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Arztbesuch

Mehr als nur ein bisschen Husten

Der Schweizerische Impfplan empfiehlt ab dem zweiten Lebensmonat eine Impfung gegen Keuchhusten. Trotzdem erkranken hierzulande jedes Jahr rund 8700 Kinder und Erwachsene an der Atemwegserkrankung – zum Teil mit schwerem Verlauf. 
Text: Claudia Füssler 
Trockener Reizhusten, Schnupfen, leichtes Fieber – die ersten Keuchhustensymptome erinnern an eine Erkältung. Die Kinder werden ins Bett gepackt, mit Tee, Nastüchern und einer guten Geschichte versorgt. Erwachsene ignorieren die Krankheitsanzeichen meist und schleppen sich angeschlagen ins Büro. Bis die Symptome – bei Klein und Gross – schlimmer und die Hustenattacken so heftig werden, dass man sich erbricht. Bestenfalls ist das einfach unangenehm.

Doch für Säuglinge und Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder einer schweren Grunderkrankung kann Keuchhusten schnell lebensgefährlich werden: Sie leiden unter Atemaussetzern, und die Lunge kann sich entzünden oder dauerhaft geschädigt werden. «Die Erkrankungszeichen sind anfangs häufig noch untypisch, das heisst, sie können der Krankheit Keuchhusten nicht eindeutig zugeordnet werden, sodass die Diagnose zu dem Zeitpunkt oft nicht gestellt wird. 
Vor allem wegen der Impfmüdigkeit bei Erwachsenen steigt die Zahl der Krankheitsfälle wieder an.
Gleichzeitig sind die Erkrankten genau dann schon hochinfektiös », sagt Cornelia Feiterna-Sperling von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. So werden Kranke, die den Keuchhusten selbst gut wegstecken und ihn als hartnäckige Erkältung oder Bronchitis fehldeuten, zur Gefahr für andere. Denn Betroffene sind mindestens drei Wochen lang ansteckend und infizieren in dieser Zeit durchschnittlich 17 weitere Personen. Hinzu kommt, dass Keuchhusten häufig atypisch verläuft, die bekannten Stadien (siehe Infobox unten) also überhaupt nicht in dieser Form auftreten. 

So macht sich das zweite Stadium bei Säuglingen unter sechs Monaten meist nicht mit den charakteristischen Hustenanfällen, sondern mit Atemstillständen bemerkbar. «Säuglinge im ersten Lebensjahr haben zudem ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie Apnoen, Lungenentzündungen oder Krampfanfälle», sagt Feiterna- Sperling. Jugendliche und Erwachsene werden oft nicht mit Keuchhusten diagnostiziert, weil sie als einziges Symptom einen trockenen Husten haben. Das Problem: In ihrem Blut ist der Erreger dennoch nachweisbar, sie können also andere anstecken.

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