Tipps gegen den Quarantäne-Koller bei Kindern - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
Merken
Drucken

Tipps gegen den Quarantäne-Koller bei Kindern

Lesedauer: 6 Minuten

Quarantänezeiten sind für die meisten Schülerinnen und Schüler mühsam. Sie sind von ihrem sozialen Umfeld ausgeschlossen und verpassen vieles in der Schule. Wir haben mit der Schulsozialarbeiterin Anna Kolb gesprochen und verschiedene Beschäftigungstipps gesammelt.

Text & Interview: Hanna Lauer
Bild: Rawpixel.com

Wie nehmen Kinder eine Quarantänepflicht grundsätzlich auf? Gibt es Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Kindern?

Die meisten Kinder finden die Quarantänepflicht nicht toll. Eine Quarantänepflicht bedeutet für viele Schülerinnen und Schüler, dass sie in der Schule vieles verpassen.

Meinen Sie Schulstoff oder das soziale Leben?

Zu Hause sind sie isoliert und ihre wichtigen gleichaltrigen Kontakte fallen weg. Sie dürfen nicht mit ihren Freunden spielen – das ist vor allem für jüngere Kinder essenziell. Aber auch ältere Kinder haben schnell genug von der Quarantänepflicht und wollen sich mit ihren Freundinnen und Freunden treffen. In den Sportferien 2021 gab es viele Reisebeschränkungen und Empfehlungen, möglichst wenig mit anderen Personen in Kontakt zu treten. In diesem Zeitraum hatten wir viele Kinder, die sagten, dass sie sich nicht auf die Ferien freuen und lieber weiterhin zur Schule gehen würden.

Erleben Sie die Kinder nach der Quarantäne anders als zuvor?

Einige haben ein Nachholbedürfnis und geniessen die Kontakte mit anderen Kindern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schule. Andere wiederum zeigen keine sichtbaren Veränderungen, sind aber froh, wieder in die Schule zu «dürfen». Viele haben nach der Quarantäne einen grossen Rückstand auf die anderen Kinder der Klasse und müssen viel nacharbeiten.

Anna Kolb arbeitet als Schulsozialarbeiterin in Dietikon auf allen Schulstufen.

Was macht die Schule oder Sie als Schulsozialarbeiterin für das Kind, das sich gerade in Quarantäne befindet?

Der Kontakt wird in erster Linie durch die Lehrperson aufrechterhalten und man versucht zu vermeiden, dass die Kinder und Jugendlichen viel Schulstoff verpassen. Reicht dies nicht, wendet sich die Lehrperson an uns oder die Kinder und Jugendlichen treten selbst mit uns in Kontakt. Die Eltern werden per Brief informiert, dass auch sie sich an uns wenden sollen, wenn sie Unterstützung oder Hilfe brauchen und die Situation zu Hause angespannt ist.

Wann müssen Schülerinnen und Schüler in Quarantäne?

Wann ein Kind oder Jugendlicher in Quarantäne muss, ist kantonal sehr unterschiedlich geregelt. Aktuell gelten folgende Bestimmungen, nachfolgend zwei Beispiele:

Kanton Zürich:

Kindergarten und 1. bis 3. Primarklasse, die NICHT repetitiv testen:
Wenn drei oder mehr Kinder einer Klasse/Gruppe innerhalb von 10 Tagen positiv auf Corona getestet werden, muss die ganze Klasse/Gruppe in Quarantäne

4. bis 6. Primarklasse, die NICHT repetitiv testen:
Quarantäne für ungenügend geschützte Kontakte. Ungenügend geschützte Kontakte müssen in Quarantäne, wenn sie mit der infizierten Person in den 48 Stunden vor Symptomausbruch, respektive vor der Testabnahme einen engen Kontakt  hatten und niemand oder nur eine der beiden Personen eine Maske getragen hat (ungenügender Schutz).

Sekundarschule, die NICHT repetitiv testet:
Quarantäne für ungenügend geschützte enge Kontakte. Es müssen alle Sekundarschüler/innen und Erwachsene in Quarantäne, die mit der infizierten Person einen engen Kontakt ohne genügenden Schutz hatten.

