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Immer blass und ständig müde

Lesedauer: 6 Minuten

Vier bis acht Prozent aller Jugendlichen hierzulande leiden an Eisenmangel. Zu den typischen Beschwerden zählen Blässe, Abgeschlagenheit und Konzentrationsprobleme. Welche schul- und komplementärmedizinischen Therapien helfen.

Text: Anja Lang
Bild: Adobe Stock

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Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das der Körper vor allem für die Blutbildung sowie den Transport von Sauerstoff aus der Atemluft zu den Organen benötigt. Fehlt das Eisen im Blut führt dies unter anderem zu Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Auch Kinder und Jugendliche können von Eisenmangel betroffen sein. 

Typische Symptome, die auf Eisenmangel hindeuten können:

  • Blässe
  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Haarausfall
  • eingerissene Mundwinkel
  • brüchige Fingernägel
  • Kurzatmigkeit

Lesen Sie im vollständigen Artikel, warum besonders Teenager gefährdet sind, welche Lebensmittel die Eisenaufnahme hemmen und warum Vitamin C sie begünstigt.

«Ich bin heute echt zu schlapp fürs Training», jammert Jonas. Diesen Satz hört die Mutter des gross gewachsenen 13-Jährigen in letzter Zeit immer öfter. Sie macht sich Sorgen. Denn normalerweise ist Jonas sehr aktiv und vom Fussballspielen nicht abzuhalten. «Jonas hat Eisenmangel», stellt der Kinderarzt nach eingehender Untersuchung fest. Übermässig viel Eistee und Milchgetränke haben bei Jonas die Eisenaufnahme ausgebremst.

Der Körper verliert täglich kleine Mengen Blut

Eisen ist ein lebenswichtiges Spuren­element, das der Körper vor allem für die Blutbildung sowie den Transport von Sauerstoff aus der Atemluft zu den Organen benötigt. Ausserdem ist Eisen an bestimmten Enzym­funktionen im Körper beteiligt. «Da der Körper Eisen nicht selbst bilden kann, muss das Spurenelement regelmässig über die Nahrung aufgenommen werden», erklärt Markus Schmugge, leitender Arzt und pädiatrischer Hämato-Onkologe am Universitäts-Kinderspital Zürich. «Der grösste Teil des Eisens im Körper ist im Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, sowie im Myoglobin, dem roten Muskelfarbstoff, enthalten.» Für «schlechte» Zeiten speichert der Körper ausserdem einen kleinen Teil an Eisen in Leber, Milz und Knochenmark, wo es an den Proteinkomplex Ferritin gebunden ist. Über abgestorbene Zellen, Stuhl, Urin und Blutungen verliert der Körper täglich kleine Mengen an Eisen. Eine ausgewogene Ernährung gleicht diesen Verlust aber normalerweise wieder aus.

Typische Symptome, die auf Eisenmangel hindeuten können

  • Blässe
  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Haarausfall
  • eingerissene Mundwinkel
  • brüchige Fingernägel
  • Kurzatmigkeit
Lesen Sie auf den folgenden Seiten warum besonders Teenager gefährdet sind, welche Lebensmittel die Eisenaufnahme hemmen und warum Vitamin C sie begünstigt.

Teenager sind besonders gefährdet, in ein Eisendefizit zu rutschen

In starken Wachstumsphasen wie der Pubertät ist der Eisenbedarf jedoch erhöht. Neben dem Längenwachstum nehmen bei Jungen innerhalb kurzer Zeit auch Muskulatur und Blutvolumen zu. Mädchen verlieren über die einsetzende Periodenblutung zusätzlich Eisen. Jugendliche sind deshalb besonders gefährdet, in ein Defizit zu rutschen. Vor allem, wenn sie bei der Ernährung auf Fastfood setzen oder einseitige Diäten ausprobieren. «Längere Flöckli-Diäten zum Beispiel können die Eisenbilanz drücken», betont Schmugge. «Da die im Getreide enthaltene Phytinsäure die Eisenaufnahme im Darm behindert.»

Vegetarische und insbesondere vegane Ernährungsformen ­können einen Eisenmangel ­begünstigen.

