Die finanzielle Situation für Familien verschärft sich weiter
Merken
Drucken

Die finanzielle Situation für Familien verschärft sich weiter

Lesedauer: 3 Minuten

Wie geht es Familien in der Schweiz? Die Lage ist angespannt, sagt das Familienbarometer 2024. Die Studie untersucht, was Familien bewegt. Besonders finanzielle Probleme bereiten grosses Kopfzerbrechen. Die steigenden Gesundheitskosten, Mieten und die Inflation setzen Haushaltsbudgets noch mehr unter Druck als im Vorjahr.

Text: Redaktion Fritz+Fränzi
Bild: Adobe Stock

Vielen Familien in der Schweiz bleibt Ende des Monats kaum mehr Geld. Eine Situation, die sich im Vergleich zum Vorjahr nochmals verschärft hat. Zu diesem Schluss kommt das Familienbarometer 2024. Mit der jährlich erhobenen Umfrage fühlen die Versicherungsgesellschaft Pax und Pro Familia Schweiz Familien den Puls.

Die weiterhin steigenden Preise treffen Familien hart. So reicht für 52 Prozent das Einkommen nur knapp oder gar nicht. Besonders die finanzielle Situation bei Familien in der Westschweiz und im Tessin ist häufig angespannt. Die Gesundheit und die damit verbundenen Ausgaben bereiten den Befragten die grössten Sorgen, gefolgt von Mietkosten, Bildung und der Inflation.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird erschwert, wenn die passenden Rahmenbedingungen nicht gegeben sind.

Philippe Gnaegi, Direktor von Pro Familia Schweiz

Gerade Geringverdienende geraten oft in eine Negativspirale: Je geringer das Einkommen, umso stärker die finanziellen Herausforderungen für Familien. Zudem zeigen die Ergebnisse über alle Regionen hinweg, dass nicht nur Familien mit tieferem Einkommen, sondern auch solche aus der Mittelschicht mit einem knapperen Budget haushalten müssen. Aus finanziellen Gründen verzichten Familien zuerst auf Ferien, dann auf Restaurantbesuche. Auf Platz drei folgen Freizeitaktivitäten wie Ausflüge, Kino oder Museumsbesuche.

Weniger Kinder wegen steigender Kosten

Rund jede zweite Familie (49 Prozent) überlegt sich deshalb, das Arbeitspensum zu erhöhen. Die angespannte finanzielle Lage beeinflusst auch die Familienplanung. Für vier von zehn Familien sind die Kosten sogar ein Grund, keine weiteren Kinder zu bekommen.

«Die zweite Ausgabe des Familienbarometers zeigt, dass die angespannte finanzielle Situation der Familien zunehmend Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des Familienlebens und das Verhalten hat, sagt Philippe Gnaegi, Direktor von Pro Familia Schweiz.

Philippe Gnaegi ist Ökonom, Direktor von Pro Familia Schweiz und arbeitet als Dozent an der Uni Freiburg. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. (Bild: zVg)

Das bedeutet zum Beispiel auch Folgendes: Für Mütter und Väter, die mehr arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen, wird es noch schwieriger, Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen unter einen Hut zu bringen. Auch ist der Anteil von Familien, die ihr Kind nicht extern betreuen lassen, von 37 Prozent auf 50 Prozent angestiegen. Es liegt gemäss der Studie der Schluss nahe, dass sich viele Mütter und Väter nicht mehr leisten können, ihr Kind etwa in die Kita zu geben.

Zufrieden mit Familienleben trotz trüber Zukunftsaussichten

Auch wenn 79 Prozent davon ausgehen, dass sich ihre Situation in den nächsten drei Jahren verschlechtern wird, gibt es auch Positives zu berichten. Trotz der finanziellen Herausforderungen sind die befragten Familien mit ihrem eigenen Familienleben insgesamt leicht zufriedener als im Vorjahr.

Auf einen Blick: Die wichtigsten Aussagen

  • Geldthemen rücken noch stärker in den Fokus

Finanzielle Probleme belasten Familien in der Schweiz noch stärker als im Vorjahr. Am meisten beschäftigen sie die Krankenkassenprämien, gefolgt von der Inflation. Die Themen Gesundheit sowie Klimawandel und Umweltschutz haben dagegen an Relevanz eingebüsst.

  • Die finanzielle Situation von Familien verschärft sich

Für mehr als die Hälfte (52 Prozent) reicht das Einkommen nur knapp oder gar nicht. Im Vorjahr betrug der Wert immerhin erst 47 Prozent. Der Anteil von Familien, die angeben, gar kein Geld (30 Prozent) oder höchstens 500 Franken pro Monat (37 Prozent) sparen zu können, nahm zu.

  • Unterschiede zwischen Romandie, Tessin und Deutschschweiz

Die finanzielle Situation ist bei Familien in der Westschweiz und im Tessin angespannter als in der Deutschschweiz. Zudem zeigen die Ergebnisse über alle Regionen hinweg, dass nicht nur Familien mit tieferen Einkommen, sondern auch jene aus der Mittelschicht weniger Geld in der Kasse haben.

