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Medienerziehung

Mediennutzung: Ohne Regeln keine Orientierung

Vorschriften sind bei Kindern und Jugendlichen meist nicht besonders beliebt. Sie sind aber wichtig – insbesondere in der Medienerziehung.
Text: Thomas Feibel
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Zwei 15-jährige Mädchen unterhalten sich. «Am Samstag», erklärt die eine, «darf ich so lange wegbleiben, wie ich will.» Die andere reagiert neidisch. «Du hast es gut», findet sie, «ich muss jeden Samstag spätestens um 22 Uhr zu Hause sein.» Darauf zuckt das erste Mädchen mit den Schultern. «Ich weiss nicht. Vielleicht ist es meinen Eltern ja auch egal, was ich am Samstagabend mache.»

Ohne Regeln gibt es keinen Halt.
Setzen wir keine Grenzen, können Kinder und Jugendliche sie weder austesten noch überschreiten. Der Rahmen gibt ihnen Orientierung. Abmachungen sind in der Medienerziehung deshalb wichtig, weil Kinder damit lernen, ihren Medienkonsum eigenständig zu regulieren. 
Regeln beim Medienkonsum
schützen Kinder: Vor falschen
Inhalten. Vor übermässiger
Nutzung. Und vor sich selbst.
Regeln schützen Kinder: Vor falschen Inhalten. Vor übermässiger Nutzung. Und vor sich selbst. Regeln werden oft mit Strenge und Ungerechtigkeit in Verbindung gebracht. Viele von uns erinnern sich an die eigene Zeit der Adoleszenz, die von zahlreichen Regelungen und Konventionen geprägt war. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen Eltern mit patriarchalischen Sprüchen («Solange du deine Füsse unter meinem Tisch hältst...») jede Form von Widerspruch abwürgten. Dahin muss auch niemand zurück.

Im Dialog mit dem Kind bleiben

Dennoch brauchen wir ein neues Verständnis des Autoritätsbegriffs, eine «positive Autorität», wie es der deutsche Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann formuliert. Eltern sollten Regeln genau definieren und durchsetzen, findet Bergmann. Es sei wichtig, dabei gelassen und grosszügig zu bleiben.

Nur mit dieser Balance gelinge es Eltern, mit Kindern und Jugendlichen im Dialog zu bleiben, selbst wenn diese bei der Mediennutzung mal wieder über die Stränge geschlagen haben. Wie können wir Regeln aufstellen? Indem wir unsere Kinder an diesem Prozess beteiligen. Damit stärken wir ihren Sinn für Eigenverantwortung. Wer Kinder beim Aufstellen von Regeln miteinbezieht, verhindert, dass er später Beschlüsse über deren Köpfe hinweg verkünden muss.
 
  • Wozu sollen unsere Abmachungen gut sein?
  • Was sollte deiner Meinung nach erlaubt sein und was nicht?
  • Von welchen Medien sprechen wir? Smartphone, Konsole, Fernsehen?
  •  Warum sind deiner Meinung nach zeitliche Begrenzungen nötig?
  •  Welche täglichen Aufgaben und Pflichten warten sonst noch auf dich?
  •  Wie sollten die Massnahmen aussehen, wenn du dich nicht an unsere Abmachung hältst?
 
In der Regel sind Kinder bereits ab acht Jahren stark motiviert mitzuentscheiden, weil sie möglichst viele Freiheiten für sich aushandeln möchten. Netter Nebeneffekt für die Eltern: Kinder hören ihnen während eines «Verhandlungsgesprächs» aufmerksam zu, oft aufmerksamer als bei anderen Gelegenheiten, in denen Eltern ihren Erziehungsanspruch geltend machen. 

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