«Als Alleinerziehende muss ich mir Exklusivzeit für ein Kind organisieren» - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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«Als Alleinerziehende muss ich mir Exklusivzeit für ein Kind organisieren»

Lesedauer: 1 Minuten

Brigitte Müller hat zwei Söhne: Kian, 3, und Milo, 1. Die 41-Jährige ist alleinerziehend. Im Alltag kann die Physiotherapeutin manchmal nicht beiden Kindern gerecht ­werden, was zu Rivalität führt. Die Zürcherin hat sich aber vor der Geburt ihres zweiten Sohnes bei einem Kurs über den Umgang mit diesem Gefühl informiert.  

Aufgezeichnet von Julia Meyer-Hermann
Bild: Mara Truog / 13 Photo

«Ein bisschen Eifersucht gehört dazu. Das wollte ich auch nicht verhindern, als ich das Beratungsangebot von unserem Kinderarzt annahm. Ich wollte aber gerne wissen, worauf ich achten könnte, damit die Rivalität nicht eskaliert, und ob es Möglichkeiten gibt, um Kian den Start mit seinem Bruder zu erleichtern. Zur Geburt hat Kian also ein Geschenk von seinem Bruder bekommen: einen tollen Holzbagger. Darüber hat Kian sich sehr gefreut und dieses Mitbringsel positiv mit Milo verbunden. Ich habe im Folgenden auch darauf geachtet, dass Besuch nicht nur Augen für das Baby hat, sondern immer erst Kian begrüsst. Ausserdem habe ich etabliert, dass es zwei unterschiedliche Einschlafzeiten gibt. Ich bringe auch heute immer zuerst Milo ins Bett. Danach habe ich nochmals Exklusivzeit mit Kian. Wir räumen dann zusam­men auf, reden über den Tag und kuscheln ganz viel. Das wiegt vieles an kleinen Momenten im Alltag auf, in denen er als ­grösserer Bruder manchmal zurückstecken muss. Ich bin nun mal allein mit den beiden, ich kann mich nicht ­zweiteilen. Wenn ich Milo füttere, isst Kian zum Glück selbständig, anders geht es nicht.

Wenn die Kinder um meine Aufmerksamkeit kämpfen und eifersüchtig sind, funke ich manchmal SOS in die Nachbarwohnung.

Die Besuche beim Vater sind unregelmässig und nicht einplanbar. Ich habe also anderweitig nach Möglichkeiten gesucht, Zeitfenster zu organisieren, in denen ich mit einem Kind Mamazeit habe. Unsere Nachbarn sind ausgebildete Pflegeeltern. Sie haben von Anfang an angeboten, uns zu unterstützen, und sind inzwischen Teil einer Art erweiterten Familie. Manchmal, wenn meine beiden Kinder um meine Aufmerksamkeit kämpfen und eifersüchtig und wütend sind, funke ich SOS in die Nachbarwohnung. Gemeinsam finden wir dann oft eine gute Lösung für die Jungs. Einer meiner ältesten Freunde ist der Götti von Kian. Der ist einmal pro Woche für meine Kinder da und entschärft die Rivalität zusätzlich.

Ich habe das Gefühl, dass dieses System aufgeht: Natürlich gibt es manchmal Zwist. Aber Kian und Milo lieben sich sehr und gehen sehr zärtlich miteinander um. Da gibt es keine grundlegende, tiefsitzende Frustration.»

Julia Meyer-Hermann
lebt mit ihrer Tochter und ihrem Sohn in Hannover. Ihre Schwerpunkte sind Wissenschafts- und Psychologiethemen.

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