  • Mehr Unterstützung aus Politik gewünscht

Die Befragten wünschen sich von der Familienpolitik, dass sie die Kosten der Krankenkassenprämien reduziert und Familien finanziell unterstützt.

  • Kostendruck verhindert Familienwachstum

Für vier von zehn Familien ist das noch teurer gewordene Leben in der Schweiz ein Grund, keine weiteren Kinder zu bekommen.

Familienbarometer 2024 herunterladen

Der vollständige Bericht «Schweizer Familienbarometer 2024 – Was Familien in der Schweiz bewegt» ist unter familienbarometer.ch abrufbar.

  • Die Hälfte der Familien möchte Arbeitspensum aufstocken

Rund die Hälfte (49 Prozent) denkt darüber nach, den Beschäftigungsgrad zu erhöhen, um ihr Familieneinkommen zu sichern oder zu erhöhen. Bei 35 Prozent der Befragten spielt ein Elternteil mit dem Gedanken, mehr zu arbeiten, bei 14 Prozent sind es beide Elternteile.

  • Zufriedenheit mit dem Familienleben bleibt hoch, Erwartungen an die Zukunft pessimistisch

Vier von fünf Familien in der Schweiz sind mit ihrem aktuellen Familienleben zufrieden, was ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen zur künftigen Entwicklung der Situation für Familien in der Schweiz stark eingetrübt: 79 Prozent der Befragten rechnen über die nächsten drei Jahre mit einer Verschlechterung.

  • Die Mehrheit ist zufrieden mit der Vereinbarkeit

63 Prozent sind mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben zufrieden – gleich viele wie im Vorjahr. 65 Prozent beurteilen die vom Arbeitgeber ergriffenen Massnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie als positiv. Weiter verbessern liesse sich die Vereinbarkeit durch flexiblere Arbeitszeiten und Homeoffice.

  • Mehr Eltern betreuen Kinder aus Kostengründen zuhause

Der Anteil von Familien, die keine externe Kinderbetreuung in Anspruch nehmen, ist von 37 Prozent auf 50 Prozent angestiegen, was gemäss Studie mit den damit verbundenen Kosten zusammenhängen könnte. 

Familienbarometer

Das Familienbarometer von Pax und Pro Familia Schweiz wurde 2023 lanciert mit dem Ziel, die Lebensrealität von Familien in der Schweiz sowie deren Wandel über die Zeit abzubilden.

Für die zweite Ausgabe des Schweizer Familienbarometers haben Pax und Pro Familia Schweiz im Zeitraum vom 8. November bis zum 18. November 2023 insgesamt 2123 Familien in allen Landesteilen der Schweiz über ein Online-Panel befragt. Bei der Auswahl der Teilnehmenden gab es keine Vorgaben oder Einschränkungen hinsichtlich Familienkonstellationen. Das Familienbarometer erscheint jährlich.

