Herr Rüttimann, wie gelingt die Integration? - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Herr Rüttimann, wie gelingt die Integration?

Lesedauer: 7 Minuten

Inklusion und Chancengerechtigkeit sind für Dieter Rüttimann nicht einfach Worthülsen. Der erfahrene Pädagoge und Gründer einer Zürcher Gesamtschule weiss, dass ein inklusiver Unterricht mit Schülern unterschiedlichster Begabungsprofile und Herkunft eine Bereicherung ist.

Beim kurzen Rundgang durchs Schulhaus Unterstrass in Zürich trifft Dieter Rüttimann auf Kinder, die er an diesem Tag zum ersten Mal sieht: «Wir haben uns heute noch gar nicht Hallo gesagt!» Der Schulleiter grüsst herzlich zurück. Alle sind hier ganz selbstverständlich per Du.

Herr Rüttimann, unter «Inklusion» versteht man, dass alle Menschen an der Gesellschaft teilhaben können. Was heisst das für die Schule?

Das bedeutet, dass Kinder, die systematisch benachteiligt werden, und die, die wir als «beeinträchtigt» oder «behindert» bezeichnen, auch die Regelschule besuchen können. Wissenschaftlich ist belegt, dass diese Kinder dann deutlich bessere Leistungsergebnisse zeigen, als wenn sie eine Sonderschule besuchen. Die Idee der Inklusion ist, dass auch in der Schule alle an allem teilhaben – was immer sie mitbringen.

Sie sprechen von «systematisch benachteiligt». Was verstehen Sie darunter?

Dass Kinder aus ungünstigen sozioökonomischen Verhältnissen – also aus bildungsfernen, einkommensschwachen Schichten – viel weniger Chancen haben, zu einem hohen Bildungsabschluss zu kommen. Sie sind die Bildungsverlierer, denn in der Schweiz entscheidet bedauerlicherweise nach wie vor die soziale Herkunft über den Bildungserfolg. Im Zusammenhang mit Inklusion muss unbedingt auch über diese Kinder gesprochen werden. Inklusion bedeutet, dass wir in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren etwas mehr Chancengerechtigkeit realisieren können.
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