Wie gelingt eine gute Mutter-Tochter-Beziehung?  - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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Wie gelingt eine gute Mutter-Tochter-Beziehung? 

Lesedauer: 11 Minuten

Die Mutter ist die allererste Bindung und Leitbild der Tochter. Sie prägt deren Körperbild und hat grossen Einfluss auf die mentale und berufliche Entwicklung von Mädchen. Dabei bleibt die Beziehung selten konfliktfrei.

Text: Katharina Hoch
Bild: Maskot / Getty Images

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Die Mutter ist eine starke Bindungsperson für ihre Kinder. Dabei ist der Mutter-Tochter-Bund besonders stark, wie eine Studie zeigt.
  • Mütter sind sehr nah dran an der Gefühlswelt ihrer Kinder und wissen meist recht gut, was sie beschäftigt. 
  • Manchmal neigen Mütter zu Überbehütung, was eine eigenständige Entwicklung erschwert und gerade bei Töchtern dazu führt, dass sie in der Pubertät stark rebellieren.
  • Geht eine Mutter wieder früh arbeiten, zeigen die Kinder später weniger Verhaltens- und Sozialprobleme. Der Effekt ist bei Töchtern sogar stärker als bei Söhnen. 
  • Körperzufriedenheit und Körpergefühl von Mädchen stehen im direkten Zusammenhang mit der Mutter-Tochter-Beziehung. Mütter sind diesbezüglich wichtige Leitbilder.
  • In der Pubertät wird die Beziehung recht konfliktreich, weil sich Töchter mit ihren Müttern identifizieren und deshalb stärker von ihnen abgrenzen müssen, um die eigene Identität zu finden.
  • Der Kontakt zwischen Mutter und erwachsener Tochter ist häufig intensiv. Auch Töchter, die bereits ausgezogen sind, sprechen regelmässig mit ihren Müttern über ­persönliche Themen.

Meine Tochter Mila steht vor mir und schreit mich an: «Du regst mich so auf. Ständig sagst du, was ich zu tun habe!» Auch ich bin wütend, werde laut. Sie soll ja nur ihre Hausaufgaben machen und ihr Zimmer aufräumen. Das Ganze endet damit, dass die Achtjährige wegläuft und ihre Zimmertür hinter sich zuknallt. Mal wieder. Ist das schon die Vorpubertät?

Nach kurzem Durchatmen klopfe ich an die Tür. Sie öffnet und wir umarmen uns. «Ich hab dich so lieb», sage ich ihr. «Ich dich auch», erwidert sie. «Streiten ist doof.» So eine Situation haben meine Tochter und ich mehrmals am Tag. In einem Moment bricht alles aus uns heraus und im anderen liegen wir uns in den Armen. 

«Das ist typisch für die Mutter-Tochter-Beziehung: Sie ist konfliktreich, aber auch sehr innig», sagt der Psychologieprofessor Moritz Daum von der Universität Zürich. Und: «Genau wie die Vater-Sohn-Beziehung betrifft die Beziehung der Tochter zur Mutter eine emotionale Bindung zur engsten Bezugsperson desselben Geschlechts.»

Eine Mutter, die Freude am Beruf hat und diese nach Hause trägt, ist eine grosse Bereicherung für Kinder.

Töchtern falle es daher oft schwer, sich von ihren Müttern abzugrenzen und das wiederum könne zu mehr Konflikten führen. Zudem identifiziere sich die Tochter mit der Mutter, so sei der Mutter-Tochter-Bund im Vergleich zu den anderen Eltern-Kind-Verbindungen besonders stark ausgeprägt, sagt Daum.   

Das ist aber nicht das Einzige, was die Mutter-Tochter-Beziehung so besonders macht. Mütter sind für ihre Töchter auch Leitbilder. Sie haben grossen Einfluss darauf, wie wohl sich Mädchen und junge ­Frauen in ihrem Körper fühlen, und zeigen ihnen, wie sie ihre Rolle als Frau und Mutter ausleben können. Ausserdem haben sie eine ­starke Vorbildfunktion im Beruflichen. 

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter bietet also viele Chancen, aber auch ein paar Stolper­steine. Wie kann sie trotz Herausforderungen gut gelingen? Und wie verändert sie sich von der frühen Kindheit über die Pubertät bis hin zum Erwachsenenalter? 

