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Familienleben

Aus zwei Kindern mach drei. Oder vier.

Immer mehr junge Menschen wünschen sich drei oder mehr Kinder. Noch klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander – doch es ist ein Trend weg vom Zweikindfamilien-Ideal auszumachen. Aus dem Leben zweier Grossfamilien. 
Text: Sandra Casalini
Bilder: Désirée Good / 13 Photo
Ich au! Das sind die beiden Worte, welche Lilani wohl am häufigsten ausspricht. Die Zweijährige will alles machen, was ihre drei älteren Brüder tun. Dass diese sieben bis zehn Jahre älter sind als sie, ist der Kleinen dabei herzlich egal. Eifrig klettert sie zu Lorin, 12, Nael, 11, und Andris, 9, in die Hängematte und quetscht sich zwischen sie. Die Buben kichern und geben mit den Füssen an, um hin- und herzuschaukeln. 
«Wenn Kinderbekommen ein rein rationaler Entscheid wäre, hätte niemand welche», sagt Vierfach-Mama Mara Jacob (vorne rechts). 
«Wenn Kinderbekommen ein rein rationaler Entscheid wäre, hätte niemand welche», sagt Vierfach-Mama Mara Jacob (vorne rechts). 
Klein Lilani tobt heute durch den Garten des Einfamilienhauses der Familie in Thalwil ZH – der Excel-Liste ihrer Eltern Mara und Andy Jacob zum Trotz. Auf dieser Liste – die mittlerweile zuvorderst in Lilanis Fotoalbum prangt – hielten ihre Eltern alles fest, was für und was gegen ein viertes Kind spricht. Und die Kontra-Spalte war bedeutend länger als die Pro-Spalte. 
Ein Viertel aller Kinderlosen in der Schweiz träumt von einer Familie mit mehr als zwei Kindern.
«Aber wenn Kinderbekommen ein rein rationaler Entscheid wäre, hätte niemand welche. Schlussendlich kam das Ja aus dem Herzen und dem Bauch», sagt Mara Jacob. Das war auch bei Familie Wolf aus St. Antönien GR so. Ohne Simon, mittlerweile 6 Jahre alt, habe sich die Familie nicht komplett angefühlt, sagt Christina Wolf. So bekamen Ramona, 12, und Mario, 10, als Primarschülerin beziehungsweise Kindergärtler nochmals einen Bruder. «Ich habe mich uuuuh gefreut!», sprudelt es aus Ramona heute noch heraus. «Sie wollte das Baby ständig herumtragen und wickeln. 
Man musste sie fast bremsen », erzählt Vater Hansandrea Wolf lachend. Für Wolfs ist jedenfalls klar: «Drei sind besser als zwei!» Mit drei oder gar vier Kindern sind die Wolfs und die Jacobs hierzulande zwar nach wie vor eher eine Ausnahme. Aber langsam lässt sich eine Trendwende beobachten. Zum einen geben immer mehr kinderlose junge Frauen und Männer an, von mehr als zwei Kindern zu träumen: 2015 waren es laut einer Umfrage des Bundesamtes für Statistik über ein Viertel von 17 000 befragten Personen. Zum anderen steigt die Geburtenrate der Drittkinder tatsächlich an – so waren es 2010 in der Schweiz 7,5 Prozent mehr als 2007. 
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