«Die beiden müssen auch eigenständig Lösungen finden» - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

«Die beiden müssen auch eigenständig Lösungen finden»

Lesedauer: 2 Minuten

Linda, 39, Sachbearbeiterin ­Event-Management, und Patric Thomann, 40, Projektleiter ­Küchenplanung, leben mit ihren beiden Söhnen in Boll BE. Zwischen Liam, 6, und ­Robin, 4, kommt es bei Eifersüchteleien schnell zu ­Handgreiflichkeiten. Die Mutter sagt, dass sich die Eltern dabei Mühe geben, nicht zu schnell ­einzugreifen.

Aufgezeichnet von Julia Meyer-Hermann
Bild: Mara Truog / 13 Photo

«Liam, unser älterer Sohn, ist sehr, sehr ­temperamentvoll. Das zeigt sich vor allem in einer geringen Frustrationstoleranz und bei der Impulskontrolle. Je nach Müdigkeit und Tagesverfassung kann es sein, dass er bei Rivalitätskämpfen schnell körperlich wird. 

Seit Robin in einem Alter ist, in dem er wirklich eine Konkurrenz ist, er seinem älteren Bruder Sachen kaputtmachen oder Spielzeug wegnehmen kann, gibt es öfter Rivalitätskämpfe. 

Ein anderes Thema ist auch die ‹Mama-Zeit›, die manchmal bei Liam ein bisschen zu kurz kommt. Obwohl er sechs Jahre alt ist, kann er dieses Gefühl nicht in Worte fassen. Er kann nicht sagen: ‹Mami, ich brauche jetzt Zeit mit dir›. Er wird stattdessen eben einfach wütend mit sich selbst oder er macht Quatsch und erschreckt Robin, versucht, ihm Angst einzujagen. 

Mein älterer Sohn erschreckt den jüngeren und versucht, ihm Angst einzujagen. Das macht mich spontan ­total wütend.

Das macht mich spontan total wütend. Klar sagen mein Mann und ich dann manchmal: ‹Hör sofort auf!› Aber so langsam kann ich sein Verhalten für mich übersetzen und verstehe, was er damit eigentlich sagen will. Er fühlt sich allein, er ist müde, er möchte Aufmerksamkeit. Patric und ich haben jetzt eine Möglichkeit gefunden, die recht gut funktioniert. Liam liebt Karten- oder Gesellschaftsspiele. Wenn einer von uns ihm das vorschlägt, dann ist er sofort dabei! Dafür braucht man natürlich die Kapazität. Abends sind wir fast immer zu zweit. Wir arbeiten auch beide nicht Vollzeit: Ich arbeite 60 Prozent, Patric hat eine 80-Prozent-Stelle und macht einen Papa-Tag. Das ist sehr hilfreich. Wir ergänzen uns gegenseitig und können uns auch mal abwechseln, wenn einer von uns keine Nerven mehr hat. Aber natürlich gelingt uns das nicht immer!

Wenn ich bemerke, dass die beiden sich fetzen, ist es eine Gratwanderung, zu erkennen, wann ich eingreifen soll. Wenn die beiden sich heftig prügeln, dann handle ich sofort. Aber ich möchte generell, dass die zwei lernen, eigenständig Lösungen zu finden. Es ist inzwischen auch nicht mehr so, dass immer der Grosse zuerst haut. Ich versuche also, mich so lange rauszuhalten, bis ich das Gefühl habe, dass es kippt und zu grob wird.

Wenn ich zum Beispiel im Nebenraum bin und höre, dass es laut wird, gehe ich etwas zeitverzögert dorthin und frage etwas wie ‹Braucht ihr meine Hilfe?›. Das hilft recht gut, weil sie dann selbst überlegen, was Sache ist. Manchmal sagen sie dann wirklich: ‹Ja.› Und dann versuchen wir zusammen herauszufinden, um was es denn eigentlich geht. Das Verständnis hilft manchmal schon, um den Rivalitätskampf aufzulösen.» 

Julia Meyer-Hermann
lebt mit ihrer Tochter und ihrem Sohn in Hannover. Ihre Schwerpunkte sind Wissenschafts- und Psychologiethemen.

Alle Artikel von Julia Meyer-Hermann

Lesen Sie mehr zum Thema Eifersucht:

Advertorial
Auf dem Ballenberg die Schweiz entdecken
Im Freilichtmuseum Ballenberg erkunden Kinder Bauernhäuser und Ställe, entdecken traditionelle Handwerke und schliessen Freundschaften mit zahlreichen Bauernhoftieren. Auf dem neuen Waldspielplatz geht es mit dem Siebenschläfer auf Entdeckungsreise.
Entwicklung
«Es ist normal, wenn Kinder miteinander konkurrieren»
Die Sozialpädagogin und Supervisorin Katalin Nef sagt, Eifersucht zwischen ­Freundinnen oder Freunden komme häufig vor. Reagieren sollte man, wenn ein Kind in die Opferrolle rutscht oder unterdrückt wird.
Redaktionsblog
Wie umgehen mit Eifersucht? Tipps aus der Redaktion
«Aber ich habe viel weniger bekommen!» oder: «Wer ist dein Lieblingskind, Mami?» Wir haben uns in der Redaktion und Verlag umgehört, welche Strategien und Tricks zur Wiederherstellung des Familienfriedens wirklich funktionieren.
Entwicklung
«Unsere Jugend war geprägt durch krankhaften Konkurrenzkampf»
Die Zwillinge Eva und Rita Fleer, 30, rivalisierten als Teenager so heftig, dass sie ­räumlich getrennt werden mussten. Eva ist heute als Lehrerin und Trainerin für ­subjektorientierte Kommunikation mit Babys in ­Bremgarten BE tätig. Sie hat zwei Töchter, 3 Jahre und 9 Monate. Rita ist Ökonomin und lebt in Baden AG.
Entwicklung
«Weil Eifersucht bei uns kein Tabu ist, finden wir schnell undramatische Lösungen»
Selina Meyer, 33, und Mirco ­Marti, 40, leben in Solothurn. Die Sonderschullehrerin und der selbständige Gipser haben ­zusammen zwei Töchter und einen Sohn. Zwischen Lilly, 9, Nola, 6 und Diego, 2, kommt es immer wieder zu Revierkämpfen. Auch die Eltern geben zu, manchmal auf die Rolle des anderen eifersüchtig zu sein.
Erziehung
Eifersucht: Rivalen in der Familie
Warum streiten manche Geschwister erbittert und andere kaum? Wie behandeln Eltern ihre Kinder gleich, und sollten sie das überhaupt? Wann bringt uns Eifersucht weiter und wann wird sie zum Problem? Sechs namhafte Expertinnen und Experten beantworten die 23 wichtigsten Fragen zum Thema kindliche Eifersucht.
Entwicklung
«Als Alleinerziehende muss ich mir Exklusivzeit für ein Kind organisieren»
Brigitte Müller hat zwei Söhne: Kian, 3, und Milo, 1. Im Alltag kann die Physiotherapeutin manchmal nicht beiden Kindern gerecht ­werden, was zu Rivalität führt.
Gesundheit
«Sie war gekränkt, dass ich mit ihrem Ex zusammenkam»
Die 19-jährige Chiara von ihrer besten Freundin online gemobbt. Aus Eifersucht.