Eine besonders starke Bindung 

Noch heute verbringt ein Kind in den ersten Lebensjahren in der Regel mehr Zeit mit der Mutter als mit dem Vater. Und auch wenn die Bindung des Kindes zu einer anderen Person wie zum Vater, zu den Geschwistern oder den Grosseltern sehr stabil sein kann, ist die Mutter-Kind-Bindung meist besonders stark ausgeprägt, insbesondere die zwischen Mutter und Tochter.

Das zeigt eine Studie, deren Ergebnisse 2016 im «Journal of Neuroscience» veröffentlicht wurden. Die Forscherinnen und Forscher verglichen Hirnscans von 35 Familien und fanden heraus, dass der Teil des Ge­hirns, der Emotionen reguliert, zwischen Müttern und Töchtern ähnlicher ist als bei allen anderen Eltern-Kind-Konstellationen.

Demnach können sich Mütter emotional besser in ihre Töchter hineinversetzen und sie verstehen. Dass Mütter generell näher an den Gefühlen ihrer Kinder dran sind, sagt auch die Sozialarbeiterin Celia Zappa von der Jugend- und Familienberatung Contact in Luzern. Und nicht nur das. «Mütter kümmern sich sehr um das Soziale und um den Gemütszustand ihrer Kinder, sind einfühlsam und hellhörig. Sie wissen meist recht gut, wie es ihren Kindern geht und erkennen früh, wenn etwas nicht stimmt», so Zappa. 

Eine starke Bindung hat für ein Kind durchweg positive Effekte. Was allerdings zum Problem werden kann: Wenn Mütter die enge Verbundenheit falsch interpretieren und denken, sie müssten ihre Kinder ständig behüten. Ihnen alles abnehmen, sie rund um die Uhr beschützen und über ihnen kreisen, um alles zu kontrollieren.

Töchter rebellieren gegenüber ihren Müttern viel stärker. Buben hingegen weniger.

«Die Überbehütung hat ­gerade auf die Mutter-Tochter-Beziehung eine grosse Auswirkung», sagt die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm. «Denn Mädchen verhalten sich eher sozial angepasst und binden sich besonders stark an ihre Mutter, wenn diese zu solch einem Verhalten neigt. Oft wird es dann schwierig, wenn sich Töchter in der Pubertät von der Mutter ablösen wollen. Das ist für eine eigenständige Entwicklung nicht einfach», so Stamm.

Das Resultat: Töchter rebellieren gegenüber ihren Müttern viel stärker. Buben hingegen weniger, denn sie können sich von der Mutter bereits früher leichter abgrenzen.

Die Serie Eltern-Kind- Beziehungen

Jede Eltern-Kind-­Beziehung ist einzigartig. Doch was zeichnet die ­verschiedenen Geschlechterkonstellationen aus? Wie unterscheidet sich das Verhältnis einer Mutter zur Tochter von jenem zum Sohn? Und was gibt es Spezielles zwischen Vater und Tochter oder Vater
und Sohn? Diese Serie beleuchtet die Besonderheiten jeder dieser vier Konstellationen – und gibt Müttern und Vätern praktische Tipps für eine gute Beziehung mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter.

Vorbild berufstätige Mutter 

Wenn es um das Thema Berufstätigkeit geht, machen sich gerade Mütter viele Gedanken: Wann soll ich zurück in den Job? Wie viel soll ich arbeiten? Schadet es meinem Kind, wenn ich nicht zu Hause bin?

«Die Forschung zeigt, dass es Kinder – anders als gesellschaftlich oft angenommen – gar nicht so sehr stört, wenn ihre Mutter viel arbeitet», so Stamm. «Was Kinder jedoch belastet: Wenn Mama von der Arbeit ständig gestresst ist.» Eine Mutter, die Freude am Beruf hat und diese nach Hause trägt, ist also eine ­grosse Bereicherung für Kinder.

Das bestätigt auch die Familientherapeutin und pensionierte Pastorin Luitgardis Parasie aus dem niedersächsischen Northeim in Deutschland: «Eine Mutter, die zu Hause bleibt und sich nach dem Beruf sehnt, sich langweilt, wenn sie mit ihren Kindern spielen oder basteln muss, tut niemandem einen Gefallen.»

