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Entwicklung

Humor: Worüber Kinder lachen und warum Eltern mitlachen sollten

Wer den Humor seines Kindes fördert, hilft ihm in vielerlei Weise. Wie entwickelt sich das Verständnis für Humor bei Kindern und über was lachen Primarschüler gerne?
Text: Regina Röttgen
Bilder: Pixabay
«Der Lehrer fragt, wer hat Amerika entdeckt … nein …  Die Klasse soll auf dem Globus zeigen, wo Amerika liegt», freudestrahlend erzählt der siebenjährige Luka seiner Mama einen Witz. «Der Lehrer ruft klein Dieter, der soll zeigen wo Amerika liegt.»  Seiner Mutter fällt es zuerst schwer, ihrem Sohn zu folgen. Zu konfus ist das Gesagte. Trotzdem hört sie geduldig zu. Denn: Wie alle Kinder in seinem Alter muss auch Luka sich erst einmal an den Witz erinnern. Beim Erzählen alles in die richtige Reihenfolge zu bringen ist auch nicht so leicht. «Dann fragt der Lehrer, und wer hat Amerika entdeckt?» Luka kichert vor Aufregung. «Alle rufen: Klein Dieter!» 

Lachen hilft

«Humor macht das Leben leichter», sagt Humor-Forscherin Jenny Hofmann. Denn Lachen löse nicht nur positive Emotionen aus. Auch negative würden gehemmt: Missgeschicke und die Welt an sich würden gelassener hingenommen. Als Oberassistentin am Psychologischen Institut der Universität Zürich forscht Hofmann insbesondere zu den Themen Humor und Lachen. «Humor hilft Sorgen, Stress und Konflikte zu bewältigen»,  sagt sie.
Humor hemmt negative Gefühle.
Humor hemmt negative Gefühle.
Gerade Kinder kommen so leichter durch den Alltag. Mit anderen Kontakt aufzunehmen oder Grenzen aufzuzeigen ist mit Scherzen einfacher. Selbst Aggressionen verpuffen.

«Für Kinder ist Humor vor allem Spiel. Spiel mit Ideen, Konzepten und der Umwelt», sagt die Humorexpertin. Kinder könnten zeigen, dass sie bekannte Konzepte kennen und wissen was «richtig» und «falsch» ist. Schulanfängern mache das besonders Spass. So verarbeiteten sie die Anspannung des ersten Schuljahres. Rätsel und Witze über dumme und gescheite Leute sind daher beliebt. 

Witze fördern die Sprachkompetenz

Humor kann aber noch viel mehr: Witze erzählen oder Wortspiele erfinden fördert die kognitive Entwicklung und Sprachkompetenz. Nehmen wir Luka: In seinem Alter beginnen Kinder zu verstehen, dass ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann. Diese Logik hält Einzug in der Humorentwicklung. Doch auch kurze Wortwitze wie: «Was macht sieben mal sieben? Ganz feinen Sand» sinngerecht wiederzugeben, ist anfangs schwer und will geübt sein. 
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Auch eher groteske und clowneske Dinge werden von Schulanfängern noch als witzig empfunden. In diesem Alter lachen sich Kinder zudem über unabsichtlich entstandene Schäden und Katastrophen schlapp. Ein Graus für viele Eltern. «Kein Grund sich schlecht zu fühlen», beruhigt Hofmann. «Schadenfreude ist eine der ältesten Humor-und Lachformen und eine von 16 positiven Emotionen.»

Hofmann betont, dass Schadenfreude auch gute Seiten haben kann: «Schadenfreude zu thematisieren kann Ungerechtigkeiten aufzeigen. Gerade bei Jungen ist sie oft gross und meist am grössten, wenn einem jemand unrecht getan hat, und dann dieser Person etwas widerfährt.» Man kann es auch als Chance sehen, Kindern Empathie näher zu bringen. 
Was macht sieben mal sieben? Ganz feinen Sand.
Erwachsenen fällt es generell oft schwer, den Humor von Kindern zu verstehen. Viele Witze lösen gerade mal ein müdes Lächeln aus. «Humor ist eine Frage des Alters. Primarschüler verstehen und wertschätzen nicht die gleiche Art von Humor wie Sekundarschülerinnen und -schüler oder Erwachsene», weiss Hofmann.

Selbst bei Primarschülern gibt es Unterschiede. Bei «Witze-Anfängern» geht meist die Pointe beim Erzählen unter - so heftig bringt sie allein schon der Akt des Witzerzählens zum Lachen. Insbesondere Buben vergessen die Pointe auch einfach. Mädchen sind da versierter. 

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