Von wegen Quaran-Tränen: Papa isoliert, Mama brilliert - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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Von wegen Quaran-Tränen: Papa isoliert, Mama brilliert

Lesedauer: 3 Minuten

Unseren Autor Christian J. Käser hats erwischt: Er hat Corona. Er beschreibt, wie es ihm, den vier Kindern und vor allem seiner Frau während den zehn Tagen zuhause erging.

Text: Christian J. Käser
Bild: Rawpixel.com

Es hat mich erwischt. Trotz Impfung fühlt sich das Virus wohl in meinem Körper und nach einem kleinen Marathon mit falschnegativen Tests und einer fiebrigen Reise ins Triemli ist klar: Ich habe Corona. Das heisst: Isolation für mich, Quarantäne für die Kinder.

Meine Frau dürfte sich eigentlich als Geimpfte frei bewegen, doch irgendjemand muss ja die vier Kinder unterhalten, denn die dürfen zuhause bleiben und bekommen einen Packen Material von der Schule. Corona bringt den ganz normalen Familienalltag plötzlich ganz schön durcheinander.

Ich liege derweil mit Gliederschmerzen, Fieber und Kopfweh im Bett. Es geht mir nicht wirklich gut.

Die Kinder dürfen mir das Essen liefern, ansonsten sollen sie sich von meinem Lager im Gästezimmer fernhalten. Distanz ist angesagt. Ja, wir haben uns die Durchseuchung der Familie überlegt, aber einerseits habe ich am eigenen Leib erfahren, dass dieser Käfer nicht ganz harmlos ist und zum anderen haben wir keine Lust auf einen Quarantäne Staffellauf, bei dem wir uns das Virus bis Weihnachten übergeben. Apropos übergeben: Schlecht ist mir auch. Corona geht also auch durch den Magen.  

Was mir in meinem Zimmerlein bleibt, sind der Laptop und die Gitarre. Ich klicke mich quer durchs Internet und wäre ich anfällig für Verschwörungsesoterik, hätte ich jetzt genügend Futter.

(Bild: Christian J. Käser)

Auch ich werde etwas radikaler, kann mich mit der Idee einer Impfpflicht anfreunden, schaue alles was ich von Jan Böhmermann kriegen kann, diesem Norddeutschen König der intelligenten Unterhaltung und lerne «Blackbird» von den Beatles und «Every Breath You Take» von Police auf der Gitarre, bis mir die Fingerkuppen weh tun. Ich schaue Trash auf Netflix, lese ein bisschen den Zauberberg und lande irgendwann bei «King Kong Skull Island», bis eines der Kinder nachts plötzlich von den Schreien des Riesenaffen aufwacht. Was müssen die auch von ihrem Vater denken. Ein Mann in Trainerhose und einer weissen Maske, der sein Essen im Bett einnimmt, dazu Netflix schaut und manchmal kläglich scheitert, wenn er die Mutter dabei zu unterstützen versucht, wenn die Kids nicht ins Bett wollen. Darth Vader krächzt durch den Gang und niemand kann ihn wirklich ernst nehmen. Ich muss wieder an Thomas Mann denken. Dem soll es gemäss seinen Tagebüchern ähnlich ergangen sein. Er sass in seinem Zimmer und hatte eigentlich keinen körperlichen Kontakt zu seinen Kindern. Im Unterschied zu mir hatte er wenigstens etwas Autorität. Oder nicht?

Wenn Sie jetzt beim Lesen denken: Was labert er da von seinen Leiden mit Netflix und Youtube im Zimmerlein, während seine Frau vier Kinder in einer Zürcher Stadtwohnung jongliert. Sie haben natürlich recht. Die Heldin dieser Geschichte ist meine Frau. Keine Frage. Solange die Lunge funktioniert, ist ein Impfdurchbruch einfacher zu handhaben als vier Kinder in einer Stadtwohnung ohne Garten. 

Während die Kinder am ersten Tag tatsächlich hofften, dass der PCR-Test positiv ausfällt, weil sie die Aussicht auf ein Ferienlager in der Wohnung ziemlich reizvoll fanden, kann meine Frau der Idee, zehn Tage in der Wohnung zu verbringen nicht viel abgewinnen. Auch wenn sie als Psychotherapeutin keine einfache Aufgabe hat, empfindet sie das Arbeiten immer auch ein wenig als, naja man darf ja nicht sagen Erholung, vielleicht eher als willkommene Abwechslung zum Familienalltag. 

Doch dann, ich kann es nicht anders sagen: Sie blüht richtig auf in dieser Situation. Nach einer Monsterbestellung bei der Grossverteilerin unseres Vertrauens werden die Fenster dekoriert, Seifen selbst hergestellt, Grittibänzen gebacken und überzuckerte Desserts kreiert.

Das Wichtigste aber sind die gemäss BAG erlaubten «Frischluftepisoden», die sie egal ob bei Regen, Eis oder Schnee sehr ernst nimmt. Das Essen gibt’s vom Cindys an der Raststätte, natürlich nur ins Auto geliefert, denn meine Frau ist die Einzige, die aufgrund ihres Impfstatus ein Restaurant betreten darf.

Unseren Autor Christian J. Käser hats erwischt: Er hat Corona. Er beschreibt, wie es ihm, den vier Kindern und vor allem seiner Frau während den zehn Tagen zuhause erging.
(Bild: Christian J. Käser)

Wie hat sie diese Zeit überstanden? Ganz einfach: Sie konzentriert sich aufs Wesentliche. Im Zentrum stehen nicht die sich stapelnden Wäscheberge, die unaufgeräumte Küche oder das Chaos im Kinderzimmer. Im Zentrum steht der Spass im Quarantänelager!

Auch beim Fernunterricht dürfen mal ein paar Arbeitsblätter ignoriert werden. Wenn die Zeit zum Kochen fehlt, sind Pizzas schnell bestellt und dann erklärt halt Checker Tobi für einmal die Schwerkraft. 

Diese Schwerkraft macht mir noch etwas zu schaffen, doch die Leichtigkeit kommt langsam zurück und der Körper erholt sich. Während ich mich auf den ersten Schritt aus dem Haus freue, sind die Kinder nur mässig begeistert, als sie wieder in die Schule dürfen. Es ist für sie ein wenig, als wäre gerade eine schöne Ferienwoche zu Ende gegangen. Normalität ist eben manchmal auch eine Frage der Perspektive.

Ich gebe es zu. Das süsse Nichtstun kommt mir inzwischen ganz angenehm vor. Ein Leben als «Thomas-Mann-Verschnitt» im Studierzimmer hätte durchaus seine Qualitäten. Doch verständlicherweise hat meine Frau keine Lust darauf. Ich werde wieder gebraucht. Während sie mit den Grossen Snowboarden geht, räume ich das Quarantänelager auf und kümmere mich um den Kleinsten. Ich wickle, putze und koche wieder. Denn es ist klar: Die Schonfrist ist vorbei.

Christian Johannes Käser
steht seit über 20 Jahren auf der Bühne. Seine vier Kinder (die Tochter ist 10, die drei Jungs 8, 5 und 2 Jahre alt) und seine Frau sind seine liebsten Kritiker. Der gebürtige Appenzeller lebt in Zürich. Improvisiert wird in allen Lebenslagen, ausser bei der Liebe zum Fussballverein. Da gilt nur eines: Hopp Sangalle!

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