Familienleben

Rituale als Helfer im Alltag

Die Schule wird für Kinder immer mehr zur Lebenswelt, die Strukturen sind komplexer geworden. Umso wichtiger sind stetig wiederkehrende Abläufe.
Text: Franziska Peterhans
Bild: Andrea Gottowik / Plainpicture
Ostereier suchen, das Lieblingsessen des Geburtstagskinds kochen, abends ein Buch anschauen oder daraus vorlesen – in vielen Familien gehören Rituale fest zum Alltag. Sie begleiten uns buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre.

Während Rituale früher vor allem mit den Kirchen verbunden wurden, finden sie sich heute in allen Lebensbereichen. Mit Familie und Freunden feiern wir besondere Feste immer wieder gleich, im Büro haben wir feste Abläufe, um Mitarbeitende in die Pension zu entlassen, an der WM begleiten Kinder die Fussballer auf das Spielfeld und hören sich gemeinsam mit ihnen die Nationalhymnen an.

In der Schule haben sich Rituale zum tragenden Boden für Kinder und Jugendliche entwickelt. Sie sind wichtige Begleiter durch das Schuljahr und vermitteln Kraft, Freude und Zugehörigkeit. Rituale geben Kindern Stabilität und Sicherheit, denn in Ritualen treffen sie einerseits auf Regeln und andererseits auf Vertrautes und Bekanntes. Gerade das schätzen Kinder und darum freuen sie sich besonders darauf. 
«Kinder verbringen heute deutlich mehr Zeit in der Schule als früher – sie sollen sich dort getragen und 
geborgen fühlen.»
Kinder verbringen heute deutlich mehr Zeit in der Schule als früher, in Tagesschulen gar den ganzen Tag. Schule ist damit zur Lebens- und Erlebniswelt geworden. In diesem sozialen Umfeld sollen sich Kinder und Jugendliche getragen und geborgen fühlen und sich entwickeln können. Rituale als Inseln des Vertrauten, des Herzerwärmenden und des Glücks sind dabei wichtige Bausteine. Indem sie immer wieder gleich zelebriert werden, bringen sie Struktur in unser Leben und fördern die Zugehörigkeit im Zusammenleben – im besten Fall ein Leben lang. 

Tür in die Zukunft

Rituale öffnen die Tür in die Zukunft, gerade weil viele von ihnen in der Vergangenheit schon da waren und im Lauf der Zeit immer weiterentwickelt werden. Und jede Schule kennt sie: Jugendfeste und Schulschlussfeiern gehören genauso dazu wie Begrüssungsrituale für den ersten Schultag. Dazu pflegt jede Lehrperson mit ihrer Klasse Rituale – bewusst als das bezeichnete oder unausgesprochene. Häufig brauchen diese im Gegensatz zu grossen Schulfeiern weder eine offizielle Ankündigung noch eine Bühne.

Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die mitwirken. So ist der Morgenkreis in vielen Kindergärten oder Primarschulen der Ort, wo die Kinder ankommen und sich auf den Tag einstimmen können. Oder es wird zu Beginn des Schultags gemeinsam gesungen. Manche Lehrpersonen setzen Klänge ein, um anzuzeigen, dass ein Wechsel bevorsteht, beispielsweise von der konzentrierten Einzelarbeit zum Austausch in der Gruppe. 

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