Was sollen Eltern tun, wenn sie das Kind beim Sex überrascht? - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Was sollen Eltern tun, wenn sie das Kind beim Sex überrascht?

Lesedauer: 7 Minuten
Ob in den Medien, in Kunst oder Kultur: Sex ist allgegenwärtig. Doch wie gesund und authentisch ist unser Umgang mit der eigenen Körperlichkeit? Die sexologische Körpertherapeutin Beate Wanka über die Vorbildfunktion von Müttern und Vätern, sexuelle  Freiräume und schlechte Aufklärungsbücher.

Interview: Jana Avanzini
Bild: Lina Scheynius

Frau Wanka, jede Mutter, jeder Vater würde sich heute als aufgeklärt bezeichnen. Sind wir unseren Kindern gute Vorbilder in Sachen Sexualität? 

Lassen Sie mich auf das Wort «aufgeklärt» eingehen und damit Ihre Frage beantworten. Aus meiner Sicht hat sexuelle Bildung in unserer Gesellschaft noch viel Entwicklungspotenzial. Ist der G-Punkt Mythos oder Realität?

Ich muss erst einmal meine eigene Scham überwinden, um sie meinen Kindern nicht mitzugeben.

Zudem sind auch die weiblichen Genitalien weit mehr als nur «Vagina», wie sie zumeist definiert werden. Dazu kommt, dass wir in vielen Bereichen, die unseren Körper und unsere Sexualität betreffen, sehr schambehaftet sind. Und all dies geben wir als Vorbilder weiter. Kinder spüren viel. Beispielsweise auch, ob sich ihre Eltern aus Verbundenheit küssen und umarmen oder ob es bloss Geste und Gewohnheit ist. Deshalb ist es wichtig, Nähe und Zärtlichkeit zum Partner bewusst und ehrlich zu leben. 

Wie sieht denn ein authentischer Umgang mit der eigenen Körperlichkeit aus? Sollten Eltern zu Hause auch mal nackt herumlaufen?

Wenn ich mich als Mutter beziehungsweise als Vater dabei wohlfühle und es für die anderen Familienmitglieder stimmt, gerne. Aber viel wichtiger als mein Verhalten ist meine innere Haltung zum Thema.

Mit anderen Worten: Ich muss erst einmal meine eigene Scham überwinden, um sie meinen Kindern nicht mitzugeben. Vortäuschen funktioniert vor Kindern nicht. Wichtig ist, sich als Paar den Raum zu nehmen, auch mal die Schlafzimmertüre für Zweisamkeit zu schliessen. Die Kinder können lernen zu respektieren, dass die Eltern ein Paar mit Bedürfnissen sind – auch sexuellen. 

Beate Wanka ist 54 Jahre alt, Mutter einer erwachsenen Tochter und lebt im luzernischen Malters. Sie praktiziert als diplomierte sexologische Körpertherapeutin IISB und unterrichtet am Institut für somatische Körperarbeit und sexologische Körpertherapie in Zürich. Bild: zVg
Beate Wanka ist 54 Jahre alt, Mutter einer erwachsenen Tochter und lebt im luzernischen Malters. Sie praktiziert als diplomierte sexologische Körpertherapeutin IISB und unterrichtet am Institut für somatische Körperarbeit und sexologische Körpertherapie in Zürich. Bild: zVg
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