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Hohe, aber überwindbare Hürden für Geflüchtete

Lesedauer: 2 Minuten

Damit sich junge Geflüchtete in der Schweiz beruflich etablieren können, benötigen sie Unterstützung – und sie müssen sich auf Deutsch verständigen können.

Text: Susanna Valentin
Bild: Gabi Vogt/13 Photo

Junge Geflüchtete kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schweiz. Damit sie in der Berufswelt Fuss fassen können, braucht es neben eigenem Engagement auch entsprechende Angebote. Sozialarbeiterin Marion Eberwein arbeitet bei Impulsis, dem Kompetenzzentrum für berufliche Integration von jungen Menschen in herausfordernden Lebenslagen. Sie leitet das Motivationssemester, ein Angebot, das Jugendlichen ein Praktikum und eine Lehrstelle in unterschiedlichen Betrieben ermöglichen soll.

Der Austausch mit diversen KMU ist also ein zentraler Teil ihres beruflichen Engagements. Er gestattet ihr einen umfassenden Blick auf die aktuelle Lage der Berufswelt und damit auf die Branchen, die an akutem Lehrlingsmangel leiden. Dass diese Geflüchtete als potenzielle Mitarbeitende anwerben, komme vor, sei aber die Ausnahme.

«Auf der anderen Seite geben viele Betriebe jungen Geflüchteten gern eine Chance, sofern sie die nötigen Kompetenzen mitbringen», sagt Elisabeth Fent, Abteilungsleiterin Startbahn bei Impulsis. «Voraussetzung ist, dass sie sich in Deutsch verständigen können. Zusätzlich wird Wert daraufgelegt, dass Berufseinsteigerinnen und -einsteiger zuverlässig sind und ein freundliches Auftreten mitbringen.» Schlüsselkompetenzen, die von allen Jugendlichen beim Berufseinstieg gleichermassen gefordert werden.

Junge Männer möchten möglichst schnell Geld verdienen. Da bleibt keine Zeit für eine Ausbildung.

Elisabeth Fent, Integrationsexpertin

Bei Impulsis haben Fent und Eberwein bislang Menschen aus Eritrea, Syrien, Afghanistan und der Türkei beim Berufseinstieg unterstützt. Eine Syrerin, die Eberwein begleitet hat, erarbeitete sich schnell Chancen, wie sie sich hier aufgewachsenen Jugendlichen bieten. «Sie hatte in ihrer Heimat die Schule abgeschlossen und war sprachgewandt.»

Wann war der Zeitpunkt der Flucht? Was haben die Jugendlichen, die oft lange Zeit unterwegs waren, erlebt? Sind sie traumatisiert? «Dieses Wissen gibt Aufschluss darüber, wo im Hinblick auf die Berufsbildung angesetzt werden kann», sagt Fent. Zudem liegt der Fokus in der Schweiz stark auf der Bildung; eine Priorität, die nicht immer geteilt wird.

Soziale Isolation als Problem

Geflüchtete Minderjährige werden oft mit der Bürde losgeschickt, die zurückgelassene Familie möglichst schnell finanziell zu unterstützen. «Dann ist für diese meist jungen Männer klar: Sie möchten möglichst schnell arbeiten und Geld verdienen. Da bleibt keine Zeit, eine Ausbildung zu absolvieren, auch wenn das längerfristig wohl die gewinnbringendere Variante wäre», sagt Fent. Ihre Not sei dann existenziell und der Druck gross – ein Umstand, der Verständnis erfordere.

So unterschiedlich die Voraussetzungen sind, eine Hürde gilt es für alle zu überwinden: diejenige der sozialen Integration. «Die Schweiz setzt sich zwar stark für Bildung ein, die Möglichkeit zur Teilhabe an der Gesellschaft bleibt jedoch trotzdem erschwert», sagt Eberwein. Die Folge davon sei, dass zur sowieso schon herausfordernden Situation psychische Schwierigkeiten dazukommen würden. Auch Fent ist der Ansicht, dass die soziale Integration den Berufseinstieg junger Geflüchteter massgeblich beeinflusst: «Soziale Isolation wirkt sich negativ auf die Lebenssituation aus und mindert die Kraft, Stolpersteine überwinden zu können.»

Susanna Valentin
schätzt das durchlässige Schweizer Bildungssystem und hat es gleich selbst genutzt. Vor vier Jahren liess sich die diplomierte Heil- und Sozialpädagogin zur Fachjournalistin ausbilden.

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