www.profamilia.ch
www.pax.ch

Mehr zum Thema Vereinbarkeit

Putzen: Wir sind nicht ganz sauber!
Blog
Ordnung ist das halbe Leben? Nicht bei uns
Unser Kolumnist Christian Käser versucht seit Jahren, sich gute Strategien zum Putzen anzueignen. Aber es will einfach nicht so richtig klappen.
Elternbildung
So bilden Eltern ein starkes Team
Eltern sehen sich mit unzähligen Erwartungen und Aufgaben konfrontiert. Eine faire Aufgabenteilung hilft, Erschöpfung und Frust vorzubeugen.
Globi erobert nun endlich auch die Toniebox.
Advertorial
Globi, jetzt auch bei tonies®
Globi erobert nun endlich auch die Toniebox. Ab Juli erzählt er den Kindern Geschichten – natürlich auf Schwyzerdütsch.
Fritz+Fränzi-Mitarbeiterinnen erzählen, was sie als Frau geprägt hat.
Redaktionsblog
Was mich als Frau wachgerüttelt hat
Fritz+Fränzi-Mitarbeiterinnen erzählen, was sie als Frau zum Thema Gleichberechtigung, Vereinbarkeit oder Körperbild geprägt hat.
Geld
«Unverheiratete Mütter gehen grosse ­Risiken ein»
In einer Studie hat die Swiss Life den Gender Pension Gap untersucht. Andreas Christen erklärt, wie Mütter sich besser absichern können.
Kommunikation in der Familie: Mehr Zeit für Gespräche
Erziehung
«Ich geniesse es, jetzt mehr Zeit für Gespräche zu haben»
Arbeiten in Zürich, wohnen im Engadin. So bewusst wie dieser Entscheid, so aktiv sei auch die familiäre Kommunikation, sagt Mutter Mona.
Familienleben
Väter würden gerne weniger arbeiten
Die Swiss Life untersucht in einer Studie die Gender Pension Gap in der Schweiz. Unverheiratete Mütter sind in Sachen Vorsorge oft im Nachteil. Und: Väter arbeiten mehr, als sie eigentlich gerne würden.
Welt
Blog
Zwei Welten – eine Not
Die Welt einer Profisportlerin und die Welt einer Mama sind grundverschieden. Doch wenn man hinter die Fassaden schaut, kommen Gemeinsamkeiten zum Vorschein.
Kita-Kosten
Familienleben
Kita-Kosten bestrafen erwerbstätige Eltern
Die Kita-Kosten in der Schweiz sind viel zu hoch und belasten viele Familien. Eine Petition von Allianz F soll dies ändern.
Zwischen Kinder und bedürftigen Eltern
Elternblog
Zwischen Kindern und bedürftigen Eltern
Was tun, wenn die Eltern bedürftig werden? Das geht oft schleichend und trifft unsere Bloggerin in einer ohnehin fordernden Lebensphase.
Stefanie Rietzler
Blog
Kann ich es hier eigentlich niemandem recht machen?
Viele Eltern stehen heute unter hohem Druck. Es tut gut, zu wissen, welche Ansprüche aus dem eigenen Umfeld man getrost über Bord werfen kann.
Familienleben
«Ich fühle mich oft zwischen Kindern und Karriere zerrissen»
Musikerin Jaël über Mental Load, ihre Perfektionsansprüche, einen sexuellen Übergriff und warum sich Eltern ihren Altlasten stellen sollten.
Es ist völlig okay zu sagen: Mir ist es zu viel!
Erziehung
«Es ist völlig okay zu sagen: Mir ist es zu viel!»
«Es ist völlig okay zu sagen: Mir ist es zu viel!» Elterncoach Sandra Schwendener sagt, wie Mütter und Väter es schaffen können, ihre eigenen Kräfte richtig einzuschätzen, bevor sie ausbrennen.
Elternbildung
Elternstress: «Wir haben alle oft zu viele Bälle in der Luft»
Psychologin und Zweifachmutter Larissa Hauser findet, man müsse sich in stressigen Phasen bewusst entscheiden: Was lasse ich sein, um wieder mehr Kontrolle zu erhalten?
Familienleben
Wie können Eltern besser mit Stress im Alltag umgehen?
Viele Eltern fühlen sich im Alltag mit seinen unendlichen To-do-Listen permanent gestresst und gehetzt. Woran liegt das? Und vor allem: Wie kommen wir da wieder raus?
Elternstress: Unser Thema im März
Fritz+Fränzi
Elternstress: Unser Thema im März
Warum sich immer mehr Väter und Mütter überlastet fühlen – und wie sie einem Ausbrennen vorbeugen können.
Monatsinterview mit Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort Februar 2023
Gesellschaft
«Man kann die Persönlichkeit eines Kindes nicht verändern»
Psychiater Michael Schulte-Markwort über ­gestresste Mütter, ambitionierte Väter und Kinder, die sich in der Pubertät der Welt verweigern.
Warum Auszeiten für Mütter so wichtig sind
Elternblog
Warum Auszeiten für Mütter so wichtig sind
Erwerbstätige Mütter sind im Familienalltag besonders gefordert. Unsere Bloggerin Valerie Wendenburg nimmt sich daher bewusst Auszeiten.
Wie kann der Mental Load besser verteilt werden?
Erziehung
Wie kann der Mental Load besser verteilt werden?
Teilen Sie sich als Eltern die Kinderbetreuung auf und sind Sie beide erwerbstätig? Und trotzdem haben Sie das Gefühl, dass zuhause alles an Ihnen hängen bleibt?
Elternbildung
Wie gelingt eine gute Vater-Sohn-Beziehung? 
Väter sind für Söhne massgeblich in der Identitätsbildung und prägen die Handhabung aggressiver Gefühle.
Elternbildung
Wie gelingt eine gute Mutter-Tochter-Beziehung? 
Mütter prägen ihre Töchter ein Leben lang. Wie stark ist ihr Einfluss und was macht eine gute Mutter-Tochter-Beziehung wirklich aus?
Stefanie Rietzler
Elternblog
Warum ich allen Eltern eine Laura wünsche
Mit der Mutterschaft ändert sich vieles. Und das Glück wie die Sorgen mit einer echten Freundin teilen zu können, erhält einen unschätzbaren Wert. Ein offener Brief.
Fabian Grolimund Kolumnist
Blog
Liebe Väter, ich bin sauer!
Nur wenige Männer machen vom Vaterschaftsurlaub ­Gebrauch. Haben Väter noch immer nicht kapiert, wie wichtig sie für ihre ­Kinder sind?
Stefanie Rietzler
Elternblog
Wie Eltern sich als Paar wieder näher kommen
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kostet Kraft – da wird oft an der Beziehung gespart, schreibt Stefanie Rietzler. Doch es geht auch anders.
Elternblog
«Wir sollten den Muttertag abschaffen»
Mama ist die Beste! «Die Botschaft hinter dem Muttertag ist haarsträubend», schreibt Fritz+Fränzi-Redaktorin Maria Ryser. Sie möchte den Muttertag lieber durch den Tag der Familie ersetzen.