«Du gehst jetzt raus, bis du dich wieder beruhigt hast»

Oft sind Kinder so gefangen in ihrer Wut, dass sie andere mit ihren Ausrastern ängstigen. Viele Eltern und Lehrpersonen verordnen dem tobenden Kind dann eine «Auszeit». Dabei wäre es förderlicher, sich in das Kind hineinzufühlen und ihm zu helfen, seine Wut in Worte zu fassen.
Die Augen des Mädchens verengen sich zu Schlitzen. «Wenn du mir noch einmal so eine schwierige Aufgabe gibst … dann … dann!» Mit einem Knall schmettert sie ihr Wasserglas auf die Tischplatte.

Die Drittklässlerin ist zu einer Diagnostiksitzung bei mir. Noch vor einer Viertelstunde haben wir vergnügt Uno gespielt, nun scheint die Luft zu knistern. «Dir wird gerade alles zu viel», sage ich. Tränen steigen ihr in die Augen. «ICH. HASSE. AUFGABEN. LÖSEN», schreit sie. Mit einem Satz springt das Mädchen auf, wischt das Material vom Tisch und stürzt sich in die Puppenecke.

Immer wieder erzählen mir Eltern und Lehrpersonen von ähnlichen Situationen, von Kindern und Jugendlichen, die bei vermeintlichen «Kleinigkeiten in die Luft gehen und ausrasten» und «überhaupt nicht mit Frust umgehen können». Und immer wieder wird in solchen Situationen ein einfaches Erziehungsmittel propagiert: die Auszeit (Time-out).

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