«Ein gutes Arbeitszeugnis relativiert schlechte Noten»
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«Ein gutes Arbeitszeugnis relativiert schlechte Noten»

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Das Projekt Lift hilft Jugendlichen mit erschwerter Ausgangslage bei der Berufswahl. Co-Geschäftsleiterin Gabriela Walser erklärt, was die Teilnehmenden dabei konkret erwartet und wie sie die Chancen auf eine gelingende Berufsintegration erhöhen können.

Interview: Virginia Nolan
Bilder: zVg

Frau Walser, an wen richtet sich das Projekt Lift?

An Jugendliche ab der siebten Klasse mit erschwerter Ausgangslage für die anstehende Berufswahlphase. Sie erbringen etwa ungenügende Schulleistungen, haben ­mangelnde Deutschkenntnisse, Motivationsprobleme oder ein Elternhaus, das ihnen wenig Unterstützung bietet. Partner von Lift sind Schulen aus der ganzen Schweiz.

Gabriela Walser ist Co-Geschäftsleiterin des Projekts Lift.

Wie hilft Lift diesen Jugendlichen?

Die Teilnahme ist freiwillig und erfordert nebst dem Einverständnis der Eltern die Bereitschaft der Jugendlichen, an sich zu arbeiten. Das Projekt startet mit Modulkursen. In ein bis zwei Schullektionen pro Woche arbeiten die Jugendlichen an Sozial- und Selbstkompetenzen, die im Arbeitsmarkt höchste Priorität haben: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt, Selbstmotivation oder Arbeitsorganisation.

Zu merken, dass sie sehr wohl Talente haben, ist für viele dieser Jugendlichen eine neue Erfahrung.

Gabriela Walser, Co-Geschäftsleiterin Projekt Lift

Es geht darum, sich Antworten auf ­entscheidende Fragen zu erarbeiten: Was fordert die Berufswelt von mir? Was brauche ich, um dies leisten zu können? Abgestimmt darauf sammeln die Jugendlichen praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt und teilen diese später in der Gruppe, um voneinander zu lernen. In den Kurzeinsätzen wirken sie einmal pro Woche für zwei bis drei Stunden in einem Betrieb mit – ausserhalb der Schul­zeit. Ein Arbeitseinsatz dauert drei Monate; im Lauf des Projekts stehen drei an.

Was ist das Ziel dieser Arbeitseinsätze?

Sie sollen ihre Chancen auf eine gelingende Berufsintegration erhöhen. Und ihnen Erfolgserlebnisse ermöglichen: Bei Jugendlichen, die in der Schule Mühe haben, festigt sich oft die Überzeugung, dass sie nichts können. Dabei haben viele von ihnen gute manuelle Fähigkeiten, die sie bei einem Arbeitseinsatz entdecken oder vertiefen können.

Zu merken, dass sie sehr wohl Talente haben, ist für viele eine neue Erfahrung. Sie gibt ihnen eine Perspektive. Auf jeden Arbeitseinsatz folgt ein Arbeitszeugnis, das die Jugendlichen ihrer Bewerbung beilegen können, wenn sie auf Lehrstellensuche gehen. Ein gutes Arbeitszeugnis relativiert schlechte Noten. Für viele Ausbildungsbetriebe ist ein positives Feedback aus der Berufswelt aussage­kräftiger als das Schulzeugnis.

Mehr Informationen: www.jugendprojekt-lift.ch

Virginia Nolan
ist Redaktorin, Bücherwurm und Wasserratte. Sie liebt gute Gesellschaft, feines Essen, Tiere und das Mittelmeer. Die Mutter einer Tochter im Primarschulalter lebt mit ihrer Familie im Zürcher Oberland.

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