMDD haben, leiden oft auch unter einer Störung des oppositionellen Trotzverhaltens, weil dort weniger Kriterien erfüllt sein müssen. Aber umgekehrt gilt das nicht. DMDD ist eine sehr schwere Diagnose des Kindesverhaltens.

Das Empfinden darüber, welches ­Verhalten den Familienalltag stark belastet, ist sicher unterschiedlich. Was ist ein schwerer Wutanfall? Diese Frage beantworten Eltern, die ein eher ruhiges Temperament haben, sicher anders als sehr temperamentvolle. 

Auch Lehrer und Therapeuten können Situationen unterschiedlich einschätzen. Und auch wie stark die Belastung vom Kind selbst wahrgenommen wird, ist verschieden. Bei der Diagnosestellung werden in der Regel diagnostische Leitlinien befolgt, in denen die Kriterien für eine bestimmte Störung aufgelistet sind. Wenn ein Kind die Kriterien für eine DMDD erfüllt, ist davon auszugehen, dass der Leidensdruck auf allen Seiten sehr hoch ist.

Wie gehen Sie mit der Kritik um, dass die Diagnose DMDD nur eine ­weitere «Schublade» ist, um Kinder zu  klassifizieren?

Was Kinder heute in der Gesellschaft leisten und wie sie sich anpassen müssen, ist ein grosses Thema. Aber die Kinder, über die wir hier sprechen, haben wirklich Schwierigkeiten. Sehen Sie, vor einigen Jahren ist in den USA die Rate an bipolaren Störungen bei Kindern explosionsartig angestiegen, weil man für diese Symptomatik keine bessere Schublade gefunden hat, um in ihrem Bild zu bleiben, als die bipolare Störung. Doch später stellte man fest, dass DMDD wenig mit der bipolaren Störung zu tun hat und die Kinder teilweise sogar falsch behandelt wurden. Auch wenn man dieses Schubladensystem in seiner Ganzheit kritisieren kann, konnten Studien zeigen, dass es für Kinder auch hilfreich, sogar erleichternd sein kann, die richtige Diagnose zu bekommen. Diese bildet schliesslich auch die Grundlage für die richtige Behandlung.

Klar definiertes Störungsbild oder Modekrankheit?

Disruptive Mood Dysregulation Disorder (DMDD) ist die diagnostische Einordnung für hoch impulsive und emotional dysregulierte – also extrem schwierige – Kinder. Erfasst werden sollen die stark schwankenden Symp­tome der schweren Wutausbrüche und des depressiven Rückzugs. 2013 wurde die Diagnose ins Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) aufgenommen. 

Dieses Handbuch der American Psychological Association (APA) zur Klassifikation psychiatrischer Erkrankungen wurde lange Jahre aufwändig überarbeitet, um neue Kategorien und Diagnosen aufzunehmen, die z. . bestimmte Symptomatiken schärfer gegen Fehldiagnosen abgrenzen, und somit eine grössere diagnostische Exaktheit schaffen zu können. Die Ergebnisse werden in der Fachwelt zum Teil kontrovers diskutiert. So auch DMDD. Betiteln die einen Wissenschaftler das neue Störungs­bild als weitere «Modekrankheit», in deren Rahmen noch mehr Kinder als krank eingestuft werden, unterstreichen andere Experten den Vorteil einer exakteren Beschreibung eines Krankheitsbildes, was betroffenen Kindern durch eine spezifischere Behandlung zugutekomme.

(Quelle: Medscape)


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