Kehren Mütter bereits früh in die Erwerbstätigkeit zurück, haben die Kinder später weniger Verhaltens- und Sozialprobleme als Kinder von nicht berufstätigen Müttern.

Parasie selbst war stets berufstätig und ihre mittlerweile erwachsenen Töchter haben das keineswegs schlecht in Erinnerung. «Mir ist das nie negativ aufgefallen. Für uns gehörte es einfach dazu», sagt Tochter Brita. Und ihre Schwester Nora findet: «Mama war wirklich ein Vorbild. Dank ihr ist mir die klassische Rollenteilung zwischen Mann und Frau immer fremd geblieben.» 

Da die Mutter für ihre Tochter eine starke Identifikationsfigur ist, hat sie auch im Beruflichen eine wichtige Vorbildfunktion. Und wie die Forschung zeigt, haben berufstätige Mütter einen positiven Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder, besonders auf die ihrer Töchter. Kehren Mütter nämlich bereits früh in die Erwerbstätigkeit zurück, haben die Kinder später weniger Verhaltens- und Sozialprobleme als Kinder von nicht berufstätigen Müttern. Das zeigt eine britische Längsschnittstudie aus dem Jahr 2011. Bei Mädchen, fanden die Forscher heraus, ist der Zusammenhang sogar noch stärker als bei Buben. 

Was bei den Ergebnissen ausserdem deutlich wird: Arbeiten beide Elternteile und können Beruf und Familie gut vereinen, profitieren die Kinder am meisten. Denn wenn die Mutter arbeiten geht, bringt sich der Vater automatisch mehr zu Hause ein. Davon wiederum profitieren vor allem Mädchen.

So haben die Psychologin Alyssa Croft und ihre Kolleginnen und Kollegen von der University of British Columbia (Ka) bei einer Untersuchung herausgefunden, dass Töchter, deren Väter sich in der Hausarbeit einbringen, später grösseres Interesse haben, erwerbstätig zu sein, und weniger stereotype Frauenberufe wählen. Diese Ergebnisse wurden 2014 veröffentlicht. 

Bei gleichgeschlechtlichen Beziehungen erleben Kinder häufiger, dass beide Elternteile einer Erwerbstätigkeit nachgehen und erfahren dementsprechend eher eine egali­täre Aufteilung von Arbeit und Haushalt. Die Soziologin Andrea Buschner der Universität Bamberg zeigt in ihrem Werk «Die Arbeitsteilung gleichgeschlechtlicher Paare in Deutschland» auf, dass lediglich 64,5 Prozent der heterosexuellen Mütter einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wohingegen es bei lesbischen Müttern 84,9 Prozent sind.

Doch ob berufstätig oder ganz zu Hause bei den Kindern, am meisten profitierten Mädchen und Buben von einer Mutter, die ihr Leben so gestalte, wie es ihren eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten entspreche, geben Expertinnen wie Luitgardis Parasie zu bedenken.

6 Tipps für eine gute Mutter-Tochter-Beziehung:

1. Die Bindung in den ersten Jahren ist der Grundbaustein für eine stabile Beziehung.

2. Ob berufstätig oder zu Hause: Wenn es der Mutter gut geht, dann geht es auch dem Kind gut und die Beziehung ist stressfreier.

3. Überbehütung vermeiden: Mütter, die ihre Töchter übermässig kontrollieren, ihnen sehr viel abnehmen und sie dadurch hindern, eigenständig zu werden, gefährden die Beziehung.

4. In der Pubertät sollten Mütter versuchen, gelassen zu bleiben, und sich vor Augen führen, dass heftige ­Konflikte mit Töchtern normal und wichtig sind.

5. Ausserdem sollten sie der heranwachsenden Tochter auf Augenhöhe begegnen und akzeptieren, dass diese eigene Wege geht und eigene Erfahrungen machen muss.

6. Wenn Töchter selbst Kinder bekommen, sollten sich Mütter ­keinesfalls in die Erziehung der Enkelkinder einmischen – das kann die Beziehung verschlechtern.

Ein gutes Körpergefühl

Neulich beim Abendessen: «Die zwei, drei Kilo müssen auf jeden Fall bald runter», sage ich zu meinem Mann und streiche mir genervt über den Bauch. «Findest du dich dick, Mama?», fragt meine Tochter prompt. Und ich ärgere mich über mich selbst. 

