Eltern-Burnout: Was tun, wenn Eltern nicht mehr können? Mit Selbsttest
Psychologie

Eltern-Burnout: Am Ende ihrer Kräfte

Völlig erschöpft und ausgebrannt: Für manche Väter und Mütter wird das Elternsein zur Qual. Fehlt ihnen die nötige Unterstützung, droht das Burnout. Mit Selbsttest zum Download.
Text: Moïra Mikolajczak und Isabelle Roskam
Als Judith nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, setzt sie direkt den sechsjährigen Theo in die Badewanne und beginnt zu kochen. Ihre Mutter ist heute zu Besuch und wird mit ihnen zu Abend essen. Eine Viertelstunde später bittet die 37-jährige Mutter ihren Sohn, aus dem Bad zu kommen und sich ein Pyjama anzuziehen. Aber er weigert sich. Sie lässt ihm weitere fünf Minuten, doch auch dann will er nicht. 

Sie versucht, ihn zu überzeugen. Sie verstehe, dass er weiter baden möchte, aber es sei schon spät, das Essen fast fertig, und wenn er länger aufbleibe, werde er am nächsten Morgen müde sein. Es nützt nichts. Im Gegenteil, auch Theo ist nun ungehalten und wirft ihr vor: «Nie lässt du mir in der Badewanne Zeit zum Spielen!» Judith ärgert sich, wird laut. Schliesslich holt sie ihren Sohn mit Gewalt aus dem Wasser. 

Online-Dossier Burnout

<div><strong>Burnout</strong>: Wenn Eltern erschöpft und ausgebrannt sind. Doch auch Kinder und Jugendliche sind immer mehr betroffen. Ursachen, Symptome und Wege aus der Krise, lesen Sie in unserem <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/burnout"><strong>Online-Dossier «Burnout</strong>.</a></div>
Burnout: Wenn Eltern erschöpft und ausgebrannt sind. Doch auch Kinder und Jugendliche sind immer mehr betroffen. Ursachen, Symptome und Wege aus der Krise, lesen Sie in unserem Online-Dossier «Burnout.

Theo fängt an zu weinen, und ihre Mutter kommentiert: «Zu meiner Zeit hätte es so etwas nicht gegeben. Da haben Kinder noch gehorcht!» Judith fühlt sich wie eine Versagerin. Sie schläft schlecht, quält sich  mit Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Weshalb kann sie sich nicht durchsetzen? Warum machen es ihr die Kinder so schwer? Ihre Teenager-Tochter tut ohnehin nur, was sie will, und seitdem ihr Mann beruflich viel im Ausland unterwegs ist, muss auch Theo stets seinen Dickkopf durchsetzen.

Im Alltag weiss sie häufig weder ein noch aus. Sie fühlt sich erschöpft und leer. Immer öfter wünscht sie sich, woanders zu sein, alles hinter sich zu lassen. Sie hat keine Freude mehr daran, sich um ihre Kinder zu kümmern. Leidet Judith an einem Burnout? 
 Auch Väter und Mütter 
von Kindern, die bereits 30 sind, können ein Eltern-Burnout erleiden.
Psychologen verwendeten den Begriff Burnout erstmals Ende der 1960er-Jahre, um die Folgen von chronischem Stress bei der Arbeit zu beschreiben. Die Forschung zeigte, dass vor allem jene Menschen davon betroffen waren, die sich beruflich um andere kümmerten, etwa in der Pflege von Alten und Kranken.

Typische Kennzeichen waren Erschöpfung, Gleichgültigkeit, geringe Leistungsfähigkeit sowie sinkende Identifikation mit der Arbeit. Meist traf es gerade jene, die sich zuvor am stärksten engagiert hatten.

In den 80er-Jahren erwogen einige Wissenschaftler erstmals, dass auch Eltern unter einem Burnout leiden können. Allerdings untersuchten sie zunächst nur Mütter und Väter von chronisch kranken Kindern und liessen die Allgemeinheit weitgehend unbeachtet. Diese Lücke wollen wir Forscherinnen und Forscher vom Psychological Sciences Research Institut der Université Catholique de Louvain in Belgien mit unserer Arbeit schliessen. 
Das Idealbild der Familie und seine Folgen – zu viel Einsatz, Perfektionismus – tragen entscheidend zum elterlichen Burnout bei. 
Das Idealbild der Familie und seine Folgen – zu viel Einsatz, Perfektionismus – tragen entscheidend zum elterlichen Burnout bei. 
Seit dem Jahr 2011 begleiten wir 3000 Eltern. In dieser Zeit stellten wir fest, dass die charakteristischen Symptome eines Burnouts in allen Arten von Familien auftreten können. Nicht nur die Erkrankung eines Kindes ist ein Risikofaktor, sondern auch mangelnde Fähigkeiten im Umgang mit Stress, die Trennung vom Partner und das Fehlen von Freunden, denen man sich anvertrauen kann.

