Adventsrituale für die Familie - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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Adventsrituale für die Familie

Lesedauer: 5 Minuten

Oh Tannenbaum, oh Bastelkram! Schon bald werden wieder fleissig Kerzen gezogen und Kekse verziert. Wir haben uns in Verlag und Redaktion umgehört und stellen Ihnen unsere liebsten Adventsrituale für die Familie vor.

Text: Florina Schwander
Bild: Rawpixel / zVg

Virginia Nolan: Winterwald vor der Haustür

«Diese Rituale verbinde ich mit der Adventszeit – manche praktizieren wir heute noch, andere sind Teil schöner Kindheitserinnerungen:

  • Worauf ich mich als Kind in der Adventszeit am meisten freute: Mit meinem Opi im Stadtwald den Samichlaus besuchen. Mit dem Tram rauf zum Käferberg fahren, eine halbe Stunde in den Winterwald hineinspazieren – und plötzlich war sie zu sehen: Die kleine Rauchsäule, die vom Kamin eines Holzhäuschens aufstieg, wo Samichlaus und Schmutzli ihre Gäste zu Guetzli und Punsch empfingen. Manchmal parkten sie sogar ihren Esel vor dem Haus. Dieses Ritual gehört zu den schönsten Erinnerungen, die ich an meine Kindheit und meinen Grossvater habe. 
  • Was ich mit meiner Tochter (8) seit ein paar Jahren mache, und mittlerweile hat sie hier die Regie übernommen: Wir gehen im Wald Tannenzapfen, Äste, Steine, Mistel- und Tannenzweige sammeln. Zusammen mit Tierfiguren und Kerzen-Gläschen arrangiert sie das Ganze in einer ausrangierten Holzkiste beim Hauseingang als Winterwald. Ich mag diese Deko sehr, sie vermittelt beim abendlichen Nachhausekommen ein heimeliges Gefühl. 
  • Mitte Dezember backe ich jeweils zusammen mit meinem Gottenmeitli und meiner Tochter Weihnachtsguetzli – bis ich keinen Teig mehr sehen kann und mich nach fünf Stunden mit Dauerbuckel wie 90 fühle. Schön ists trotzdem.
  • Als unsere Tochter noch kleiner war, bestellten wir zusammen mit den Nachbarsfamilien am 6. Dezember jeweils den Samichlaus ins Haus, der im Wohnzimmer unter ehrfürchtigen Blicken sein goldenes Buch aufschlug. Sein mit Spannung erwarteter Jahresrapport fiel immer wohlwollend aus; Lob überwog, wohlwollende Empfehlungen zum Puff im Kinderzimmer rückten anstelle der gefürchteten Rüge. Ganz anders beim Haus-Chlaus meiner Kindheitserinnerungen, der jeweils in unserem Block die Runde machte – in seinem Fall war dem Chlaus-Verein die pädagogische Schnellbleiche vermutlich untergegangen. Ich erinnere mich einigermassen lebhaft an den Moment, als er meine uneinsichtige (vielleicht weil notorisch unordentliche?) Nachbarin kurzerhand schulterte und sie unter Geschrei das Treppenhaus hinabtrug. Wir waren dann alle sehr erleichtert, als er sie doch nicht in den Sack stopfte. 
  • Was bei uns im Advent auch nicht fehlen darf: Wir gehen Kerzenziehen und haben so einen mittlerweile stattlichen Bestand an Weihnachtsbrennwaren im Schrank.»

Virginia Nolan
ist Redaktorin, Bücherwurm und Wasserratte. Sie liebt gute Gesellschaft, feines Essen, Tiere und das Mittelmeer. Die Mutter einer achtjährigen Tochter lebt mit ihrer Familie im Zürcher Oberland.

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Maria Ryser: Kein Advent ohne Kalender!

«Ich gebe es gerne zu: Bei Adventskalendern gluggere ich. Meine zwanzigjährige Tochter, die im Februar ausgezogen ist, bekommt jedenfalls noch einen, obwohl ich mir letztes Jahr fest gesagt habe: ‹So, das war jetzt der Letzte für sie.›

Ich liebe Adventkalender! Und zwar nicht irgendwelche Schöggeli-, Lego- oder Playmobilfertigkalender, sondern die selbstgemachten mit genähten Säckli (von der Nonna; das Talent dazu fehlt mir) und liebevoll zusammengesuchten, individuellen Geschenkli. Das ist der Teil, wo mir das Herz aufgeht.

Im Idealfall suche ich die passenden Geschenke übers Jahr verteilt. Es kommt aber ehrlich gesagt doch meist zur Last-Minute-Aktion gegen Ende November. Der schönste Moment ist, wenn ich die mit 24 prall gefüllten Säckli versehenen Kalender nachts heimlich im Kinderzimmer aufhänge, gefolgt von den Ohs und Ahs und Juhui-Tönen der Kinder am nächsten Morgen.

Das Wort Advent stammt übrigens vom lateinischen advenire. Es bedeutet ankommen, sich nähern. Und genau das gefällt mir so gut am Adventskalender: Wir nähern uns Tag für Tag dem Fest der Liebe und des Lichts an, mitten in der dunkelsten Jahreszeit.»