Auch vegetarische und insbesondere vegane Ernährungsformen können einen Eisenmangel begünstigen. «Denn in Pflanzen enthaltenes Eisen kann vom Körper schlechter verwertet werden als Eisen aus tierischen Nahrungsquellen», sagt der Zürcher Hämatologe. «Wissen sollte man auch, dass Unverträglichkeiten wie etwa eine Zöliakie einen Eisenmangel verursachen können.» Auch verschiedene Krankheiten wie Magengeschwüre mit versteckten Magen-Darm-Blutungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder auch ein Parasitenbefall können hinter der Mangelerkrankung stecken.

Ein Eisenmangel entsteht immer schleichend. «Kommt es zur Schieflage, greift der Körper zuerst auf ­seine angelegten Eisenspeicher zurück», erklärt Schmugge. «Sinken die Werte hier unter ein bestimmtes Niveau, spricht man von einem latenten Eisenmangel.» Zu den typischen Anzeichen zählen Müdigkeit, verminderte Ausdauer und Konzentrationsprobleme. Diese Symptome können bei Jugendlichen natürlich auch zahlreiche andere Ursachen haben. «Wenn aber selbst liebgewonnene Hobbys über längere Zeit vernachlässigt werden, sollten Eltern hellhörig werden», rät der Hämatologe. Sind die Reserven erschöpft und der Eisennachschub bleibt weiterhin aus, entsteht eine Eisenmangelanämie. «Die roten Blutzellen werden jetzt kleiner als normal ausgebildet und enthalten weniger Hämoglobin», erklärt Schmugge. «Dadurch werden die Körperzellen zunehmend schlechter versorgt.» Diese Form des Eisenmangels ist seltener. Neben Leistungsaball und Blässe drohen jetzt auch Haarausfall, eingerissene Mundwinkel – eventuell auch Kurzatmigkeit und erhöhte Infektanfälligkeit. Eine Auswertung von Daten der KiGGS-Studie 2011, einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, zeigte zudem schlechtere Schulleistungen bei anämischen gegenüber gesunden Kindern.

Ein funktioneller Eisenmangel schliesslich liegt vor, wenn es zur Blutarmut kommt, obwohl die Eisenspeicher gut gefüllt sind. «In diesem Fall ist der Körper nicht in der Lage, das angebotene Eisen zu verwerten», betont der Experte für Bluterkrankungen. «Ursache hierfür sind meist chronische Krankheiten wie Rheuma oder auch Darmkrankheiten.»

Zunächst geht es darum, die Ursachen zu beheben

Um Ausmass und Form des Eisenmangels richtig zu diagnostizieren, müssen also viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. «Im Patientengespräch werden dazu die genauen Symptome, die Ernährungssituation sowie eventuell bestehende Vorerkrankungen abgefragt», sagt Schmugge. «Bei der anschliessenden Blutuntersuchung werden sämtliche Veränderungen im Blutbild betrachtet. Der Ferritinwert als Messlatte für den Füllstand der Eisenspeicher ist dabei nur einer von vielen Parametern.»

Einige Lebensmittel wie ­Rotwein, Schwarztee oder Milchprodukte binden Eisen im Darm und hemmen die Eisenaufnahme.

Bei der Therapie des Eisenmangels geht es im ersten Schritt darum, die Ursachen zu beheben. «Wenn Vorerkrankungen bestehen, müssen diese fachgerecht therapiert werden», betont der Eisenmangel-Experte. «Deutlich häufiger sind aber Ernährungsfehler die Wurzel des Übels.» Dazu muss man wissen, dass der Körper nur etwa 10 Prozent des Eisens aus der Nahrung tatsächlich verwerten kann. Gerade in Phasen von erhöhtem Eisenbedarf sollten eisenreiche Nahrungsmittel deshalb aktiv in den Speiseplan aufgenommen werden.

