Cybermobbing: Unser Thema im September
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Cybermobbing: Unser Thema im September

Lesedauer: 2 Minuten

Fertigmachen rund um die Uhr: Was die Hetze im Netz bei den Betroffenen auslöst und wie man richtig darauf reagiert. Chefredaktor Nik Niethammer stellt Ihnen das Dossier Cybermobbing und weitere Themen der September-Ausgabe vor, die am Mittwoch, 30. August 2023, erscheint. Sie können das Heft auch online bestellen.

Text: Nik Niethammer
Bild: Mara Truog / 13 Photo

Was der 20-jährige Marco Ribeiro unserer Autorin erzählt hat, ist schwer zu ertragen. «Ich wurde beleidigt, gedemütigt, schikaniert. Von der 1. Klasse bis zur 3. Oberstufe. Erst auf dem Pausenplatz, dann im Internet. Dreimal war ich kurz davor, mir das Leben zu nehmen.»

Das vorliegende Dossier meiner Kollegin Mirjam Oertli handelt von Cybermobbing. Oft lassen sich Mobbing und Cybermobbing nicht voneinander trennen. Wird ein Jugendlicher auf dem Schulweg verprügelt und dabei gefilmt, landet das Video später auf Tiktok oder Snapchat. «Wer ‹nur› offline gemobbt wird, hat wenigstens im geschützten Zuhause Verschnaufpausen», schreibt Oertli. «Cybermobbing dagegen bedeutet Dauerbelastung und Dauerstress während 24 Stunden.»

Untersuchungen zeigen: Mobbing unter Kindern und Jugendlichen findet meist im Umfeld der Schule statt oder beginnt dort – also an einem realen Ort. Einem Ort, wo Menschen in nicht freiwillig gewählten Gruppen zusammenkommen. Umso wichtiger ist eine intakte Klassengemeinschaft, in der mit Konflikten offen und souverän umgegangen wird.

«In einer gut geführten Klasse gibt es weniger Mobbing», schreibt Joachim Bauer, Psychotherapeut und Buchautor («Lob der Schule»), in einem Text für Klicksafe.de, eine Plattform, die sich im Auftrag der EU für die Förderung der Medienkompetenz einsetzt. Aber was ist gute Klassenführung? Und was bedeutet das für die Lehrerinnen und Lehrer?

Was offline verboten ist, ist es auch online. Dazu zählen arge Beleidigungen, Drohungen, Erpressung und die Verbreitung von Unwahrheiten.

Joachim Zahn, Medienpädagoge von Zischtig.ch

«Das Geheimnis guter Erziehung – und damit auch guter Klassenführung – ist ein Sowohl-als-auch: Die Balance zwischen Einfühlung und Führung bildet das Kernstück der pädagogischen Beziehung. Um Heranwachsende führen zu können, brauchen Lehrkräfte einen guten Bezug zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Sie brauchen Kompetenzen in der Gesprächsführung und Wissen zu Themen wie Bindung, Motivation und Empathie. Und sie brauchen ein kluges Konfliktmanagement, das einen professionellen Umgang mit Mobbing gewährleistet.»

Wie reagieren Eltern richtig, wenn ihr Kind im Netz gemobbt wird? Ist Cybermobbing strafbar? Welches sind die gesundheitlichen Folgen und wo erhalte ich Rat und Hilfe? Das erfahren Sie in unserem Dossier.

Die aktuelle Ausgabe können Sie hier bestellen.

Irgendwie schaffte es Marco Ribeiro durch diese schlimme Zeit und schloss die Schule ab. «Was ich danach erlebte, war ein Kulturschock. Es jagte mir Angst ein, dass in der Lehre alle so nett waren. Erst mit der Zeit konnte ich akzeptieren, dass man mich anscheinend mag.» Was der Bündner erlebte, als er seine Peiniger bei der Polizei anzeigen wollte, lesen Sie hier.

Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre – und dass Ihr Kind nicht ausgegrenzt wird.

Herzlichst, Ihr
Nik Niethammer

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Nik Niethammer

Nik Niethammer
ist seit 2014 Chefredaktor von Fritz+Fränzi. Er ist Vater eines Sohnes und einer Tochter und lebt in Zürich und in Freiburg im Breisgau.

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