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Kindergarten

Das Smartphone als Babysitter?

Wie sieht der richtige Umgang mit digitalen Medien aus? Was taugen Verbote? Medienpädagogin Eveline Hipeli erklärt, was Eltern wissen sollten über den Medienkonsum ihrer Kinder.
Interview: Claudia Landolt
Bild: Pexels

Frau Hipeli, dürfen Kindergartenkinder mit neuen Medien in Kontakt kommen? 

Wir weisen als Medienpädagogen immer wieder darauf hin, dass Kinder vor Kindergarteneintritt keinen Nachteil gegenüber ihren Altersgenossen haben, wenn sie noch keine digitalen Medien benutzt haben. Die Realität in den Familien ist jedoch so, dass der grösste Teil aller Kindergartenkinder bereits im Vorschulalter die ersten Erfahrungen mit digitalen Medien macht: sei dies mit dem «Fernsehen» auf dem Tablet der Eltern, mit dem kurzen Spiel auf dem Smartphone von Papi in der Einkaufsschlange oder beim Anhören des Kasperli via Spotify. In einem Ein-Kind-Haushalt ist der Kontakt mit digitalen Medien sicher einfacher zu steuern. Je mehr Kinder unterschiedlichen Alters im Haushalt leben, desto schwieriger wird es. 

Was ist Ihre Empfehlung?

Eltern sollten sich grundsätzlich fragen: Wie soll mein Kind aufwachsen? Welche Medien spielen in unserem Haushalt eine Rolle? Welche Medien möchte ich meinem Kind zugänglich machen? Und welche nicht? Bin ich selbst ein einigermassen authentisches Vorbild als Elternteil? Um auf Ihre Ursprungsfrage zurückzukommen: Kindergartenkinder kommen bereits mit neuen Medien in Kontakt und ja, das dürfen sie auch. Idealerweise findet dieser Kontakt schrittweise, dosiert und vor allem begleitet statt.
«Ein Kind mit digitalen Medien ruhigzustellen, ist verführerisch»
Medienpädagogin Eveline Hipeli

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie im Tram oder Zug Kinder mit einem Smartphone sehen?

Für sie ist das Smartphone in solchen Situationen ein Ersatz für eine andere Tätigkeit (die man im Tram/Zug oder Bus eben gerade nicht ausüben kann). Oder ein Ersatz für Kommunikation (mit einem Gspänli, mit den Eltern, der Begleitperson). Als es noch keine Smartphones gab, hat man dem Kind einen Gameboy, ein Kinderheftli vom Kiosk oder einen Walkman in die Hand gedrückt – mit dem gleichen Ziel: das Kind in dem Moment zu unterhalten, Langeweile zu überbrücken.

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