Eisenräuber nicht zusammen mit Eisenspendern verzehren

Als besonders gute Eisenspender gelten Leber und rotes Fleisch. «Das darin enthaltene Eisen liegt als sogenanntes Häm-Eisen in dreiwertiger Form vor und kann vom Körper besonders gut verwertet werden», betont Markus Schmugge. «Aber auch pflanzliche Lebensmittel wie Soja, Hirse, Bohnen und Haferflocken enthalten viel Eisen.» Allerdings kann das zweiwertige Eisen aus Pflanzen vom Körper deutlich schlechter aufgenommen werden. «Hier kann Vitamin C helfen, da es die Aufnahme von Eisen in den Körper fördert», empfiehlt der Zürcher Kinderarzt. «Eisenreiche Lebensmittel sollten deshalb mit Orangensaft oder auch roter Paprika kombiniert werden.» Einige Lebensmittel dagegen binden Eisen im Darm und hemmen damit die Eisenaufnahme. «Dazu zählen Tannine, vor allem in Schwarztee oder auch in Rotwein, grosse Eiweissmoleküle in Kuhmilch und Milchprodukten oder auch Oxalsäure in Spinat und Rhabarber», so Schmugge. «Solche Eisenräuber sollten deshalb möglichst nicht zusammen mit Eisenspendern verzehrt werden.»

Eisen zum Schlucken oder per Infusion

Eisenmedikamente verordnet, um die bestehenden Defizite rasch und zuverlässig auszugleichen. «Zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen bevorzugen wir Eisenpräparate, die täglich über mehrere Wochen geschluckt werden», sagt der Kinderarzt. «Diese Form der Eisentherapie ist zwar etwas mühsam, aber nie gefährlich.» Allerdings können lästige Nebenwirkungen wie Blähungen und Verstopfung auftreten. «Ich rate deshalb, bei der Einnahme viel zu trinken», sagt Markus Schmugge.

«Alternativ kann bei Nebenwirkungen auch auf andere Präparate wie Kapseln oder Sirup in niedrigerer Dosierung gewechselt werden, die besser verträglich sind.» Ist die Eisenaufnahme über den Darm nicht möglich oder liegt eine besonders schwere Form von Eisenmangelanämie vor, kann auch eine Eisentherapie per Infusion erfolgen. «Eine Eiseninfusion sollte bei ­Minderjährigen immer die Ausnahme sein und möglichst von einem darauf spezialisierten Kinderarzt begleitet werden», betont der Hämatologe. «Denn die Gabe hoher Eisenmengen direkt ins Blut wirkt zwar deutlich schneller als Tabletten oder Tropfen, kann in seltenen Fällen aber auch zu schweren allergischen Reaktionen oder Eisenüberladung führen.»

Wenig bis gar keine Nebenwirkungen versprechen dagegen Therapieverfahren aus dem Bereich der Komplementärmedizin. Sie können bei leichten Formen von Eisenmangel oder auch begleitend zur konventionellen Therapie angewendet werden. «Anders als in der Schulmedizin wird das fehlende Eisen hier nicht ersetzt, sondern der ­Körper vielmehr dazu angeregt, das angebotene Eisen besser zu verwerten», erklärt Renato Kaiser, Mediziner und Vorstandsmitglied der Naturärztevereinigung der Schweiz (NVS). «Phytotherapeutisch können dazu Tees oder Säfte aus den Blättern blutbildender Pflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel oder Beeren getrunken werden.» Bestimmte darin enthaltene Stoffe können ­helfen, die Eisenaufnahme zu verbessern. «Innerhalb der Spagyrik wird die dreimonatige Einnahme von besonders aufbereiteten Eisentropfen morgens sowie Kupfertropfen abends als Eisentherapie empfohlen», erklärt Kaiser. «In der Homöopathie gilt Ferrum phosphoricum D12 als Klassiker gegen Eisenmangel.»

Kassenpflicht für Eiseninfusionen auf der Kippe

In der Schweiz werden Eiseninfusionen zur Behandlung von «Eisenmangel im Frühstadium (IDS)» seit über 20 Jahren von der Grundversicherung bezahlt. Ein IDS liegt laut Swiss Iron Health Organisation (SIHO) vor, wenn Symptome von Eisenmangel auftreten und der Ferritinwert als Messgrösse für den Füllstand des Speichereisens unter 50 ng/ml liegt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht dagegen erst ab einem Wert unter 15 ng/ml Handlungsbedarf. Da in letzter Zeit insbesondere durch die Versicherer vermehrt Zweifel und Kritik am Sinn der stark zunehmenden Zahl an Eiseninfusionen aufgekommen sind, lässt das Bundesamt für Gesundheit die Eisen­infusionstherapie derzeit umfassend prüfen. In der Folge könnte die Kostenübernahme neu geregelt werden.

Anja Lang
Anja Lang ist langjährige Medizinjournalistin. Sie ist Mutter von drei Kindern und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

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