«Wenn man als Mutter ständig an seinem Körper herumnörgelt, hier eine Falte, da ein graues Haar, wieder zu viel gegessen, wie sehe ich denn aus – dann übernehmen Töchter das», sagt Familientherapeutin Luitgardis Parasie. «Wir sind Vorbilder.» Daher sei es wichtig, sich selbst anzunehmen, dies der Tochter zu zeigen und ihr damit zu vermitteln: «Du bist wunderschön und einzigartig, so wie du bist.» 

«Mütter sind Vorbilder ihrer Töchter, allein schon deshalb, weil sie vom gleichen Geschlecht sind», sagt der Psychologieprofessor Moritz Daum. «Und wenn es zu körperlichen Veränderungen wie der ersten Periode kommt, geht eine Tochter eher zu ihrer Mutter als zu ihrem Vater.»

Lesen Sie mehr dazu im Artikel: Wie bereiten wir unsere Tochter auf die erste Mens vor?

Die erste Regelblutung ist ein wichtiges Ereignis im Leben eines Mädchens. Eltern können dabei viel zu einem entspannten Umgang mit der Menstruation beitragen. Wir haben für Sie Ideen und Denkanstösse gesammelt, wie Sie Ihre Tochter liebevoll auf dem Weg zur jungen Frau begleiten. Hier gehts direkt zum Artikel.

So stehen auch Körperzufriedenheit und Körpergefühl von Mädchen im direkten Zusammenhang mit der Mutter-Tochter-Beziehung. Wie eine Mutter das Körperbild ihrer Tochter positiv beeinflussen kann, macht eine israelische Studie von Maya Maor und Julie Cwikel aus dem Jahr 2015 deutlich, für die 28 Mutter-Tochter-Beziehungen analysiert wurden.

Töchter übernehmen den Umgang mit dem eigenen Körper, den ihnen die Mutter in der Kindheit vorlebte, zum grossen Teil.

Die Analyse der Interviews ergab, dass Töchter den Umgang mit dem eigenen Körper, den ihnen die Mutter in der Kindheit vorlebte, zum grossen Teil übernahmen. Zweck der Studie war, Strategien zu identifizieren, die Mütter anwenden, um bei den Töchtern ein positives Körpergefühl zu fördern.

Eine Strategie, die sich als wirksam erwies,  war beispielsweise, dass die Mütter darauf achteten, welche Sprache sie in Bezug auf ihren eigenen Körper verwendeten und versuchten, abfällige Aussagen über ihr Gewicht oder ihre Figur zu vermeiden. Des Weiteren klärten manche Mütter ihre Töchter darüber auf, was eine Essstörung ist und wie gefährlich diese sein kann.

Andere Mütter sprachen mit ihren Töchtern über die in der Öffentlichkeit propagierten Körperbilder und forderten sie auf, kritisch mit Mainstream-Botschaften aus Werbung oder sozialen Medien umzugehen. Wieder andere Mütter verstärkten das positive Körpergefühl ihrer Töchter, indem sie sie oft in den Arm nahmen, sie häufig küssten und ihnen das Gefühl gaben, sie seien genau richtig.

Viel Streit mit der Teenager-Tochter

Wenn Mädchen in die Pubertät kommen, wird die Beziehung zur Mutter oft recht konfliktreich. ­Gerade wenn die Mutter dazu neigt, ihre Tochter übermässig zu behüten, ihr nichts zutraut, keine Freiheiten zulässt oder immer noch versucht, so viel wie möglich zu kontrollieren.

«Dann ist es für die Tochter schwieriger, Autonomie zu entwickeln und sich abzulösen. Sie fühlt sich unselbständig und eingeengt», erklärt Daum. Das führe zu viel Widerstand: «Überbehütung strebt der Identitätsentwicklung entgegen und erschwert den Ablösungsprozess.» Wenn die Tochter dann noch ein impulsives Gemüt habe, könnten Konflikte heftig werden, so Daum.

Aber auch ohne überbehütendes Verhalten der Mutter könne es in der Pubertät zu vielen Streitigkeiten mit der Tochter kommen. Das sei normal und wichtig. Denn um seine eigene Identität zu finden, müsse man sich von der Person, mit der man sich identifiziert, entfernen. Sich abgrenzen. Und für ein Mädchen sei die Mutter dann die Hauptidentifikationsfigur, wenn sie die Hauptverantwortung für das Familienmanagement innehat. Für den Sohn ist es dann der Vater. «Auch diese Beziehung ist nicht konfliktarm», sagt Stamm. «Die Konflikte werden aber eher im körperlichen Bereich ausgetragen, durch Wettbewerb oder Sport.»

