Medienkompetenz – praktisch vermittelt
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Medienkompetenz – praktisch vermittelt

Lesedauer: 2 Minuten

In der Schule finden immer wieder spannende Projekte statt. Medial begleitet werden diese selten. Dabei böten sie ein breites Lernfeld.

Text: Michael In Albon
Bild: iStockphoto

In Zusammenarbeit mit Swisscom

Es ist ein Ritual, das Gene­rationen von Schulkin­dern kennen: das Klas­senfoto. Doch anders als zu früheren Zeiten braucht es dafür heute die Einwil­ligung der Eltern. Meist wird diese anhand eines knapp gehaltenen For­mulars abgefragt. Die Unterschrift ist schnell gegeben oder verweigert, je nach persönlicher Präferenz der Eltern. Die meisten Schulen bezie­hungsweise Gemeinden und Kan­tone, welche die Aufsicht ausüben, raten ausserdem generell zu äussers­ter Zurückhaltung, wenn es um Bil­der von Schülerinnen und Schülern beispielsweise auf Webseiten geht. Das rechtliche Eis ist dünn, die Pro­blematik nicht zu unterschätzen.

Kinderbilder im Internet sind heikel, keine Frage. Doch dieses Thema mit einem schlichten For­mular abzuhandeln und den mög­lichen Folgen aus dem Weg zu gehen, ist eine verpasste Gelegen­heit. Denn an vielen Schulen gibt es zahlreiche Projekte, die auch in Sachen Medienerziehung genutzt werden könnten.

Eltern würden nicht nur physisch vor Ort, sondern auch digital gerne teilhaben an interessanten Projektwochen oder Ausflügen.

Projektwochen, Ausflüge oder interessante Experimente prägen den Alltag von Lehrpersonen und Lernenden. An diesen würden Eltern nicht nur physisch vor Ort, sondern auch digital durch Bild­ und Videomaterial gerne teilhaben. Doch das ist mit restriktiven und eindimensionalen Vorschriften fast unmöglich. Zielführender wäre es demnach, wenn das Thema Kom­munikation und Medienkompetenz von Anfang an in ein solches Projekt integriert würde.

Medienkompetenz im Unterricht anwenden

Stellen wir uns vor: Eine Klasse hat einen Arbeitseinsatz, beispielsweise einen Wanderweg ausbessern. Die­ser Einsatz wird von einem Blog oder von einer eigens kreierten Website begleitet. In der Vorberei­tung diskutiert man darüber:

  • Wie solche Inhalte aussehen müssen, damit sie rechtlich konform sind.
  • Wie man Menschen spannend fotografiert, ohne dass Gesichter erkennbar sind.
  • Welche Fotos für die Abgebilde­ten akzeptabel sind und welche sie der Lächerlichkeit preisgeben.
  • In welchen Fällen man eine Bewilligung für die Veröffentlichung braucht und vom wem.
  • Wer diese Arbeit übernimmt und wie man mit Ablehnung um­geht.
  • Wie lange eine Website online ist, wann sie gelöscht wird und was anschliessend mit den Bildern ge­schieht.

So wird aus einem müden For­mular plötzlich spannender, prakti­scher und lehrreicher Unterricht. Die Kinder machen sich konkrete Gedanken darüber, was passiert, wenn sie selbst in einer peinlichen Situation abgebildet werden. Oder wie ihr Recht am eigenen Bild aus­sieht. Ein Projekt, in dem normaler­weise nur Schaufel und Pickel geschwungen werden, dient so auch der Weiterbildung in Sachen Medi­enkompetenz. Und im besten Fall profitiert die Schule sogar noch von einem sympathischen PR­-Effekt.

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swisscom.ch/campus

Michael In Albon
ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte Medienkompetenz von Swisscom.

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