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Elternbildung

Kampfzone Elternbett

Der Schlaf – oder besser gesagt: zu wenig davon – ist in fast ­allen Familien immer wieder ein Thema. Wie sollen Eltern damit umgehen, wenn die 5-jährige Tochter noch immer nicht durchschläft? Oder der 8-jährige Sohn Nacht für Nacht ins ­grosse Bett krabbelt?
Text: Fabian Grolimund
Illustration: Petra Dufkova / Die Illustratoren
«Papa! Bisschen Angst. Zu dir kommen!». Meine 3-jährige hat gerade ihre Monster-im-Zimmer-Phase. Irgendwann zwischen ein und drei Uhr morgens wacht sie auf und will zu mir ins Bett. Diese Situation ist wahrscheinlich den meisten Eltern vertraut. Doch wie soll man damit umgehen, wenn Kinder nicht im eigenen Bett schlafen möchten?

Die Antwort darauf muss sehr persönlich ausfallen, weil sie den Bedürfnissen der gesamten Familie soweit wie möglich Rechnung tragen sollte. Zuerst ist jedoch festzuhalten, dass die Vorstellung, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer haben und dort in seinem eigenen Bett schlafen soll, relativ neu ist. Unsere Vorfahren hätten ihre Kleinen wohl kaum in einer separaten Höhle oder einem eigenen Zelt untergebracht. Und bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Häuser so klein und die Kinder so zahlreich, dass meist mehrere Familienmitglieder in einem Bett oder zumindest in einem Zimmer schliefen.

Für viele Kinder ist das Elternbett ein Zufluchtsort. Die Eltern bieten Schutz, Geborgenheit und Nähe. Das ist gerade in der Nacht, in der sich in der Fantasie der Kinder draussen die Wölfe, Räuber, Gespenster und Monster herumtreiben, für viele Kinder besonders wichtig. Dass dieser Schutz heute von abschliessbaren Türen, Fenstern mit Doppelverglasung und eventuell sogar einer Alarmanlage übernommen wird, ist für Kinder ein schwacher Trost. 

Auch viele Erwachsene schlafen nicht gerne allein

Auch bei den älteren Kindern ist die Nacht die Zeit der Sorgen. Der Streit mit der Freundin, die Angst vor der anstehenden Prüfung: Alles drängt sich auf, sobald es dunkel wird und man mit seinen Gedanken alleine ist. Manchmal sind es besondere Ereignisse, Phasen oder Gedanken, die Kinder, die schon lange alleine schlafen, plötzlich wieder ins Elternbett kommen lassen: «Gell, Mami, du stirbst aber noch lange nicht?» Sogar viele Erwachsene sagen von sich: Wenn der Partner oder die Partnerin ein paar Tage weg ist, habe ich Mühe einzuschlafen.
Für viele Kinder ist das Elternbett ein Zufluchtsort. Die Eltern bieten Schutz, Geborgenheit und Nähe. 
Wenn es um Themen wie den Schlaf geht, stellen Eltern oft die Frage, was normal sei. In welchem Alter sollten Kinder durchschlafen? Wie lange muss ein Kind in welchem Alter schlafen? Bis zu welchem Alter darf ein Kind noch ins Elternbett kommen?

Ein Interessenskonflikt

Konkrete Antworten darauf gibt es nicht – auch wenn von Fachleuten immer wieder Normen propagiert werden. Kinder sind unterschiedlich. Manche schlafen mit zwei Monaten durch, andere wachen noch mit fünf Jahren fünfmal pro Nacht auf.

Mit der Frage, wie das eigene Kind sein sollte, kommt man meist nicht weit. Man gerät höchstens unter Druck, wenn andere Eltern erzählen, wie reibungslos bei ihnen alles klappt, oder wenn der Kinderarzt meint: «Ein Kind ist mit sechs Monaten in der Lage durchzuschlafen». Je mehr wir das Gefühl haben, einer Norm entsprechen zu müssen, desto gestresster werden wir und desto schwieriger wird es mit dem Schlaf.

Wichtiger ist die Frage, wie das eigene Kind ist, welche Bedürfnisse man als Eltern hat und was es braucht, damit es allen in der Familie gut geht.

Beim Schlaf geraten die Bedürfnisse der Eltern oft mit denjenigen der Kinder in Konflikt. Die Eltern wissen: Wenn ich nicht gut schlafe, bin ich morgen müde und gereizt. 
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2 Kommentare

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Von Karin am 28.05.2018 21:21

Wir haben das „Problem“ ganz einfach gelöst. In unserem Schlafzimmer liegt eine zusätzliche Madratze auf dem Boden. Wann immer unsere Tochter Alpträume oder Ängste hat, weiss sie, dass sie ganz einfach zu uns ins Zimmer schleichen darf und sich da hinlegen kann.
Oftmals wachen wir kaum auf, oder schlummern sofort wieder ein. Und unsere Tochter fühlt sich sicher und geborgen. Je älter sie wurde, desto weniger macht sie davon Gebrauch. Ich denke schon das Wissen darüber, dass sie die Möglichkeit für diese Flucht hat, gibt ihr Ruhe und Sicherheit.
Auf jeden Fall hat sie dies noch nie ausgenutzt.

Von Claudia am 29.05.2018 13:58

Wir haben zwei Kinder, mittlerweile 5 und 7 Jahre alt. Ich habe als Mutter drei Jahre schlecht geschlafen, mein Mann ebenfalls, wir können ganz schlecht beide wieder einschlafen.... Unseren Sohn haben wir früh ausquartiert das klappte so leidlich. Als unsere Tochter kam schlief sie von Beginn an bei uns im Bett. Es war viel ruhiger. Dann nach ein paar Monaten kam unser Sohn in den Kindergarten und bekam Alpträume. Da war mir klar- ich steh jetzt nicht jede Nacht wieder auf. Wir haben ein großes Schlafzimmer und haben kurzerhand zwei Gitterbetten reingestellt. Endlich schliefen alle vier richtig gut und die Kinder meistens auch durch. Als der Große fünf war haben sie selbst ins Kinderzimmer übersiedeln wollen. Und nach ein paar Monaten wollte jeder allein schlafen. Die kleine Maus kam dann wieder fast für ein Jahr jede Nacht zu uns, bis wir meinen Mann ausquartiert haben und dann schliefen wieder alle gut durch. Seit drei Monaten schlafen beide ruhig durch. Meistens. Ich möchte alle dazu ermutigen auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Es hat uns viele relativ ruhige Nächte beschert!!

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