Quelle: Kanton Zürich

Kanton St. Gallen:

ein Schüler/eine Schülerin: Fällt der Test eines Kindes oder einer/s Jugendlichen positiv aus, werden die im gleichen Haushalt lebenden Personen (Erwachsene und Kinder), die weder geimpft noch genesen sind, unter Quarantäne gestellt. Die anderen Kinder/Schülerinnen und Schüler der Gruppe/Klasse oder die Lehr-/Betreuungspersonen werden nicht unter Quarantäne gestellt.

mehrere Kinder bis 6. Klasse: Werden zwei oder mehr Kinder/Jugendliche in einem Abstand von weniger als 10 Tagen in derselben Klasse/Gruppe positiv getestet, ordnet das Kantonsarztamt eine Ausbruchstestung in dieser Klasse an. In Kindergartenklassen werden keine Ausbruchstestungen vorgenommen.

Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I: Werden in Klassen der Sekundarstufe I mehrere Schülerinnen und Schüler positiv auf Covid 19 getestet, erfolgt in der Regel keine Ausbruchstestung.

Quelle: Kanston St. Gallen

Gibt es für Kinder in Quarantäne Fernunterricht?

Ja das ist möglich, Lehrpersonen haben es den Schülerinnen und Schülern teilweise selber überlassen, ob sie virtuell (via Teams) am Unterricht teilnehmen wollen oder nicht. Einzelne haben es genutzt, andere weniger. Es kann für das betroffene Kind sehr anstrengend sein, weil es immer vor dem Gerät sitzen muss und doch nicht wirklich dabei sein kann.

Was raten Sie Kindern in Quarantäne?

Wir raten, einen festen Tagesablauf zu erstellen oder zusammen mit den Eltern einen zu definieren. Dabei können sie viele Einheiten einbauen, die Spass machen wie Bewegung und Spiel. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche Kontakt zu anderen haben. Neben dem Chatten und Telefonieren mit ihren Freunden und Verwandten ist eine weitere Möglichkeit, Briefe zu schreiben oder jemandem mit einer Zeichnung eine Freude zu bereiten. Was wir auch empfehlen, ist ein Quarantänetagebuch zu schreiben in dem sie beispielsweise lustige Anekdoten erwähnen oder die Quarantänedauer visualisieren.

Lesen Sie hierzu das Interview mit Susanne Walitza zum Thema «Quarantäne ist für Kinder schlimmer als der Lockdown».

Wie meinen Sie visualisieren?

Zum Beispiel so: 10 Tage Quarantäne = 10 Bonbons. Oder einen Zeitstrahl zeichnen und somit zu sehen, dass die Quarantänezeit immer kürzer wird.

Welche Beschäftigungstipps haben Sie für Kinder in Quarantäne?

Basteln, Hütten und Bewegungslandschaften bauen, im Haushalt mithelfen, lesen oder Theater spielen. Ein kleines Projekt definieren, wie zum Beispiel täglich Liegestützen machen oder ein bestimmtes Objekt zeichnen zu lernen.

Tipps gegen den Quarantäne-Koller aus der Redaktion:

Haben auch Sie eine Idee? Schicken Sie uns Ihren Tipp: online(at)fritzundfraenzi.ch

 

Auch amüsant und unterstützend: Schauen Sie sich auf Ihrem liebsten sozialen Netzwerk um, es gibt zahlreiche Tipps unter #Quarantänetipps oder ähnlichen Hashtags. Es ist anstrengend. Aber es geht vorbei und vor allem: Es geht vielen Familien gleich.