In Frankreich leiden nach unseren jüngsten Erhebungen fünf Prozent der Mütter oder Väter unter einem elterlichen Burnout, und weitere acht Prozent tragen ein erhöhtes Risiko, im Lauf des folgenden Jahres daran zu erkranken. Das heisst: 13 Prozent quält ihr Elterndasein.

Mit dem sogenannten Baby-Blues hat das nichts zu tun: Er beruht auf hormonellen Schwankungen in den ersten Tagen nach der Geburt. Ein Burnout-Syndrom kann unabhängig davon einsetzen, egal wie alt die Kinder gerade sind; auch Eltern von Teenagern können betroffen sein und selbst jene, deren Nachwuchs bereits 30 Jahre alt ist, wie unsere Erhebung zeigt. Von einer Depression unterscheidet es sich insofern, als die Lustlosigkeit nur das Familienleben und die Erziehung der Kinder betrifft.
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5 Kommentare

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Von Beate am 19.12.2019 21:26

Hallo, ich habe drei erwachsene Söhne und eine Tochter im Teenageralter. Ich selbst arbeite körperlich 3-6 Std. am Tag . Leider habe ich ständig Gelenkprobleme. Und ich fühle mich, als ob ich versagt habe. Wir haben es nicht hinbekommen, dass die Kinder im Haushalt regelmässig helfen. Zwei wohnen noch zuhause, aber die Arbeit bleibt an mir hängen oder sie wird gar nicht getan. Am liebsten würde ich die meiste Zeit des Tages im Bett verbringen. Decke über den Kopf und nichts mehr denken. Neulich habe ich einen Schaden in der Wohnung verursacht durch Unachtsamkeit und ich fühlte mich wie am Boden zerstört. Meine Tochter muss ich an die banalsten Kleinigkeiten erinnern, sonst passiert einfach nichts. Unser Sohn kauft wenigstens ab und zu für die Familie ein. Mein Mann hat öfters Nachtschicht, tagsüber muss er schlafen. Und ich fühle mich total kraftlos .Wie komme ich da nur raus? Bitte sagt jetzt nicht, einfach Aufgaben verteilen, dann bist du entlastet. Wurde alles schon gemacht, aber von selber denkt niemand dran, da seine Pflichten zu erfüllen. Ich weiss , es hört sich furchtbar an

Von Fritz+Fränzi Redaktion am 24.12.2019 13:10

Liebe Beate, wir haben Ihren Kommentar soeben veröffentlicht. Ihre Zeilen schmerzen uns und wir hoffen, dass Sie während der Weihnachtszeit etwas Ablenkung finden. Wenn Sie ein Ohr zum Zuhören und Unterstützung brauchen, finden Sie Hilfe beim Elternnotruf: www.elternnotruf.ch / 0848 35 45 55 (Festnetztarif) Mit besten Grüssen und guten Wünschen aus der Redaktion

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Von jasmin am 26.10.2019 12:16

ja ich leide auch unter eltern burnout. meine gerade erwachsene tochter macht mich so kaputt, dass ich am liebsten tot wäre. ich kann das einfach nicht mehr ertragen, was sie macht. ich bin nur noch frustriert, ausgelaugt, energielos, deprimiert, am weinen

Von Pathem am 21.11.2019 21:35

Liebe jasmin
Deine Situation kann ich sehr gut verstehen. Ich bin selbst Mutter von 3 Jungs und leide aucht unter Burnout. Ich habe mir als Lösung zur Entspannung die Mediation gefunden (ich bete wieder und es tut mir sehr gut). Vielleicht musst du auch eine Entspannungsmethode für dich finden, die dir gut tut. Musik hören, Bücher lesen, Sport machen... aber irgendetwas was dich von dem Stress ablenkt. Du musst etwas für dich tun, damit es dir besser geht und du wieder Kraft hast. Wenn ich richtig verstehe, ist deine Tochter im Pubertätsalter. Falls ja, da kann ich dir nur raten, mehr über die Entwicklung und die Auswirkungen der Veränderungen im Körper zu lesen. Es wird dir leichter fallen zu verstehen, wieso deine Tochter so reagiert, in manchen Fällen merkt man als Eltern leider spät, dass man mit der falschen Angehensweise die Situation nur verschärft. Ich hoffe, dass du eine Lösung gefunden hast, die dich beruhigt.
Liebe Grüsse
Pathem

Von Fritz+Fränzi Redaktion am 28.10.2019 09:10

Liebe Jasmin, wir haben Ihren Kommentar soeben veröffentlicht. Ihre Worte tun uns beim Lesen weh und wir hoffen sehr, dass Sie die nötige Unterstützung haben. Sie können uns gerne eine Nachricht schicken an online(at)redaktion.ch, wenn wir Ihnen gute Adressen schicken können. Mit besten Grüssen aus der Redaktion

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