Maria Ryser
liebt grosse und kleine Kinder, zyklisch leben, Rilke, reinen Kakao, Klangreisen und Kreta. Die gebürtige Bündnerin arbeitet als Stv. Leiterin auf der Onlineredaktion und ist Mutter einer erwachsenen Tochter und zweier Söhne.

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Evelin Hartmann: Kuscheln und Rennen

«Wir haben im Keller eine Kiste mit Büchern mit Geschichten, Lieder und Backideen rund um Weihnachten. Rückt der 1. Advent näher, wird die Kiste hochgetragen und mit Spannung ausgepackt. Da sind sie wieder! Pipi, Ritter Freund und die Wichtigsten: Wanda und Wusch. Vor vier Jahren habe ich die Geschichte von der kleinen Wanda, die kurz vor Weihnachten mit ihren Eltern zu den Grosseltern auf einen Bauernhof zieht, meinen Töchtern zum ersten Mal vorgelesen. Auf dem Hof trifft Wanda den Engel Wusch, der mit seinem verletzten Flügel nicht mehr fliegen kann, aber ganz schnell wieder nach Hause muss, denn bald ist Heiligabend und der Weihnachtsmann braucht Wuschs Hilfe. Die 24 Kapitel – spätestens am 2. Advent komplett gelesen – sind randvoll mit Schnee, Vorfreude und natürlich einem Weihnachtswunder … zum Einkuscheln schön!

Marliese Arold: Wanda und das Weihnachtswunder. Ellermann 2017, 128 Seiten, ca. 20 Fr.

Leise plätschert der See

Leise rieselt der Schnee… so stellt man sich das doch vor an Heiligabend. Doch meistens kündigt sich kurz vor Weihnachten irgendeine Warmfront an, im schlimmsten Fall mit Regen. Schade!!! Wie also aufs Christkind warten, wenn man nicht mit einem Schlitten durchs Winterwunderland sausen kann? Unser Place to be: das Lido in Luzern – dann, wenn der Vierwaldtstättersee rau und ungemütlich wirkt, ist der Strand herrlich leer, bietet Muscheln und Möwen, denen man wunderbar hinterherjagen kann, während einem der Wind um die Nase und irgendwann wieder ins warme Zuhause weht. Wer braucht schon Schnee an Heiligabend?»

Evelin Hartmann
ist stellvertretende Chefredaktorin von Fritz+Fränzi. Sie wohnt mit ihrem Mann und den zwei Töchtern in Luzern.

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Hanna Lauer erinnert sich an ein Ritual aus der Kindheit:

«Das grösste für uns Kinder war, als wir jeweils am 23. Dezember mit unseren Eltern ins Thermalbad nach Zurzach fuhren. Wenn wir grosses Glück hatten, lag bereits Schnee. Und was gibt es Schöneres als im warmen Wasser zu sitzen und mit der Zunge Schneeflocken zu fangen? Auf dem Rückweg hinten im Auto sitzend, liebte ich es, in die beleuchteten Hausfenster zu gucken. Sah ich dabei eine Familie den Weihnachtbaum schmücken, war es ein Jackpot für mich. Bis heute hegen wir diese Tradition mit dem Bad Zurzach und ich gucke immer noch gerne in die weihnachtlichen Fenster anderer Häuser.»

Hanna Lauer
arbeitet seit 2020 in der Onlineredaktion. Das zweite Zuhause der gebürtigen Zürcherin ist der Käferberg, sie tanzt gern Zumba und züchtet Sauerteig-Kulturen.

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Florina Schwander wird dank der Kinder zum Bastelblöffer statt Weihnachtsmuffel

«Ich kein grosser Weihnachtsfan. Mit ‹Drei Nüsse für Aschenbrödel› kann man mich jagen und die Stimmung in der Stadt empfinde ich oft eher als genervt-gestresst als feierlich-fröhlich. Wie viele Eltern haben auch meine Kinder mich etwas versöhnlicher auf Weihnachten gestimmt und zumindest auf die Adventszeit freue ich mich mittlerweile.

Wir versuchen hier bewusst Rituale zu schaffen und machen jedes Jahr ähnliche Sachen, je nach Alter natürlich. So wird gegen Ende November immer ein Kranz gebunden und auch das Kerzenziehen in all seinen Varianten ist ein grosses Familienhobby im Dezember. Auch die Fahrt im Märlitram und ein Theaterbesuch gehört zu unseren Adventsritualen.

Zudem backen wir, was der Ofen hält. Damit das viele Basteln und Backen keine Spuren hinterlässt, bekommt unser Esstisch gegen Ende November ein Wachstuch zum Schutz, das gehört mittlerweile fast schon standardmässig zur Weihnachtdeko wie die weissen Sterne aus Sandwichtüten.

Wie Evelin haben auch wir eine Kiste Weihnachtsbücher, die pünktlich Ende November hervorgeholt wird. Sehr beliebt sind dabei Zipf, Zapf, Zepf und Zipfelwitz zum Lesen und Hören. Ganz wichtig: Bei uns kommt der Weihnachtsbaum schon früh zum Zug, allerdings draussen. Er steht das ganze Jahr im Garten und darf den kompletten Dezember auf dem Balkontisch bewundert werden.»

Florina Schwander
mag Kinder, Geschichten, Pflanzen, Kaffee, Flipflops und Code. Sie ist Mutter einer Tochter und von Zwillingsjungs im Primarschulalter.

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