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Familienleben

«Elterliche Präsenz ist genauso wichtig wie die Selbständigkeit der Kinder»

Was treibt Familien heute um, welche Sorgen und Nöte beschäftigen sie? Für das Dossier Helikopter-Eltern hat Autorin Sandra Casalini mit Eltern über verschiedene Familien- und Erziehungsfragen gesprochen. Hier erzählen Rahel Strebel, Kunsthistorikerin in der Ausbildung zur Gestaltungspädagogin, und Andreas Abegg, Anwalt und Dozent, aus Zürich, Eltern von Linus, 13, Flurin, 11, und Mina, 9.
Aufgezeichnet von Sandra Casalini
Bilder: Stephan Rappo / 13 Photo
Rahel Strebel: «Dass ich nach der Geburt der Kinder nicht gearbeitet habe, hat sich so ergeben, das war nicht bewusst so geplant. Vor zwei Jahren habe ich wieder angefangen. Ich war zuvor völlig ausgelastet mit den Kindern. Es war eine schöne und intensive Zeit, mit gesundheitlichen Problemen der Kinder, Schulwechseln und anderem. Natürlich besteht die Gefahr, dass man, wenn man so nah an den Kindern ist, manchmal vergisst, dass es noch anderes gibt.
Die Kinder gingen ab der Spielgruppe in die Steinerschule, weil uns die Philosophie entspricht. Die Buben waren aber später mit den Lehrerinnen nicht glücklich, also wechselten die Kinder in die öffentliche Schule. Für Linus war das sehr schwierig. Als es dann um den Wechsel in die Oberstufe ging, war uns wichtig, dass er gern in die Schule geht. Wir haben uns gemeinsam mit Linus für eine Privatschule entschieden. Hier fühlt er sich wohl. Bei ihm ist so viel kreatives Potenzial da, ich finde es auch wichtig, dass er sich entfalten kann und nicht nur Wert auf Noten gelegt wird. 
Mina mit ihren Eltern Andreas Abegg und Rahel Strebel
Mina mit ihren Eltern Andreas Abegg und Rahel Strebel
Bei Flurin passte die Lehrerin in der Steinerschule einfach überhaupt nicht. Es ging so weit, dass wir ihn abklären liessen, weil er täglich Kopf- und Bauchschmerzen hatte. Wir haben viele Gespräche geführt, aber irgendwann war es nicht mehr zu ertragen. In der öffentlichen Schule hatte er zwei super Lehrerinnen – und alles war toll! Wenn so etwas vorkommt, ist klar, dass sich das Familienleben vor allem um die Kinder dreht.

Die Noten sind uns nicht so wichtig. Wichtig ist, dass unsere Kinder den Stoff verstehen. Als ich zum Beispiel merkte, dass Mina in Mathe eine Lücke hat, übte ich täglich mit ihr. Da braucht es schon die Hilfe der Eltern: Die Klassen werden immer grösser und unruhiger, da geht schnell mal unter, wenn ein Kind in einem Fach Mühe hat. Ich finde die physische Präsenz der Eltern wichtig. Aber genauso wichtig ist die Selbständigkeit der Kinder: Alle drei sind oft mit Freunden unterwegs, und ich frage auch nicht ständig, ob nun die Hausaufgaben erledigt sind.»
Andreas Abegg: «In unserer Freizeitgestaltung stehen die Kinder im Mittelpunkt. Ich bin beruflich sehr eingespannt, da möchte ich so viel Zeit wie möglich mit der Familie verbringen. Grundsätzlich ist Rahel für die Erziehung der Kinder zuständig, aber wichtige Entscheide treffen wir gemeinsam. Eine gute Beziehung zu den Kindern ist uns extrem wichtig. Da sein, zuhören, Anteil nehmen, Verständnis zeigen. 
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Ich bin für die «Bildschirmzeit» verantwortlich. Linus darf zum Beispiel sieben Stunden pro Woche an Handy, Tablet und Co. verbringen. Wir möchten, dass unsere Kinder Medien im Wohnzimmer konsumieren, nicht in ihren Zimmern. Da kommt es vor, dass ich auch mal mitspiele an der Playstation. Helikopter-Eltern? Ich glaube nicht, dass wir das sind. Wir lassen unseren Kindern innerhalb unserer Grenzen sehr viele Freiheiten. Wir möchten selbständige Kinder grossziehen, die irgendwann ihre eigenen Entscheidungen treffen. Da ist ständige Kontrolle fehl am Platz.»

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