  • Langeweile zulassen! Ja, alleine zuhause zu hocken kann zeitweise sehr öde sein. Aber Langeweile ist gut, dann kommen neue Ideen und grosse Freude auf, wenn die Langeweile weg ist!
  • Virtuell spielen: Via Facetime oder andere Video-Telefonieanbieter kann man gut Stadt, Land, Fluss spielen, zum Beispiel, das geht ab ca. der zweiten Klasse. Auch andere Spiele lassen sich virtuell gemeinsam spielen, smarticular hat eine gute Sammlung.
  • Glotzen ist nicht gleich glotzen: Die Quarantäne ist anstrengend für alle Involvierten, es darf also ruhig auch mal ein bisschen mehr TV geschaut oder mehr Schokolade gegessen werden, finden wir. Und es gibt durchaus sinnvolle TV-Programme wie beispielsweise Anna und die wilden Tiere für die Kleinen, Checker Tobi für die etwas grösseren Kinder und die zahlreichen Wissens-Angebote oder Kinder-News von SRF.
  • Es gibt was auf die Ohren! Es muss übrigens nicht immer der Bildschirm sein, auch mit Hörspielen lässt sich die Zeit gut vertreiben und nebenbei kann noch gebastelt oder sonst «gegrümschelet» werden. Gute Hörspiele gibt es wiederum beim SRF und unsere Lieblinge für gross und klein haben wir hier gesammelt: Unsere liebsten Hörspiele für Gross und Klein
  • Freundschaftsbändeli knüpfen für Klassenkameraden: Freundschaftsbändeli kommen immer gut an, egal ob bei Gross oder Klein. Für jüngere Kinder eignen sich einfachere Knüpftechniken. Profis knüpfen mit mehr als zwei Fäden. Etwas Inspiration und eine Anleitung.
  • Sterne aus Sandwichtüten basteln (passend zur Weihnachtszeit): Nichts einfacher als das, was dekorativ aussieht lässt sich ganz einfach basteln. Und pro Stern braucht es gerade mal zwei Minuten. Da werden einige Sterne entstehen in 10 Tagen Quarantäne.
    Eine Anleitung und weitere Basteltipps auf unserem Pinterest-Account.
  • Mama-Kind-Ausmalbuch: Das Mandelabuch bietet Motive auf einer Doppelseite, die jeweils für Erwachsene und Kinder entwickelt wurden. So bekommt Mama oder Papa mehr Details zum Ausmalen, während die Kids sich auf den grösseren Farbflächen vergnügen.
  • Virtuelle Museumstour für Kinder: Ein bisschen Bildung gewünscht? Einige grosse Weltmuseen lassen sich auch virtuell besichtigen. Die Liste reicht vom Museé d’Orsay in Paris bis zum Guggenheim Museum und MoMA in New York. Ein Überblick der schönsten Museen
  • Überraschungs-Aktivitäten für jeden Tag: Die Eltern erstellen für die Dauer der Quarantäne Aktivitäten für das Kind. Dieses kann dann jeden Tag ein Zettelchen ziehen und der sportlichen Aktivität nachgehen. Wie wäre es wiedermal mit Gummitwist? Wer kennt den 10er noch?
  • Street Racket für drinnen und draussen: Das Spiel Street Racket lässt sich nicht nur im Garten, sondern auch im Wohnzimmer spielen. Benötigt wird ein kleiner Ball. Wer kein Racket zur Hand hat, kann auch ein Schulbuch als Schlaginstrument verwenden. Das Spiel lässt sich mit verschiedenen Aufgaben ausbauen. Die Video-Anleitung erklärt, wie es geht. Zusätzlich gibts die kostenlose Street Racket App. www.streetracket.net
  • Einen Song singen lernen mit Karaoke: Karaoke-Mikro schnappen und per Youtube einen Song lernen. Das Ziel ist den Song bis Ende der Quarantäne der Familie vorzustellen.
  • Weitere kreative Tipps für Familien finden Sie in unserem Artikel: «Die besten Online-Tipps gegen den Corona-Koller»

Wird etwas als Klasse unternommen, dass sich das Kind in Quarantäne nicht ausgeschlossen fühlt?

Manche Klassen-Lehrpersonen schreiben Karten oder kurze Briefe. In einer Klasse haben die Schülerinnen und Schüler eine «Willkommen-Zurück-Zeichnung» für das betroffene Kind vorbereitet.

Ist es für alle Kinder schlimm, in Quarantäne gehen zu müssen oder gibt es solche, die lieber zu Hause sind als in der Schule?

Sicher gibt es welche, die lieber zu Hause sind oder dies im ersten Moment schön finden. Mit Dauer der Quarantäne vermissen aber auch diese Kinder bald die Freunde und die Gemeinschaft in der Schule. Wir erleben, dass die meisten gerne zurückkommen und froh sind, wieder in der Schule zu sein.

