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«Nicht jeder Weg verläuft gerade»

Lesedauer: 1 Minuten

Job Caddie ist ein kostenloses Mentoring. Am häufigsten beraten werden Jugendliche, die nach einer Lehrvertragsauflösung wieder Anschluss finden und eine neue Ausbildung beginnen wollen.

Interview: Virginia Nolan
Bild: zVg

Herr Ruckstuhl, an wen richtet sich das kostenlose Mentoring-Programm von Job Caddie?

Unsere ursprüngliche Zielgruppe waren Jugendliche, die eine abgeschlossene Lehre und trotzdem Mühe hatten, die erste Festanstellung zu finden. Mit dieser Problematik waren in der Wirtschaftskrise ab 2007 viele konfrontiert. Heute betrifft sie noch einen kleinen Teil unserer Klienten. Am häufigsten beraten wir Jugendliche, die nach einer Lehrvertragsauflösung wieder Anschluss finden und eine neue Ausbildung beginnen wollen.

Andrea Ruckstuhl
Andrea Ruckstuhl ist Programmleiter bei Job Caddie Schweiz.

Eine dritte Gruppe sind junge Erwachsene, deren Weg vom üblichen Lebenslauf abweicht, etwa, weil sie Aus­bildungen abgebrochen und «nur» gejobbt haben oder später ins Land gekommen sind. Viele merken mit Mitte zwanzig, dass ihnen eine berufliche Grundlage fehlt, und wollen sich diese erarbeiten.

Wie helfen Sie jungen Leuten weiter?

Im Erstgespräch machen wir uns ein Bild von den Jugendlichen und ihrer Situation, dann vermitteln wir ihnen einen Mentor oder eine Mentorin, die aufgrund ihrer Berufserfahrung oder Persönlichkeit zu ihnen passt. Gemeinsam legen Mentor und Jugendliche die Ziele der Zusammenarbeit fest.

Am häufigsten beraten wir Jugendliche, die nach einer Lehrvertragsauflösung wieder Anschluss finden und eine neue Ausbildung beginnen wollen.

In der Unterstützungsphase stehen die berufliche Auslegeordnung und die Zukunftsplanung im Vordergrund, aber auch Hilfe beim Verfassen von Bewerbungsschreiben, beim Üben aufs Vorstellungsgespräch oder in der Startphase im neuen Betrieb.

Wir sind aber keine Berufsberatungsstelle. Bei uns steht weniger die Frage im Zentrum, welcher Beruf zu einem passen könnte – da müssen Jugendliche ihre Favoriten ein­grenzen können –, es geht eher darum, den Einstieg in den Wunschjob zu finden.

Welche Anforderungen müssen freiwillige Mentorinnen und Mentoren erfüllen?

Voraussetzung ist Interesse an jungen Menschen und Verständnis dafür, dass nicht jeder Weg geradlinig verläuft. Wenn jemand Beratungserfahrung mitbringt, ist das toll, aber nicht Voraussetzung. Wir suchen Leute, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen, die wissen, wie man sich auf dem Arbeitsmarkt bewegt und worauf es beim Bewerbungsprozess ankommt. Ein Mentorat dauert in der Regel zwei bis vier Monate, man trifft sich wöchentlich während etwa zwei Stunden, anfangs kann es etwas mehr sein.

Kostenloses Mentoring für Jugendliche und junge Erwachsene

Job Caddie gibt es in Bern, Zug und Zürich sowie in der Region Schwyz / oberer Zürichsee: www.jobcaddie.ch

Virginia Nolan
ist Redaktorin, Bücherwurm und Wasserratte. Sie liebt gute Gesellschaft, feines Essen, Tiere und das Mittelmeer. Die Mutter einer Tochter im Primarschulalter lebt mit ihrer Familie im Zürcher Oberland.

Alle Artikel von Virginia Nolan

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