Wie werde ich beliebt?
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«Wie kann ich beliebter werden?»

Lesedauer: 2 Minuten

Die neunjährige Jasmina ist unsicher, weil ihre Freundin Ballett tanzt und sehr beliebt ist. Sie bittet unsere Expertin Sarah Zanoni um Rat.

Text: Sarah Zanoni
Bild: Pexels

«Frag doch mal Sarah»

Meine Freundin prahlt immer damit, dass sie schon 5 Jahre ins Ballett geht. Ich glaube, ihre Familie ist ziemlich reich und sie ist überall beliebt. Ich selber gehe nur in den Schulsport Handball und bin etwas schüchtern. Wie kann ich auch beliebter werden?
Jasmina, 9

Liebe Jasmina
Du trainierst Handball – das ist ein intensiver Sport, der Schnelligkeit, Ausdauer und Teamgeist verlangt. Du kannst ganz schön stolz auf dich sein, dass du das machst! Ballett ist ebenfalls eine anspruchsvolle Sportart, einfach anders. Aber beides ist gleichwertig, da gibt es kein besser oder schlechter.

Deine Freundin hat vielleicht ein bisschen mehr Möglichkeiten, sich Hobbies auszuwählen, die sie toll findet, weil ihre Eltern mehr Geld haben. Aber deshalb heisst es noch lange nicht, dass du dir keine schöne Freizeit machen kannst. Auch mit weniger Budget kann man viele tolle Dinge unternehmen: mit Freundinnen abmachen, basteln, lesen, alte Klamotten upcyceln, Handlettering, Velo fahren, im Sommer in die Badi gehen und vieles mehr.

Ob man beliebt ist oder nicht, hat ganz viel damit zu tun, ob man selbstbewusst auftritt oder nicht. Und Kinder, die trendige Kleider, coole Sachen und teure Hobbies haben, haben oft ein gutes Selbstvertrauen – eben (leider) auch wegen dieser Dinge. Sie glauben, dass dies gut ankommt bei den anderen. Und weil sie dies glauben, wirken sie auch so selbstsicher. Darauf reagieren die anderen Kinder dann positiv. Aber das allein macht noch nicht einen Menschen aus, der beliebt ist.

Du sagst, dass deine Freundin beliebter sei als du. Aber ist das wirklich so wichtig?

Ich glaube, es geht vielmehr darum, ob man offen auf andere zugeht, öfters mal lacht und redet und bei Aktivitäten mitmacht. Ebenfalls beliebt sind Menschen, die hilfsbereit sind und auf die man sich verlassen kann. Doch was kann man tun, wenn man halt einfach eher schüchtern ist? Wenn man nicht weiss, was man in der Gruppe reden soll? Oder wenn man es nicht mag, sich in den Vordergrund zu stellen?

Als erstes ist es wichtig, dass du dir überlegst, wie du bist und wie du dich in der Klasse oder im Sportteam verhältst. Schreib es auf ein Blatt Papier, egal was es ist. Und dann schreib dazu: «Ich bin total okay!». Denn das bist du wirklich: du bist gut so, wie du bist! Denn es gibt ja Gründe, weshalb du so bist. Und Merkmale, wie zum Beispiel Schüchternheit, sind vererbt, also angeboren. Gut möglich, dass deine Mutter oder dein Vater auch schüchtern sind.

Oder hat es vielleicht andere Gründe? Wurde dir von anderen gesagt, dass du nicht cool seist? Solche fiesen Bemerkungen hinterlassen Spuren – man schafft es dann oft nicht mehr, einfach fröhlich und locker zu sein.

Du sagst, dass deine Freundin beliebter sei als du. Aber ist das wirklich so wichtig? Dass du mit ihr befreundet bist, zeigt mir, dass sie dich gerne mag. Egal, wie beliebt sie ist, sie will ja auch mit dir zusammen sein. Und das zählt! Ich bin mir fast sicher, dass du beliebter bist, als du selber vermutest. Vertrau bitte darauf, dass du ein tolles Mädchen bist.

Mein Tipp: Versuche, offen zu anderen zu sein (oder zu bleiben) und versteck dich nicht. Du hast keinen Grund dazu. Egal welches Hobby oder welche Sportart du machst. Bleib dich selber und vertrau darauf, dass es immer Menschen gibt, die dich besonders gerne mögen.

Frag doch mal Sarah

In unserer Rubrik «Frag doch mal Sarah» beantwortet Jugendcoach Sarah Zanoni Fragen von Kindern und Jugendlichen.

Hast du auch eine Frage, die du ihr gerne stellen würdest? Dann sende eine E-Mail an online@fritzundfraenzi.ch oder kontaktiere uns auf unseren Social-Media-Kanälen.

Jugencoach Sarah Zanoni

Sarah Zanoni
arbeitet als Jugendcoach mit Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen. Sie hält Vorträge und Seminare rund ums Thema Kind und Jugend und hat Bücher dazu publiziert. Mit dem 3-Schritte-Konzept «Verstehen-Fördern-Fordern» hat sie das Jugendcoaching vor rund 20 Jahren aufgebaut. Ihr Motto: «Nur wenn sich ein Kind wohlfühlt, kann es an seinen inneren und äusseren Themen arbeiten.» Sarah Zanoni ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und lebt im Kanton Aargau. Ihre Hobbys sind ihre Hunde, Krimis, Reisen und Schreiben.

Alle Texte von Sarah Zanoni

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