Hanna Lauer
arbeitet seit 2020 in der Onlineredaktion. Das zweite Zuhause der gebürtigen Zürcherin ist der Käferberg, sie tanzt gern Zumba und züchtet Sauerteig-Kulturen.

Alle Artikel von Hanna Lauer

Lesen Sie mehr zum Thema Corona:

Advertorial
Spannend, kurios, überraschend: 2 Kuhfakten
Warum uns die Auswahl dieser 2 Fakten ganz schön schwer gefallen ist? Nun, weil Milchkühe einfach ziem­lich faszinierende Tiere sind. Wir haben uns mal auf das Fressen beschränkt. Denn die Kuh passt mit ihren Futtervorlieben perfekt zum Grasland Schweiz.
Elternblog
«Das Glück reist mit»: Wieder sesshaft werden
Im letzten Teil der Serie «Das Glück reist mit» schreibt die Autorin über die Tücken des Ankommens und warum sie jeder Familie eine gemeinsame Auszeit empfehlen würde.
Elternblog
«Das Glück reist mit»: Wie Loslassen Leichtigkeit bringt
Im 4. Teil unserer grossen Familienreise-Serie wird materiell und emotional entrümpelt und die Autorin und Mutter verrät, was ihr unterwegs wirklich fehlt.
Elternblog
«Das Glück reist mit»: Lernen in der Wohnwagenschule
Der dritte Teil der Serie «Das Glück reist mit» zeigt, wie Lernen ohne Schule funktioniert und wie Reisen neue Horizonte eröffnet.
Elternblog
«Das Glück reist mit»: Venedig für sich ganz allein
Vom harten Lockdown in Südfrankreich bis zur aufregenden Fahrt durch Katalonien: Im zweiten Teil unserer Serie geht die Reise endlich los und erlebt die Familie trotz Pandemie ungeahnte Freiheiten.
Elternblog
«Das Glück reist mit»: Eine verrückte Idee wird wahr
Eine Familie gibt Jobs und Zuhause auf, um eine grosse Reise zu machen, als Corona alles auf den Kopf stellt. Erfahren Sie mehr in Teil 1 dieser spannenden fünfteiligen Serie.
Entwicklung
Warum Tagebuchschreiben vielen Kindern hilft
Das Weltgeschehen und alltägliche Erlebnisse lösen bei Kindern vielschichtige Reaktionen aus. Tagebuchschreiben kann helfen, negative Gefühle zu verarbeiten. Genauso wie es positive Gefühle verstärken kann. Elin, Yara und Flavia nutzen Stift und Papier für beides.
Medien
Was ist Twitch?
Auf diese und sechs weitere Fragen gibt das Kapitel «Fernsehen und Medien» des Dossiers «100 Fragen - 100 Antworten zum Thema Medien» Antwort.
Medien
Ab wann spricht man von einer Smartphone-Sucht?
Auf diese und fünf weitere Fragen gibt das Kapitel «Gesundheit und Medien» des Dossiers «100 Fragen - 100 Antworten zum Thema Medien» Antwort.
Elternbildung
«Kinder sollten in der Schule das Alleinsein lernen»
Die Coronazeit hat das Gefühl der Einsamkeit bei vielen Kindern verstärkt. Alleinsein sei an sich nicht negativ, sondern eine Ressource, sagt Mediatorin Cordula Reimann im Monatsinterview.
Elternblog
Wie kommen wir aus der Sorgenspirale raus?
Auf die Corona-Krise folgt der Krieg in der Ukraine. Was macht das mit uns als Eltern? Was mit unseren Kindern? Fritz+Fränzi-Redaktorin Maria Ryser wirft einen kritischen Blick nach Innen und fragt sich, was handeln für sie bedeutet.
Elternbildung
Vortragszyklus Kosmos Kind: Alle Daten und Infos
Die Stiftung Elternsein, Herausgeberin des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi, lanciert mit der «Akademie. Für das Kind» den Vortragszyklus «Kosmos Kind».
Psychologie
Soforthilfe für ADHS-betroffene Familien
Was hat sich in den letzten Jahren im Umgang mit ADHS verändert und welche Fragen beschäftigen Eltern in der aktuellen Corona-Ausnahmezeit am meisten? Wir haben bei der Fach- und Beratungsstelle elpos nachgefragt.