«Durch die Beratungsrolle bin ich selbstbewusster geworden» - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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«Durch die Beratungsrolle bin ich selbstbewusster geworden»

Lesedauer: 2 Minuten

Petra Brem, 49, aus Kaisten AG hat zusammen mit ihrem Mann drei Kinder: Nelia, 13, Malin, 13, und Leanne, 15. Nelia war im letzten Semester Beraterin im Ideenbüro der Primarschule Kaisten.

Aufgezeichnet von Yvonne Kiefer-Glomme
Bild: Daniel Winkler / 13 Photo

Ob daheim oder im Klassenzimmer: Konflikte und ­negative Gefühle gehören dazu. Wenn Schule, Eltern und Kinder sie gemeinsam lösen, lässt sich viel erreichen. Familie Brem erzählt.

Nelia Brem: «Das letzte Halbjahr war ich zusammen mit drei anderen Sechstklässlerinnen und Sechstklässlern Beraterin im Ideenbüro der Schule Kaisten. Ich gehöre nun zum ältesten Jahrgang meiner Schule und fand es toll, den Jüngeren helfen zu können. Da ich bereits ähnliche Probleme wie sie erlebt hatte, konnte ich die Kinder gut verstehen und beraten.

Kamen Kinder wegen Streit zu uns, konnten wir nachher oft beobachten, wie sie wieder miteinander spielten. Ein gutes Gefühl.

Nelia Brem

Abwechselnd in die unterschiedlichen Rollen zu schlüpfen, die Gesprächsleitung zu haben, Beobachterin zu sein oder das Protokoll zu führen, war sehr spannend. Kamen Kinder aufgrund eines Streits zu uns, konnten wir nachher oft beobachten, wie sie auf dem Pausenplatz wieder glücklich und zufrieden miteinander spielten – das war ein gutes Gefühl.

Als eigenes Projekt wollten wir das Gotte-Götti-System für unsere Erstklässlerinnen und Erstklässler einführen. Wir hatten bereits alles für einen gemeinsamen Spielnachmittag vorbereitet, aber dann musste dieser aufgrund von Corona leider abgesagt werden. Durch meine Rolle als Beraterin bin ich selbstbewusster und offener geworden. Viele Kinder, die mich aus dem Ideenbüro kennen, grüssen mich nun beim Einkaufen. Dass ich dort mitwirken durfte, macht mich stolz.»

Petra Brem: «Unserer Tochter hat es gutgetan, sich für das Ideenbüro zu engagieren; es hat ihr Selbstvertrauen gestärkt. Das wird ihr helfen, denn sie kommt bald in die Oberstufe und muss sich dort gegenüber den Älteren behaupten können. Meinem Mann und mir ist die Sozialkompetenz unserer Kinder sehr wichtig, denn diese benötigen sie für ihr gesamtes Leben.

Wir dürfen unseren Kindern nicht alles abnehmen.

Petra Brem, Mutter von Nelia, Malin und Leanne

Wir legen sehr viel Wert darauf, dass sie anderen Menschen mit Respekt begegnen und ihnen helfen. Nelia hat das glücklicherweise schon vorher gekonnt, es ist ein Charakterzug von ihr. Wir fanden es aber wichtig, sie auch ausserhalb der Familie für Mobbing und Aggressionen zu sensibilisieren. Denn die Hemmschwelle der Schülerinnen und Schüler, solche Verhaltensweisen zu zeigen, scheint durch den Medienkonsum heute niedriger zu sein. Insofern ist es wichtig, dass Kinder frühzeitig lernen, Konflikte friedlich zu lösen. Hierzu bildet das Ideenbüro ein gutes Übungsfeld.

Ich finde es gut, dass auch die Schule heute mehr Wert auf die Sozialkompetenzen legt und Kinder bereits früh lernen, im Team zu agieren. Sie bereits dafür zu bewerten, halte ich für übertrieben, denn Kinder sollten noch Kinder sein dürfen. Sie müssen heute viel können. Fühlen sie sich überfordert, kann man das Gespräch mit der Lehrperson suchen.

Wenn wir als Eltern möchten, dass unsere Kinder ­selbständig sind und mit beiden Beinen im Leben stehen, dürfen wir ihnen auch nicht alles abnehmen. Aber wir können sie ernst nehmen, Verständnis für sie zeigen, sie unterstützen und begleiten.»

Yvonne Kiefer-Glomme
ist freie Journalistin, Mutter einer Tochter, 11, und lebt mit ihrer Familie im Aargau.

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