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Erziehungsmythen: Unser Thema im April

Lesedauer: 2 Minuten

Welche Glaubenssätze unser Verhalten im Umgang mit Kindern prägen – und was sie für Mütter, Väter und Lehrpersonen wirklich bedeuten. Chefredaktor Nik Niethammer stellt Ihnen das Dossier Erziehungsmythen und weitere Themen der April-Ausgabe vor, die am Mittwoch, 5. April 2023, erscheint. Sie können das Heft auch online bestellen.

Text: Nik Niethammer
Bild: Lucas Ziegler / 13 Photo

Da ist dieses Bild, das sich bis heute in meinen Kindheitserinnerungen verfestigt hat: Klein Niklaus sitzt am Küchentisch vor einem Teller Safranreis – und kämpft gegen den Brechreiz. «Was auf den Teller kommt, wird aufgegessen», lautete die Ansage meiner Eltern. Und: «Die armen Kinder in Afrika wären froh, sie bekämen einmal am Tag ein Schälchen Reis. Warum nur machst du so ein Theater?»

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich hatte eine wohl­behütete Kindheit, mit den Geschwistern gab es wenig Streit, meine Eltern waren (meist) entspannt. Und doch gab es diese Glaubenssätze, an denen sich Mutter und Vater orientierten und die sie oft mantramässig wiederholten. Die Sache mit dem Aufessen zum Beispiel. Oder: «Erst die Arbeit, dann das Vergnügen», was bedeutete, dass ich mich stets zuerst über die Hausaufgaben beugen musste, während meine Freunde bereits eine Runde Rollschuh fuhren.

«Viele von uns planen, eine andere Erziehungsmethode anzuwenden als unsere Eltern. Das heisst aber nicht, dass wir das automatisch im Alltag umsetzen können», sagt die Psychologin Felizitas Ambauen. «Dazu müssen wir uns zuerst einmal klarmachen, welche Erziehungsmythen unser Verhalten prägen.» Bei der Überprüfung der eigenen Glaubenssätze lege ich Ihnen das Dossier «Erziehungsmythen» meiner Kollegin Sandra Markert sehr ans Herz. Sie stellt 22 gängige Was-Eltern-zu-wissen-glauben-Sätze auf den Experten-Prüfstand. Ich garantiere Ihnen Aha-Erlebnisse beim Lesen.

Was ist Intelligenz? Der Schweizer Psychologe Jean Piaget hat es einmal so formuliert: «Intelligenz ist das, was man einsetzt, wenn man nicht weiss, was man tun soll.» Womit wir bei Chat GPT sind, dem Textroboter, von dem die einen glauben, dass er nichts weniger als die Welt verändern wird. Während andere in ihm ein Werkzeug des Teufels sehen.

Die aktuelle Ausgabe können Sie hier bestellen.

Wer Chat GPT schon einmal ausprobiert hat, wird fasziniert festgestellt haben, was dieses Werkzeug bereits kann: Texte formulieren, Bücher zusammenfassen, mathematische Aufgaben lösen. Und Aufsätze schreiben. Man muss ein ziemlicher Ignorant sein, um nicht zu erkennen, wohin diese revolutionäre Erfindung führen kann. Zumal der Chatbot dank der Analyse neuer Daten jeden Tag ein bisschen schlauer wird.

Bevor Eltern und Lehrpersonen jetzt in Panik verfallen, Journalistinnen und Journalisten um ihre Zukunft fürchten, spendet Ihnen der Psychoanalytiker Peter Schneider, ein wenig Trost: «Auch aus dem schlausten Computer kann hinten nur rauskommen, was vorne in ihn hineinprogrammiert wurde.» Wie das Lernen und Lehren der Zukunft aussehen könnte, welches die Chancen und Risiken von Chat GPT sind und was Sie über die gewaltige Antwortmaschine wissen müssen.

Herzlichst,

Ihr Nik Niethammer

PS: Die Sache mit dem Safranreis hat sich übrigens auf wundersame Weise erledigt. An einem Geburtstagsfest ass ich zum ersten Mal in meinem Leben Riz Casimir und stellte verwundert fest, dass mir das a) schmeckte und b) Reis von Natur aus nicht gelb ist. Als ich später zu ­Hause von diesem ungewöhnlichen kulinarischen Erlebnis berichtete, verbannte meine Mutter das Safranpulver-Döschen unauffällig sehr weit nach hinten ins Küchenregal.

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Nik Niethammer

Nik Niethammer
ist seit 2014 Chefredaktor von Fritz+Fränzi. Er ist Vater eines Sohnes und einer Tochter und lebt in Zürich und in Freiburg im Breisgau.

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