«Kinder brauchen unsere Zuversicht» - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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«Kinder brauchen unsere Zuversicht»

Lesedauer: 8 Minuten

Das seelische Wohlbefinden gehört zu den meistdiskutierten Gesundheitsthemen. Wie geht es Kindern und Jugendlichen diesbezüglich? Sind sie heute anfälliger für psychische Probleme? Was hat es mit sogenannten Modediagnosen auf sich? Antworten hat Alain Di Gallo, Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Interview: Virginia Nolan
Bilder: Fabian Hugo/13 Photo / zVg

Herr Di Gallo, mit welchen Problemen kommen Heranwachsende zu Ihnen?

Die Bandbreite von psychischen Störungen ist gross. Vereinfacht gesagt unterscheiden wir zwischen internalisierenden, nach innen gerichteten Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen, unter denen Betroffene oft im Stillen leiden, und externalisierenden, nach aussen gerichteten Störungen wie etwa ADHS, die sich durch Hyperaktivität, Impulsivität, aggressives oder verweigerndes Verhalten äussern. Es gibt auch Krankheiten, auf die keine Kategorie eindeutig zutrifft, weil Betroffene ihre Bewältigungsstrategien sowohl nach innen als auch nach aussen richten. Das kann etwa bei Zwangs- oder Suchtstörungen der Fall sein.

Womit haben Sie es denn am häufigsten zu tun?

Mit Angststörungen, Depressionen und ADHS. Dabei ist jedes Störungsbild mit unterschiedlichen Ausprägungen verbunden. So können sich Angststörungen in Trennungs- und Nachtangst äussern, wie es bei Kleinkindern öfter der Fall ist, oder in Panikattacken und Phobien. Depressionen betreffen häufiger Jugendliche, sie können jedoch auch im Kindesalter auftreten. Kinder zeigen oft keine klassischen Symptome wie Antriebslosigkeit oder Traurigkeit, sondern reagieren subtiler, etwa mit Spielunlust oder Rückzug, was die Diagnostik anspruchsvoll macht. Ein grosser Teil unserer Arbeit betrifft ausserdem die psychosomatischen Störungen, die bei hohen emotionalen Belastungen auftreten. Dann werden psychische Reaktionen durch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Kraftlosigkeit, Schlafprobleme oder Essstörungen sichtbar.
Alain Di Gallo ist Chefarzt und Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Er ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Söhne.
Alain Di Gallo ist Chefarzt und Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Er ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Söhne.
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