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Ernährung

Igitt, Fastfood!

Burger, Pizza und Eistee: Viele Kinder und Jugendliche mögen das, was Erwachsene zur Verzweiflung bringt. Die Ernährungsexpertin Marianne Botta kennt Tipps und Tricks, wie man Fastfood ein bisschen unattraktiver machen kann. 
Text: Claudia Landolt

Frau Botta, Teenager lieben Fastfood. Kann man ihnen das abgewöhnen?

Die Frage lautet: Haben sie Junkfood wirklich gern oder gehen sie nur zum Schnellimbiss, weil ihre Kollegen das auch tun? Meiner Er­fahrung nach möchten viele Jugendliche gesund essen, aber das Geld dazu nicht ausgeben – weil sie lieber für eine neue Jeans oder ein Game sparen. Denn ein Salat kostet selbst beim Fastfood-­Markt­führer mehr als ein Burger. Wenn es am Geld liegt, gibt es eine Mög­lichkeit, die bei meinen Kindern gut funktioniert: Ich gebe ihnen Essensgeld, damit sie sich gesund verpflegen – gegen eine Quittung. So sehe ich, was sie gegessen haben. Liegt es eher an der Peer­group, dann sollte man versuchen, mit den Kids ins Gesprächzu kom­men. Was bedeutet es dir, mittags ins Schnellrestaurant zu gehen? Warum findest du es fein? Können wir etwas zu Hause tun, um unser Essen aufzuwerten?

Gerade in der Pubertät ist es sinnlos, sich wegen gesundem Essen in die Haare zu geraten. Gegen Kollegen hat man keinen Stich. Besser, man holt die Kinder ins Boot und bezieht sie mit ein. Was auch funktioniert, ist die Wissensschiene. Ihnen zu erklä­ren, was Hamburger, Hotdogs und Donuts mit ihrem Körper machen – selbst wenn es «nur» Pickel, Fett­röllchen oder Cellulitis sind. Glau­ben Sie mir, kein Teenager möch­te dick sein oder Cellulite haben.
Marianne Botta ist Lebensmittelwissenschaftlerin und Fachlehrerin. Sie hat sich auf Ernährungswissenschaften spezialisiert, arbeitet als Fachjournalistin für verschiedene Publikationen und hat mehrere Bücher geschrieben, unter anderem über Kinderernährung (www.mbfit.ch). Sie ist Mutter von 8 Kindern zwischen 7 und 21 Jahren und kocht und isst täglich mit ihrer Familie. Bild: zVg
Marianne Botta ist Lebensmittelwissenschaftlerin und Fachlehrerin. Sie hat sich auf Ernährungswissenschaften spezialisiert, arbeitet als Fachjournalistin für verschiedene Publikationen und hat mehrere Bücher geschrieben, unter anderem über Kinderernährung (www.mbfit.ch). Sie ist Mutter von 8 Kindern zwischen 7 und 21 Jahren und kocht und isst täglich mit ihrer Familie. Bild: zVg
«Was auch funktioniert, ist die Wissensschiene.»
Marianne Botta, Lebensmittelwissenschaftlerin

Nach der Schule haben viele Kinder Hunger. Wie verhindere ich, dass sie zu Chips und Co. greifen?

Grössere Kinder mögen es, wenn man ihnen Verantwortung über­gibt und Zusammenhänge auf­ zeigt, zum Beispiel indem man sagt: «Probier doch das mal aus und schau, wie es dir geht.» Oder wenn man ihnen erklärt, dass nach einem Schoggistengeli der Blut­zuckerspiegel sofort wieder absinkt und sich ein Hungergefühl einstellt. Sind Kinder allein zu Hause, essen sie gerne vor dem TV oder am Handy. Das verhindert aber, dass sich ein Sättigungsgefühl ein­stellt. Am besten ist, man stellt ein vorbereitetes Znüni oder Zvieri hin oder in den Kühlschrank. Das kann auch mit dem Namen des Kindes angeschrieben sein.

Sie schlagen vor, dass jedes Familienmitglied drei bis fünf Lebensmittel abwählen darf, die es nicht probieren oder essen muss. 

Schreiben Sie auch für sich selbst eine Liste. Sie haben auch das Recht, nichts zu probieren. Das ergibt lustige Situationen, wenn Ihre Kinder Sie dann doch davon überzeugen möchten, etwas zu probieren. Dieses Listensystem funktioniert aber nur, bis Kinder in die Pubertät kommen. Der Geschmackssinn wird in den ersten zehn bis zwölf Lebensjahren trai­niert, danach ist alles spannend, was die Eltern auf die Palme bringt – also zickiges Essverhalten. In der Regel normalisiert sich das später wieder.

Problematisch wird es, wenn der Teenager jüngere Ge­schwister hat. Dessen Verhalten am Tisch färbt auf die Jüngeren ab: Macht der grosse Bruder Theater ums Gemüse, werden es seine Ge­schwister auch tun. Bei uns gibt es folgende Regel: Wenn das grosse Kind etwas nicht mag oder nicht essen will, soll das diskret geschehen, denn es hat eine Vorbildfunk­tion. Das klappt gut.
«Grosse Geschwister haben eine Vorbildfunktion.»
Marianne Botta ist Mutter von acht Kindern.

Was, wenn Kinder heimlich naschen?

Sackgeld gibt Kindern die Mög­lichkeit, ungeliebtes Essen zu um­ gehen, indem sie sich am Kiosk etwas zum Naschen kaufen und es dann im Zimmer verstecken. Dann sollte man darauf bestehen, dass nur am Tisch gegessen wird. Grössere Kinder können beispiels­weise Lebensmittel, die sie gern essen und die man mit ihnen aus­gehandelt hat, in einer Box in der Küche aufbewahren. So stellt man sicher, dass sie nicht wahllos irgendetwas essen. Oder man geht die Sache offensiv an: Wenn die Kinder wirklich ganz grosse Lust auf etwas haben, kann man es zusammen kaufen und gemein­sam essen. Selbst wenn es drei Pack Fasnachtschüechli sind.
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Soll man Süsses verbieten? 

Verschiedene Studien zeigen, dass Kinder Lebensmittel, die ihnen verboten oder vorenthalten wur­den, besonders interessant finden. Kinder, denen Süssigkeiten verbo­ten wurden, greifen später lieber, häufiger und am meisten zu Süs­sigkeiten. Besser ist es, man han­delt etwas aus. Etwa: Eine Süssig­keit pro Tag ist in Ordnung, ein Mal pro Monat Fastfood auch. 

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