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Kindergarten

Wie viel Medien ist bei Kleinkindern erlaubt?

Und plötzlich will der Fünfjährige ein Computerspiel spielen. Das stellt unsere Autorin vor die komplizierte Frage: Brauchen Kleinkinder Medien? Wie viel ist zu viel? 
Text: Claudia Landolt
Bild: Carla Kogelmann
Rumms! Der Fünfährige ist zu Hause. Voller Elan wirft er zuerst die Türe ins Schloss, dann die Kindergartentasche und den Leuchtstreifen auf die Bank. Ein kurzes «Hoi Mama!», dann kommt der Hammersatz: «Mama, chani Minecraft?» Mir kippt die Kinnlade runter. «Wie kommst du denn da drauf?», frage ich. «Von Moritz, der darf das JEDEN Tag», kräht er. Willkommen zu Hause, seufze ich innerlich, und bin ein wenig ratlos. Ich denke: «Jetzt fang bitte du nicht auch noch damit an, deine älteren Brüder reichen mir diesbezüglich.»
18 Prozent der Acht- und Neunjährigen verfügten 2016 über ein Smartphone.
Abends tue ich das, was Eltern immer tun, wenn sie etwas nicht wissen: Sie fragen Google. Im Netz stosse ich auf eine neue Umfrage aus Deutschland. Sie besagt, dass immer mehr Kinder schon im Primarschulalter ein eigenes Handy besitzen: 18 Prozent der Acht- und Neunjährigen verfügten 2016 über ein Smartphone. Zwei Jahre zuvor waren es erst 10 Prozent. Bei den Sechs- und Siebenjährigen stieg die Zahl binnen zwei Jahren von 2 auf 4 Prozent. Das geht aus der KIM-Studie hervor, der Basisstudie zum Medienumgang der 6- bis 13-Jährigen in Deutschland.

Medienpädagogen haben Hochkonjunktur

Zahlen, die nachdenklich stimmen. Und Medienpädagogen sowie Experten zu gefragten Personen machen, die uns Eltern Tipps geben, ob, wann, wie lange und wofür Kinder Medien nutzen dürfen. «Angebote wie Kurse, Broschüren und Webseiten zum Thema schiessen wie Pilze aus dem Boden, die Zahl der Ratschläge und Regeln wächst mit der Zahl der Möglichkeiten, die neue Medien mitbringen», schrieb 2015 das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi im Dossier Medien. Auf der Webseite des nationalen Medienkompetenzprogramms «Jugend und Medien» sind aktuell 521 Beratungsangebote in der Schweiz aufgelistet. 521 Angebote bedeuten 521 Möglichkeiten – doch Vielfalt ist nicht gerade das, was Eltern in solchen Momenten suchen. Sie wollen Eindeutigkeit.

Orientierung bietet die Regel «3/6/9/12». Diese Richtlinie wurde von Experten des Informationsportals «Jugend und Medien» ausgearbeitet. Sie bedeutet: kein Bildschirm vor 3, keine eigene Spielkonsole vor 6 Jahren, kein Internet vor 9 Jahren und kein unbeaufsichtigtes Internet vor 12 Jahren. Andere Experten wie etwa die deutsche Medienratgeberseite schau-hin.info empfehlen: Jüngere Kinder bis 5 Jahre sollten nicht länger als eine halbe Stunde, ältere Kinder bis 9 Jahre nicht länger als eine Stunde täglich vor dem Bildschirm verbringen.

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