Ob die Beziehung zwischen Mutter und Tochter in der Pubertät stabil bleibt, habe etwas damit zu tun, wie gut diese schon vorher gelungen sei, so Sozialarbeiterin Celia Zappa. Ein gutes Fundament und die Bereitschaft der Mutter, ihre Tochter nicht mehr als kleines Mädchen, sondern als heranwachsende Frau zu behandeln, seien demnach die ­besten Voraussetzungen für eine – für beide Seiten – beständige und konflikt­arme Beziehung.

Dem stimmt Erziehungswissenschaftlerin Stamm zu: «Der Grundstein für die innige Beziehung zwischen Mutter und Tochter wird schon früh gelegt. Wenn dann eine gewisse Bindungssicherheit entstehen kann, ist das eine gute Grundlage, um die konfliktreiche Zeit in der Pubertät zu meistern.» 

Auch wenn die Teenagerzeit eher konfliktreich war, gibt es im Erwachsenenalter meist eine Kehrtwende. Spätestens, wenn Töchter selbst Mütter werden.

Auch wenn die Teenagerjahre eher konfliktreich waren, gebe es im Erwachsenenalter meist eine Kehrtwende, beruhigt Stamm. Spätestens, wenn Töchter selbst Mütter würden: «Plötzlich versteht man die Mutter besser und die Beziehung verändert sich wieder.» Was Mütter dann auf keinen Fall tun sollten: ungefragt Ratschläge erteilen. «Sich in die Kindererziehung einzumischen, geht gar nicht», sagt Parasie. «Das ist respektlos und gefährdet die Beziehung zur Tochter.»

Doch bevor Töchter eine eigene Familie gründen, verlassen sie meistens das Elternhaus. Das schadet der Beziehung zur Mutter keineswegs. Über 80 Prozent der nicht mehr zu Hause lebenden Kinder haben ­mindestens einmal in der Woche Kontakt zu ihrer Mutter. Das zeigen Daten der Technischen Universität Chemnitz, erhoben für das deutsche Beziehungs- und Familienpanel Pairfam.

Jede zweite erwach­sene Tochter gab an, häufig mit ihrer ­Mutter über persönliche Dinge zu ­sprechen. Die Forschenden bezeichnen die Beziehung zwischen erwachsenen Töchtern und ihren Müttern als die intensivste in allen Eltern-­Kind-Konstellationen. 

Interesse am Leben der anderen zeigen und Kontakt halten 

Wenn also die etwas schwierige und konfliktreiche Zeit der Pubertät überstanden ist, verändert sich die Mutter-Tochter-Beziehung noch einmal. Mutter und Tochter werden zu Verbündeten. Die Beziehung, die in der Schwangerschaft und den ersten Lebensmonaten ihren Ursprung hatte, von starker Bindung, Innigkeit, aber auch Konflikten geprägt war, kommt in ruhigeres Fahrwasser. Wenn beide es schaffen, sich weiterhin auf Augenhöhe zu begegnen, Interesse am Leben der anderen zeigen und regelmässigen Kontakt halten, werden Mutter und Tochter von dieser Verbindung profitieren – ein Leben lang.

Buchtipps, Links, Anlaufstellen:

  • Luitgardis Parasie, Jost Wetter-Parasie: Starke Mütter – starke Töchter: Wie sie das Beste aus ihrer Beziehung machen. Neukirchener Verlagsgesellschaft 2020, 155 Seiten, ca. 20 Fr.
  • Silia Wiebe: Unsere Mütter. Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen. Klett Cotta 2022, ca. 20 Fr.
  • WDR-2-Podcast «Von Müttern und Töchtern», Folge «Mutter-Tochter­Beziehung – Reibung erzeugt Wärme»
  • Jugend- und Familienberatung Contact Luzern: www.contactluzern.ch
  • Fachverband für Mütter- und Väter­beratung in der Schweiz: www.sf-mvb.ch

Katharina Hoch
ist freischaffende Journalistin und lebt mit ihrer Familie in München.

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