War früher wirklich alles besser?
Merken
Drucken

War früher wirklich alles besser?

Lesedauer: 1 Minuten

Wie lange sassen wir einst selbst vor TV und Radio? Um den Medienkonsum unserer Kinder zu verstehen, hilft ein Rückblick.

Text: Michael In Albon
Bild: Alamy Stock Photo

In Zusammenarbeit mit Swisscom

In Gesprächen mit Eltern – und zum Teil auch mit Experten – spüre ich immer wieder grosse Vorbehalte gegen den heutigen Medienkonsum von Minderjährigen. Das Handy sei zu dominant, es würde zu viel «Bullshit» konsumiert und das sei generell schädlich für die Entwicklung der Kinder. Ich stimme diesen Vorbehalten zum Teil sogar zu. Medienkompetenz und damit der verantwortungsbewusste und kritische Umgang mit Smartphones und allen Möglichkeiten, welche ­diese bieten, sind enorm wichtig.

Aber kürzlich fiel mir eine deutsche Studie von 1994 in die Hände, die mich doch nachdenklich machte – und etwas kritischer gegenüber der ­Rolle der Eltern in diesem Konflikt.

Wir erinnern uns: Stundenlange Telefongespräche konnten durchaus zu Spannungen in der Familie führen.

In den frühen 90er-Jahren, als viele heutige Eltern selbst Kinder waren, beherrschte das Fernsehen den Medienkonsum: Laut den Medienforschenden Walter Klingler und Karen Schönenberg entfielen in Deutschland von total 160 Minuten, die Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 13 Jahren täglich im Durchschnitt für Medienkonsum aufwendeten, fast zwei Drittel auf den TV-Konsum und 24 Prozent auf Hörmedien, der Rest ging ans Lesen.

Heute ist zwar der gesamte Medienkonsum angestiegen, er kann aber meiner Meinung nach nur bedingt mit den damaligen Zahlen verglichen werden. Das Telefon wurde beispielsweise nicht als Medium erfasst. Wir erinnern uns: Stundenlange Telefongespräche konnten durchaus zu Spannungen in der Familie führen.

Eltern verbrachten mehr Zeit vor dem Fernseher als ihre Kinder

Die Eltern von damals wurden auch gefragt, wie sie zu verschiedenen Betätigungen ihrer Kinder stünden. Positiv bewertet wurden das Lesen von Büchern, Basteln oder das Spielen draussen. Am anderen Ende der Skala stand das Schauen von Videos und Fernsehen. Hier äusserte eine Mehrheit der Eltern grosse Vorbehalte. Und jetzt kommts: Eltern verbrachten nach eigenen Angaben aber durchschnittlich mehr Zeit vor dem Fernseher als ihre Kinder.

Interaktive Lernmodule:

Auf Medienstark finden Sie Tipps und interaktive Lernmodule für den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag. swisscom.ch/medienstark

Heute haben Eltern ihre Handys immer griffbereit. Wir Kinder der 90er wuchsen also mit genau denselben Widersprüchen auf, mit denen unsere Kinder heute konfrontiert sind. Das gibt mir Zuversicht: Die heutige Elterngeneration ist ja durchaus lebensfähig, trotz intensivem TV-Konsum in der Kindheit. Aber es sollte uns auch daran erinnern, dass Kinder sich an Vorbildern orientieren. Nicht zuletzt an unserem Umgang mit dem Handy.

Michael In Albon
ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte Medienkompetenz von Swisscom.

Alle Artikel von Michael In Albon

Mehr zum Thema Medienkonsum:

Advertorial
Sattel-Hochstuckli – der Familienberg für Gross und Klein
Der Familienberg Sattel-Hochstuckli mitten in der Zentralschweiz bietet, was Kinder und Eltern glücklich macht.
24-04 Swisscom Medienkompetenz – praktisch vermittelt Michael Inalbon HG
Medien
Medienkompetenz – praktisch vermittelt
Spannende Schulprojekte werden selten medial begleitet. Dabei könnten Schülerinnen und Schüler viel über Medienkompetenz lernen.
2403 ich sehe toll aus im internet swisscom michael inalbon filter tiktok hg
Medien
Ich sehe super aus – im Netz
In den sozialen Medien wie Tiktok findet ein Schönheits-Wettrüsten statt. Wir müssen mit unserem Kind darüber reden, was das mit uns macht.
2402_freundschaft-geld-twitch-tiktok-swisscom-michael-inalbon-schweizerelternmagazin-fritzfraenzi
Medien
Freundschaft gegen Geld
In den sozialen Medien ist Beliebtheit käuflich. Für Jugendliche kann das verheerend sein – nicht nur finanziell.
Medien
«Was, wir auch? Aber … die Arbeit ruft!»
Damit handyfreie Zeiten in der Familie für alle ein Gewinn sind, müssen auch die Eltern ihr Smartphone beiseitelegen.
Medien
Nützliche Apps für die ganze Familie
Menüs planen, Termine abgleichen oder Ausflüge organisieren: Diese Apps erleichtern und bereichern den Familienalltag.
Erziehung
«Anstand ist das A und O»
Leila und Volkan Dogu sind ein höflicher Umgangston und Respekt gegenüber anderen Personen wichtig. Das erwarten sie auch von ihren Söhnen.
Thomas Feibel Medienexperte
Familienleben
Jugendliche und Medien: Wider die Verteufelung
Wie geht es Jugendlichen in der Schweiz im Umgang mit Smartphone und Internet, fragt eine Studie. Die Ergebnisse fallen überraschend positiv aus.
Medien
Eltern müssen Vorbild sein
Viele Eltern regeln pingelig den Medienkonsum ihrer Kinder – dabei sollten sie erst einmal ihr eigenes Verhalten hinterfragen.
KI ist ein Hilfsmittel kein Allerheilmittel
Mediennutzung
«KI ist ein Hilfsmittel, kein Allerheilmittel»
«KI ist ein Hilfsmittel, kein Allerheilmittel» Philippe Wampfler, Gymnasiallehrer und Medienexperte, lehrt seine Schülerinnen und Schüler einen kritischen Umgang mit digitalen Medien. Er sagt, wo die Schule an ihre Grenzen stösst und was mit der küns
Swisscom Klassenchat
Medien
10 goldene Regeln für den Klassenchat
Sich in der Schule über einen digitalen Klassenchat auszutauschen, kann eine wertvolle Übung sein.
Familienleben
«Kinder wollen mitreden können»
Sollen Eltern ihre Kinder vor der Flut an schlechten Nachrichten abschirmen? Bloss nicht, sagt Sozialwissenschaftlerin Gisela Unterweger.
Medien
Medienerziehung
Medien: 10 Fragen zu Handy, Tablet und PC
Ihr Kind von den digitalen Medien konsequent fernzuhalten, gelingt längst nicht mehr? Das ist völlig in Ordnung. Elektronische Medien gehören heute zum Alltag.
Elternbildung
Vortragszyklus Kosmos Kind: Alle Daten und Infos
Kosmos Kind: Expertinnen und Experten erklären wichtige Entwicklungsaspekte von Kindern und Jugendlichen – alltagsnah und verständlich.
Das erste Handy – Traum und Albtraum
Medien
Das erste Handy – Traum und Albtraum
Für viele Teenager geht mit dem ersten Handy ein grosser Wunsch in Erfüllung. Eltern sollten dabei aber einiges beachten.
Thomas Feibel Medienexperte
Medienerziehung
Smartwatches sorgen für neuen Ärger
Immer öfter tragen schon Primarschüler GPS-Uhren. Wie sollen Lehrpersonen damit umgehen und warum schaffen Eltern diese überhaupt an?
Das Ende der Hausaufgaben
Medien
Das Ende der Hausaufgaben?
Chat GPT erledigt Schreibaufgaben auf einen Klick. Was Kinder jetzt brauchen, ist kein Verbot, sondern innere Lernmotivation.
Medien
Spielen nach eigenen Regeln
Manche Kinder nutzen Games nicht nur zum Zeitvertreib, sondern programmieren sie um. Mit oft erstaunlich kreativen Resultaten.
Medien
Wenn Kinder mit Apps basteln
Auch im Umgang mit dem Handy kann sich die Kreativität von Kindern zeigen. Eltern sollten das nicht unterbinden, jedoch aufmerksam begleiten.
Elternbildung
Was tun, wenn das Kind ständig am Handy klebt?
Die 15-jährige Anna verbringt viel zu viel Zeit am Handy, finden ihre Eltern, die deshalb Rat beim Elternnotruf suchen.
Künstliche Intelligenz
Mediennutzung
Nie wieder selber einen Aufsatz schreiben?
Was sind die Chancen und Risiken von Chat GPT? Kann man den  Antworten des Textroboters blind vertrauen? 7 Fragen – 7 Antworten.
Elternbildung
Was tun, wenn der Freund des Sohnes ungefiltert im Netz surft?
Wie gefährlich sind Pornos für Teenager? Ein Elternpaar macht sich Sorgen, weil der beste Freund des Sohnes freien Zugang zum Internet hat.
Heikler Sex im Netz
Medien
Heikler Sex im Netz
Der Austausch erotischer Inhalte ist unter Teenagern fast normal. Was Eltern wie Kinder wissen und beachten sollten.
Medien
Digital Detox für die ganze Familie
Die ständige Erreichbarkeit setzt uns allen kräftig zu. Thomas Feibel erklärt, wieso digitale Auszeiten für Familien wichtig sind.
Medien
Der Shitstorm ums Fasnachtskostüm
Als Indianer verkleidete Kinder führen in den sozialen Medien zu erbitterten Diskussionen. Wie sollen Eltern in einem solchen Fall reagieren?