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Psychologie

So wichtig sind Kinderfreundschaften

Freunde gehören zu einem erfüllten Kinderleben, erweitern den Horizont, geben Geborgenheit und Rückhalt. Doch warum sind Freundschaften für die kindliche Entwicklung so wichtig? Wie verändern sie sich im Laufe der Kindheit und was können Eltern tun, wenn sich ihr Sohn, ihre Tochter schwertut, anderen Kindern näherzukommen?
Texte: Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler 
Bilder: Kostas Maros / 13 Photo
Für Pu der Bär ist «ein Tag ohne einen Freund wie ein Topf ohne einen einzigen Tropfen Honig drin.» Die meisten Kinder und Jugendlichen würden ihm Recht geben.

Können Sie sich noch an Ihre erste Freundschaft erinnern? Besteht diese vielleicht noch immer? Mit wem haben Sie die grössten Abenteuer erlebt? Mit wem die kleinen und grossen Geheimnisse geteilt? 
In diesem Dossier möchten wir aufzeigen, warum Freundschaften für Kinder und Jugendliche und deren Entwicklung so bedeutsam sind, unter welchen Bedingungen es Buben und Mädchen mitunter schwerfallen kann, Freunde zu finden, und welche Aufgaben sich für uns Erwachsene daraus ergeben.

Schon sehr früh bilden Kinder ein erstes Konzept von Freundschaft aus und fangen oftmals bereits im Kleinkindalter an, andere Kinder als Freunde zu bezeichnen. Dabei spielen zwei Faktoren eine Rolle, die über das ganze Leben hinweg bedeutsam bleiben: die Häufigkeit, mit der man sich sieht, sowie gemeinsame Aktivitäten. 
Mit zunehmendem Alter gewinnen weitere Aspekte wie geteilte Interessen, gegenseitige Unterstützung und der persönliche Austausch an Bedeutung. Das gemeinsame Spiel bleibt aber lange Zeit das bestimmende Element. Das sehen auch der neunjährige Meo und der zehnjährige Thymian so: «Damit jemand ein Freund wird, muss man mit ihm spielen.»

Freundschaft heisst: dazugehören

In einer Freundschaft gewinnen Kinder nicht nur einen Spielgefährten, sondern auch einen Menschen, zu dem sie eine besondere Beziehung haben. Es ist aufregend und schön, wenn man erfahren darf, wie das Band zu einem anderen Menschen stärker wird, wie man einander gegenseitig wichtiger wird und sich Zugang zur Lebenswelt des jeweils anderen verschafft.
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Für die 14-jährige Kaja ist eine gute Freundin «jemand, bei dem ich so sein kann, wie ich bin». Über ihre enge Freundin Giulia sagt sie: «Ich kann mich auf sie verlassen und sie versteht mich immer – sie ist jemand, mit dem man ‹Pferde stehlen kann›.»
Bei Kinderfreundschaften sind zwei Faktoren besonders wichtig: die Häufigkeit, mit der man sich sieht, sowie gemeinsame Aktivitäten.
Als Eltern können wir die Freundschaften unserer Kinder unterstützen, indem wir darauf achten, dass sich die Freunde unserer Kinder bei uns zu Hause willkommen fühlen und einen Platz in unserem Leben erhalten. Wir erinnern uns an die vielen kleinen Privilegien, die wir bei den Eltern unserer Freunde besassen: Es ist etwas Besonderes, wenn man zum ersten Mal zum Abendessen bleiben oder übernachten darf, sogar zu einem Familienausflug oder Familienfest eingeladen wird. 

Freundschaft heisst: sich abgrenzen

Sehr früh taucht bei Freundschaften ein Aspekt auf, der vielen Eltern Bauchschmerzen bereitet: Kinder machen deutlich, wer nicht dazugehört. Freundschaftsarmbänder, Begrüssungsrituale, Spitznamen, die nur die engsten Freunde verwenden dürfen, oder Geheimsprachen stärken das Wir-Gefühl und grenzen die Freundschaft gleichzeitig nach aussen ab. Auch Gemeinsamkeiten werden besonders betont. So schätzt Lou-Anne, 10, an ihren besten Freundinnen besonders, dass diese «genauso verrückte Hühner» sind wie sie selbst.
Spitznamen, Freundschaftsbändchen, Begrüssungsrituale: Kinder machen sehr früh deutlich, wer dazugehört. Und wer nicht.
Während Buben eher zu Cliquenfreundschaften mit fliessenden Grenzen neigen, haben Exklusivität und unbedingte Loyalität für Mädchen oft einen deutlich höheren Stellenwert. Mädchen können meist sehr klar benennen, wer ihre BFF, best friend forever, ist – eine Bezeichnung, die diesen Anspruch deutlich macht. 
Giulia und Kaja kennen sich von klein auf. Was die 14-Jährigen verbindet, sind vor allem ihre Hobbys: Sie machen beide Akrobatik, lieben Zirkus und gehen zusammen reiten. In «Wir werden oft gefragt, ob wir Schwestern sind!» erzählen sie und weitere Kinder von ihren Freundschaften.
Giulia und Kaja kennen sich von klein auf. Was die 14-Jährigen verbindet, sind vor allem ihre Hobbys: Sie machen beide Akrobatik, lieben Zirkus und gehen zusammen reiten. In «Wir werden oft gefragt, ob wir Schwestern sind!» erzählen sie und weitere Kinder von ihren Freundschaften.
Bereits im Kindergarten können Kinder auf erstaunlich subtile und teilweise sehr gemeine Art verdeutlichen, wer in der Beziehungshierarchie wo steht. Eine Kindergärtnerin erzählte uns von drei Mädchen, die gemeinsam am Tisch sassen und Perlenketten aufzogen. Plötzlich meinte das eine Mädchen zu ihrer Freundin: «Wir sitzen vis-à-vis!» Das dritte Mädchen am Tisch, das Anschluss suchte, versuchte sich mit einem «Ich sitze auch mit euch am Tisch» einzubringen. Mit einem verächtlichen Blick entgegnete das erste Mädchen: «Ja, aber wir sitzen vis-à-vis und du sitzt nur so nebendran.»

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